Baberowski, Jörg, Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt. Beck, München 2012. 606 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Der in Radolfzell 1961 geborene, nach dem Abitur in Holzminden in Göttingen in Geschichte und Philosophie ausgebildete, nach einer Magisterarbeit über politische Justiz im ausgehenden Zarenreich in Frankfurt am Main 1993 mit einer Dissertation über Autokratie und Justiz im Zarenreich promovierte, in Tübingen 2000 mit einer Schrift über die Suche nach Eindeutigkeit bzw. den Stalinismus im Kaukasus habilitierte, 2002 für Geschichte Osteuropas an die Humboldt-Universität berufene Verfasser ist für seinen Gegenstand vorzüglich ausgewiesen. In seiner Antrittsvorlesung behandelte er die kulturellen Ursprünge des Stalinismus, in seinem Werk mit dem Titel Der rote Terror die Geschichte des Stalinismus. Sie erfuhr bereits eine zweite Auflage.

 

Nunmehr wendet der gewalterfahrene Autor sich Stalins Herrschaft unter dem Gesichtspunkt der Gewalt an populärerem Ort zu. An ihm nimmt er selbstkritisch zu seinem für eine Übersetzung ins Englische vorbereiteten roten Terror Stellung. Vieles von dem, was einmal für richtig gehalten werden konnte, erschien ihm sieben Jahre später als Unfug, weshalb er bereits nach wenigen Wochen nicht mehr an einer schöneren und klareren Fassung arbeitete, sondern an einem inhaltlich neuen Buch.

 

Dieses gliedert sich in insgesamt sieben Abschnitte über den Stalinismus, imperiale Gewaltträume, Pyrrhussiege, Unterwerfung, Diktatur des Schreckens, Kriege und Stalins Erben, an die im Anhang Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis, ein Bildnachweis und ein Register angefügt sind. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass Stalin und seine treuesten Anhänger die Gewalt systematisch ins Werk und auf möglichst radikale und wohl auch grausame Weise durchgesetzt haben. Dementsprechend schwach ist der Staat, dessen Träger Gefallen an der Inszenierung von Chaos und Gewalt hatten, weil sie nur auf diese unmenschliche Weise ihren Herrschaftsanspruch aufrechterhalten konnten.

 

Nach der ansprechenden Überzeugung des Verfassers orientierte sich Stalins Herrschaft am Modell der Mafia. Stalin selbst war ein Gewalttäter aus Leidenschaft. Dementsprechend beschreibt das Werk mit großer Ausführlichkeit das Morden als archaisches und orgiastisches, der Vernunft gänzlich unzugängliches Glücksgefühl.

 

Innsbruck                                                                                           Gerhard Köbler