Die Quellen sprechen lassen. Der Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer 1737/38. hg. v. Emberger, Gudrun/Kretzschmar, Robert. Kohlhammer, Stuttgart 2009. 135 S., 47 Abb., 2 CD-ROM. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer wurde in Heidelberg vermutlich im Februar oder März 1698 in einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Als Kreditvermittler und Kreditgeber lernte er 1732 in Wildbad Karl Alexander von Württemberg kennen, der trotz seines frühen Übertritts zur katholischen Konfession nach dem Tode seines Onkels am 31. Oktober 1733 Herzog von Württemberg wurde, 1736 Joseph Süß Oppenheimer zum geheimen Finanzrat und politischen Ratgeber berief und ihm dabei weiten merkantilistischen Handlungsspielraum überließ. Nach dem unerwarteten Tod des Herzogs am 12. März 1737 wurde „Jud Süß“ verhaftet, wegen Hochverrats, Majestätsbeleidigung, Beraubung der staatlichen Kassen, Amtshandels, Bestechlichkeit, Schändung der protestantischen Religion und sexuellem Umgang mit Christinnen angeklagt, am 9. Januar 1738 zum Tode verurteilt und am 4. Februar 1738 am Galgen gehängt.

 

Dieser Aufsehen erregende Vorgang wurde im Nachhinein mehrfach literarisch oder politisch bearbeitet (z. B. 1827 Wilhelm Hauff, 1925 Lion Feuchtwanger, 1940 Veit Harlan). 2006 erstellte Gudrun Emberger eine aus Exkursionen des pädagogisch-kulturellen Centrums ehemalige Synagoge Freudental seit 2004 erwachsene Quellenedition und 2007 wurde in Stuttgart erstmals eine von Robert Kretzschmar bearbeitete Wanderausstellung mit dem Titel Beschlagnahmte Briefschaften gezeigt. Diese zwei Unternehmungen flossen in der vorliegenden Veröffentlichung zusammen.

 

In ihr beschreibt Robert Kretzschmar die Überlieferung zum Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer, Joachim Brüser die Rolle Joseph Süß Oppenheimers in der Politik Herzog Karl Alexanders und Gudrun Emberger Joseph Süß Oppenheimers Stationen des Lebens und Sterbens in Ludwigsburg, Hohenasperg und Stuttgart (mit mehr als 40 Quellen). Danach ist der Katalog der Ausstellung Beschlagnahmte Briefschaften mit 47 Abbildungen angefügt und durch Hinweise und Register die Vertiefung ermöglicht. Ein Hörbuch eröffnet sogar die Gelegenheit, die erst seit 1918 zugänglichen Quellen des als „Justizmord“ eingestuften Verfahrens nicht nur im Druck und im Bild zu sehen, sondern sogar zu hören.

 

Innsbruck                                                        Gerhard Köbler