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Mende, Silke, „Nicht rechts, nicht links, sondern vorn“. Eine Geschichte der Gründungsgrünen (= Ordnungssysteme. Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit 33). Oldenbourg, München 2011. 541 S., 8 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler. IT

Mende, Silke, „Nicht rechts, nicht links, sondern vorn“. Eine Geschichte der Gründungsgrünen (= Ordnungssysteme. Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit 33). Oldenbourg, München 2011. 541 S., 8 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die Untersuchung ist die überarbeitete Fassung der von Anselm Doering-Manteuffel betreuten und mitgeformten, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten, im Wintersemester 2009/2010 von der Fakultät für Philosophie und Geschichte der Universität Tübingen angenommenen Dissertation der als wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Zeitgeschichte der Universität Tübingen tätigen Verfasserin. Sie betrifft ein mit den zunehmenden Wahlerfolgen der Grünen immer beachtlicheres Thema. Sie ist insbesondere dem Archiv Grünes Gedächtnis für die angenehme Unterstützung sehr verpflichtet.

 

Die Verfasserin beginnt ihre Einleitung mit einem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung über den Gründungskongress der Grünen vom 15. Januar 1980, demzufolge bei dem Gedanken einer Regierungsbeteiligung grelle Alpträume zu befürchten waren. Gegliedert ist die anschließende materialreiche Untersuchung in zwei Teile mit insgesamt zwölf Kapiteln. Der erste Teil befasst sich mit den einigermaßen unterschiedlichen Trägergruppen, Netzwerken und Typen der Gründungsgrünen. Der zweite Teil betrifft als Formen der politischen Integration ungewöhnliche Koalitionen im Lichte neuer wirklichkeitsnaher Herausforderungen.

 

Im Ergebnis ihrer überzeugenden Untersuchung stellt die Verfasserin fest, dass in der alltäglichen politischen Arbeit der Grünen als Parteiorganisation und in den Parlamenten bald die Sollbruchstellen des Gründungskonsenses offenbar wurden. Ursprünglich bildeten die Gründungsgrünen eine aus den Protestbewegungen der 1970er Jahre hervorgegangene politisch-ideelle Formation. Politisch verändert haben sie vor allem die gesellschaftlichen Vorstellungen von Staat, Planung und Wachstum, ohne dass sich bisher wirklich absehen lässt, wie ihre politischen Positionen sich in den Sachzwängen der aktuellen Gesellschaftsführung jenseits der Spannung zwischen Turnschuhen und Schwalbenschanz auf Dauer wahren und verwirklichen lassen.

 

Innsbruck                                                        Gerhard Köbler