Schuler, Peter-Johannes, Historisches Abkürzungslexikon (= Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen 4). Steiner, Stuttgart 2007. XX, 368 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Das Leben des Menschen verläuft von seinen ersten Anfängen an in der Zeit. Da die einzelne Zeit beschränkt ist, hat sie einen eigenen Wert. Im Ringen um diese Kostbarkeit ist der Mensch allmählich zur Abkürzung von im Verhältnis zum Ertrag lang dauernden Verhaltensweisen gelangt.

 

Jede Verkürzung eines längeren Vorgangs hat zwar für den Handelnden im Zweifel einen Zeit ersparenden Vorteil. Sie kann aber auch zu Verständnisschwierigkeiten seiner Umwelt führen. Zu deren Milderung können Abkürzungen im Einzelfall oder allgemein in Verständnishinweisen wieder aufgelöst und dadurch jedermann leicht verständlich gemacht werden.

 

Peter-Johannes Schuler, durch Arbeiten über südwestdeutsche Notare, Notariate und Notarszeichen, eine Grundbibliographie mittelalterlicher Geschichte, Regesten zur Herrschaft der Grafen von Württemberg und über die spätmittelalterliche Vertragsurkunde bekannt gewordener Historiker, ist in diesem Zusammenhang zu der Überzeugung gelangt, dass seit Jahren ein wachsendes Bedürfnis nach einem historischen, vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart reichenden Abkürzungslexikon besteht. Er legt deshalb im nicht ohne weiteres naheliegenden Rahmen der historischen Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen ein vornehmlich für Geisteswissenschaftler, die sich mit deutschsprachigen oder auch lateinischen Quellen, Akten und Dokumenten dieses Zeitraums beschäftigen, bestimmtes, kleinformatiges, aber gut lesbar gesetztes Werk vor. Den Schwerpunkt teilt er dabei dem 20. Jahrhundert zu, mit besonderer Berücksichtigung des Dritten Reichs, der DDR und der europäischen Institutionen, doch sollen auch frühere Zeiten nicht zu kurz kommen, wobei ebenfalls kleine (!) Berücksichtigung die zahllosen Abkürzungen in den Leichenpredigten und in juristischen Werken finden.

 

Im Geleit schildert der Verfasser kurz die Entwicklung der Abkürzungen, Formen der Abkürzungen sowie Aufbau und Benutzung des Lexikons und weist auf knapp 30 andere Werke, darunter auch die erste Auflage von H. Kirchners Abkürzungen der Rechtssprache des Jahres 1961 hin. Seine vielleicht insgesamt 10000 Abkürzungen gliedert er sachlich in deutsche Abkürzungen des Schriftverkehrs und der Verwaltung und deutsche Abkürzungen von Begriffen, Institutionen und Organisationen, in lateinische Abkürzungen, in wichtige fremdsprachige Abkürzungen, in Abkürzungen alter Maße, Gewichte, Zahlen und Formate sowie lateinische Abkürzungen katholischer Bistümer, obwohl eine einfache Alphabetisierung aller Abkürzungen auch praktische, die Suchzeit abkürzende Vorteile haben könnte. Im Anhang bietet das hoffentlich vielen irgendwie hilfreiche Lexikon nicht unbedingt zu erwartende Übersichten über die militärischen/paramilitärischen und zivilen Ränge im Dritten Reich  bzw. der NSDAP und Übersichten über die staatliche Gliederung der SBZ bzw. der DDR.

 

Innsbruck                                                                                                       Gerhard Köbler