Naturrecht und Staatstheorie bei Samuel Pufendorf, hg. v. Hüning, Dieter (= Staatsverständnisse 23). Nomos, Baden-Baden 2009. 163 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Wie der seinerzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am philosophischen Seminar der Universität Mainz, inzwischen als Privatdozent an der Universität Trier tätige Herausgeber in seiner kurzen Einleitung darlegt, war Samuel Pufendorf neben Hugo Grotius und Thomas Hobbes der einflussreichste Naturrechtslehrer des 17. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Grotius und Hobbes gelang ihm in seinem naturrechtlichen Hauptwerk De jure naturae et gentium eine systematische und fassende Form der Präsentation der neuen Einsichten. Seine dadurch erlangte Wirkung reichte bis zu Adam Smith.

 

Dessenungeachtet geriet Pufendorf wenig später fast vollständig in Vergessenheit, aus der ihn nach Ansicht des Herausgebers erst neue Forschungen der vergangenen beiden Jahrzehnte wiedeer hervorgeholt haben. Die Beiträge des vorliegenden schmalen Bandes versuchen insbesondere nachzuweisen, dass es sich bei der Beschäftigung mit Pufendorf nicht um die theoretische Aufarbeitung einer nur historisch interessanten Lehre handelt, sondern dass damit Hinweise für das Verständnis des modernen Staates gewonnen werden können. Dieses Ziel wird in insgesamt sieben Beiträgen aus Greifswald, Heidelberg, Berlin und Mainz einerseits und aus Padua, London und Freiburg im Üchtland andererseits angestrebt.

 

Im Rahmen der Grundlagen und Themen der Staatstheorie Pufendorfs werden dabei die Unterscheidung von physischem und moralischem Sein, Vertragstheorie und Konstruktion der Souveränität, Ziele und Grenzen der Staatsgewalt sowie die Begründung der Strafgewalt erörtert. In Zusammenhang mit Pufendorfs Staats- und Staatsformenlehre werden Mischverfassung, Souveränität und die Theorie der Staatsformen einschließlich ihrer Bedeutung für die Theorie der modernen Republik angesprochen. Ein die gedankenreichen Darlegungen aufschließendes Sachregister ist dem Werk leider nicht beigefügt.

 

Innsbruck                                                        Gerhard Köbler