Zippelius, Reinhold, Kleine deutsche Verfassungsgeschichte. Vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart (= beck’sche reihe 1041), 7. Auflage 2006. Beck, München 2006. X, 201 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Reinhold Zippelius ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller des deutschen öffentlichen Rechts. Ausgehend vom Strafrecht (Karl Engisch) hat er sich den Grundrechten und danach den noch tieferen Gründen des Rechts zugewandt. Sehr bekannt sind seine erfolgreichen Bücher über das Wesen des Rechts (1965, 5. Auflage 1997), Allgemeine Staatslehre (1969, 14. Auflage 2003), Geschichte der Staatsideen (1971, 10. Auflage 2003), Einführung in die juristische Methodenlehre (1971, Juristische Methodenlehre 9. Auflage 2005), Einführung in das Recht (1974, 4. Auflage 2003), Grundbegriffe der Rechts- und Staatssoziologie (2. Auflage 1991), Rechtsphilosophie (1982, 4. Auflage 2003), Recht und Gerechtigkeit in der offenen Gesellschaft (1994, 2. Auflage 1996) sowie seine Fortführung des von Theodor Maunz begründeten deutschen Staatsrechts von der 24. bis zur 31. Auflage (1982 bis 2005). In diese Reihe der hervorragenden Erfolge gehört auch die 1994 erstmals veröffentlichte kleine deutsche Verfassungsgeschichte.

 

Sie geht davon aus, dass die grundlegenden Machtstrukturen politischer Gemeinschaften einschließlich der handlungsleitenden Ideen ihren griffigsten Ausdruck in geschriebenen und ungeschriebenen Verfassungen finden. In ihnen werde der wechselvolle Lernprozess der Versuche der Völker, Gewalt durch Ordnung zu ersetzen und ordnungsstiftende Gewalt unter freiheitssichernde Kontrolle zu bringen, sichtbar. Deswegen gelte es, die wichtigsten verfassungsrechtlichen Gestaltungsformen der deutschen Geschichte samt ihren Bedingungen und Wandlungen zu erfassen.

 

Zu diesem Zweck greift Reinhold Zippelius nach einem geschichtlichen Überblick bis zu Volk und Verfassung in germanischer Zeit zurück und behandelt anschließend Königsamt und Kaiserwürde, zentrale Institutionen, nachgeordnete Verwaltungseinheiten, Heeresverfassung, Anfänge des Lehnsstaats und Stellung der Kirche im Frankenreich. Danach wendet er sich den Verfassungsinstitutionen des Heiligen römischen Reiches zu (Königsamt, Kaiserwürde, Zentrale Regierungs- und Verwaltungsbehörden, Reichskreise, Gerichtsbarkeit, Reichstag, Reichskriegswesen, Reichsfinanzen, Lehnsverfassung und Heerschildordnung, Territorialhoheit, Ämter und Beamtentum in den Territorien, Stadt, Kirche). Vertieft geht er den Verfassungsentwicklungen im neunzehnten Jahrhundert und seit dem ersten Weltkrieg bis zu den Grundlinien der gegenwärtigen Verfassungsordnung nach.

 

Am Ende bietet er ausgewählte Literaturhinweise und die bekanntesten Quellensammlungen. Ein Sachverzeichnis weist die wichtigsten 350 Gegenstände der deutschen Verfassungsgeschichte nach. Auch wenn eine kleine, einen großen Zeitraum überspannende Verfassungsgeschichte nicht alle Einzelheiten behandeln kann, spricht der große Erfolg dieses leicht lesbaren Zuschnitts einer kleinen Verfassungsgeschichte doch eindeutig für sich.

 

Innsbruck                                                                                                       Gerhard Köbler