Weizsäcker, Richard, Der Weg zur Einheit. Beck, München 2009. 223 S., 10 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Aus Erfahrung weiß der Mensch, dass die Vergangenheit im Vergessen versinkt und die Zukunft nicht vorhersehbar ist. 40 Jahre nach ihrer Gründung feierte sich die Deutsche Demokratische Republik 1989 so glanzvoll, wie ihr dies möglich war, und kaum einer der äußeren Betrachter ahnte, dass dies der Anfang eines unmittelbar bevorstehenden Endes war. Nur ein Jahr später war die Deutsche Demokratische Republik nur noch Geschichte und vielleicht sogar nur eine Fußnote der Geschichte.

 

Dieses zumindest aus deutscher Sicht weltgeschichtlich bedeutsame Ereignis erregt naturgemäß das Interesse der Historiker. Deswegen ist der Vorgang bereits vielfach Gegenstand zeitgeschichtswissenschaftlicher Forschungen und Darstellungen gewesen und wird es auch noch weiter sein. Dessenungeachtet verdienen Betrachtung und Bewertung durch einen führenden, sich selbst vor allem als Zeitungsleser verstehenden deutschen Politiker besondere Aufmerksamkeit.

 

Richard von Weizsäcker gliedert seine Darstellung des danaligen Geschehens in insgesamt 25 Abschnitte, die mit der Einsicht beginnen, dass die Geschichte die Antwort gibt. Über Niederlage und Neuanfang von 1945 und den ostdeutschen Weg und den westdeutschen Weg sowie viele weitere Schritte, auf denen nach Ausweis des Personenregisters Michael Gorbatschow die wohl bedeutsamste Rolle spielt, gelangt der Verfasser zu Einheit und Freiheit am 3. Oktober 1990 und zum anschließenden, noch andauernden  Versuch der inneren Einheit. Im Anhang des bewegenden Einblicks aus einem Zentrum deutscher Politik veröffentlicht er seine Rede vom 3. Oktober 1990, in der die Geschichte vor allem als Chance begriffen wird.

 

Innsbruck                                                                                           Gerhard Köbler