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Oberhofer, Andreas, Der andere Hofer. Der Mensch hinter dem Mythos (= Schlern-Schriften 347). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009. 424 S., 66 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler. IT

Oberhofer, Andreas, Der andere Hofer. Der Mensch hinter dem Mythos (= Schlern-Schriften 347). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009. 424 S., 66 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Von Natur aus ist Tirol in der Sicht des heutigen Betrachters ein sehr schönes, aber trotz der Vorkommen von Salz und Silber bis zum Aufkommen des Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eigentlich sehr armes Land, dessen Bewohner ihre Häuser verkaufen und auf Stroh schlafen. Dementsprechend ist die Zahl der vielleicht weltbekannten Tiroler nicht besonders groß. Zu ihnen dürfte aber Andreas Hofer, der Wirt aus dem Passeiertal und Freiheitskämpfer gegen Napoleon und Bayern, zu zählen sein.

 

Anlässlich des 200jährigen Gedenkens an den Tiroler Aufstand gegen die Regierung Bayerns im Jahre 1809 wurde seiner vielfach gedacht. Der in Brixen in Südtirol geborene, nach dem Studium der Geschichte und deutschen Philologie an der Universität Innsbruck 2006 promovierte, an Andreas Hofer besonders interessierte, an der Universität Innsbruck als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätige Verfasser berichtet im Vorwort eindringlich über das vielfältige bisherige Schrifttum. Gleichwohl sieht er noch die Möglichkeit vertiefter Erkenntnis.

 

Auf diesem Wege hält er die „weltgeschichtliche“ Persönlichkeit Andreas Hofers zwar mit guten Gründen für an sich biographieuntauglich, verfolgt aber gleichwohl den Lebenslauf des Sandwirts an Hand von Handlungsräumen und Handlungsrollen. Über die gefürstete Grafschaft Tirol, das Gericht Passeier, die Vorfahren, Kindheit und Jugend, die Großjährigkeit und die Erwerbszeit zeichnet der Verfasser anschaulich und einnehmend in weiterführender Weise die Spuren nach, auf deren Grundlage der Bauer, Wirt und Händler Andreas Hofer in seinen letzten Lebensjahren in die gefährlichen Wirren der großen Politik gelangte, in denen er rasch erkennen musste, „es ist verspielt“. Über die Hinrichtung in Mantua hinaus verfolgt der Verfasser anschließend noch das weitere Schicksal des Dandhofs und der hinterlassenen Familie bis zu den Urenkelinnen und Urenkeln

 

Innsbruck                                                                   Gerhard Köbler