AN = Abecedarium Nordmannicum

 

Abecedarium Nordmannicum = AN

 

Überlieferung: Sankt Gallen, Stiftsbibliothek 878 S. 321 Z. 24ff.

 

Die Handschrift umfasst 394 Seiten und besteht aus sechs ursprünglich getrennten Teilen. Sie kam aus dem Nachlass des Humanisten Ägidius Tschudi (1505-1572) im späten 18. Jahrhundert (1768) nach Sankt Gallen. Sie war vermutlich ein Handexemplar des Reichenauer Abtes Walahfrid Strabo (808/809-849), das ihn über Jahrzehnte begleitete. Der zweite Teil enthält auf den Seiten 178ff. den Computus Hrabani, auf den Seiten 242ff. Beda, De natura rerum, auf den Seiten 278ff. Abbreviatio chronicae (eine Chronologie bis zum Jahre 809) und auf den Seiten 315ff. Isidorus, De accentibus, de figuris accentuum, de posituris, de litteris (Isidor von Sevilla [† 636], Etymologiarum liber 1, cap. 3, 18-20, betreffend Akzente und Buchstaben). Hier stehen nach einem hebräischen Alphabet (S. 320) ein griechisches Alphabet, ein angelsächsisches Runenalphabet (Anguliscum) und unter der Überschrift ABECEDARIUM NORD in drei Reihen zu 5, 6 und 5 Runen das Abecedarium Nordmannicum (nordmannisches Abc) mit den dazugehörigen Versen, wobei vor den Runennamen die betreffenden insgesamt 16 Runenzeichen angebracht sind. Die Rekonstruktion des nur noch teilweise lesbaren Textes ist für einzelne Stellen umstritten. Die Aufnahme in die im 9. Jahrhundert geschriebene Handschrift erfolgte entweder während Walahfrids Ausbildungszeit in Fulda (826-829) oder während der sich anschließenden Zeit am Hof Ludwigs des Frommen.

Inhalt: Das insgesamt wohl 36 Wörter und Namen umfassende Abecedarium Nordmannicum ist das älteste von vier erhaltenen Runengedichten. Es erklärt in 11 stabenden Kurzversen (Merkversen) die 16 Runenzeichen der jüngeren nordischen Runenreihe in der üblichen Reihenfolge, mit handschriftlicher Anordnung in drei Zeilen, die offenbar den „Geschlechtern“ entsprechen. Dem Runenzeichen folgt der Runenname, dem teilweise stabende Erweiterungen beigegeben sind, wobei auch die Runennamen selbst als Paare staben. Neben rein altnordischen Sprachformen (z. B. ar, Jahr) stehen altsächsische (z. B. fehu, Vieh) und dem Althochdeutschen angeglichene Mischformen (z. B. thritten, dritten, chaon, rat [?], naut [?]). Vermutlich wurde das Abecedarium nach einer nordischen (dänischen) Vorlage in das Altsächsische übertragen.

Ausgaben: Grimm, W., Über deutsche Runen, 1821, 138 und Tafel 2 (Faksimile); Wimmer, L. F. A., Die Runenschrift, übersetzt v. Holthausen, F., 1888, 236 (Faksimile); Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 1 Texte, 19f.; Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 20, Nr. 6; Eis, G., Altdeutsche Handschriften, 1949, Nr. 9

Literatur: Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 2 Anmerkungen, 55ff.; Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 129; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 36f.; Baesecke, G., Das Abecedarium Nordmannicum, Runenberichte 1 (1941), 76; Bischoff, B., Eine Sammelhandschrift Walahfrid Strabos, FG Leyh, G., 1950, 30; Bischoff, B., Paläographische Fragen deutscher Denkmäler der Karolingerzeit, Frühmittelalterliche Studien 5 (1971), 112; Schneider, K., Die germanischen Runennamen, 1956, 20; Düwel, K., Runenkunde 1968, 104; Sonderegger, S., Abecedarium Nordmannicum, Verfasserlexikon Bd. 1 1978, 7; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 114

 


AN = Abecedarium Nordmannicum

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 20, Nr. 6

 

Abecedarium nordmannicum.1

 

[3] feu2 forman,3

[4] ur. after,

[5] thuris thri(tten)4 stabu,5

[6] os is th(em)o6 oboro,7

[7] rat8 end9 os10 uurita(n)11

 

[8] chaon12 thanne cliu(o)t13

[9] hagal nau(t)14habet,

[10] is ar endi sol15

 

[11] (tiu)16 bri(c)a17

[12] endi man midi,18

[13] lagu19 the20 leohto,

[14] yr al bihabe(t)21, 22

 

1 In der Handschrift die Überschrift ABECEDARIVM NORD.    2 Das Sperren der Runennamen rührt vom Herausgeber her.   3 Unter forman stehen vier ags. Runen, nach v. Arx2 wreaw, nach Massmann wreal, nach Lachmann threal und nach Hattemer wreat.   4 v. Arx2 thr(itn), Hattemer thrietεn, Piper thritten.   5 stabu steht unter thri(tten).   6 Statt is th(em)o v. Arx2 ist(lı)no, Massmann ist (hiemo? keno??), Hattemer isthεno, Piper ist h(C)mo.   7 Massmann obero; oboro steht unter is th(em)o.   8 v. Arx2 ra(t), Hattemer rae.   9 Massmann end(i?), Hattemer εn, Piper en (es folgt ein einem Fraktur-d ähnliches Zeichen) „der buchstabe ‚nach dem einem Fraktur-d ähnlichen Zeichen’ ist unsicher“.   10 os uurita(n) steht unter rat end; Lachmann besserte end os in endos(t) (s. Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 2 Anmerkungen, S. 56).   11 Massmann uurit(a?), Hattemer uurita, Piper uuritan.   12 v. Arx2 cha(on), Massmann chaen? chaon?, Hattemer cha.   13 Steht unter dem vorhergehenden; v. Arx2 d(i)uet, Massmann diuot, Hattemer nichts, Piper cliuot.   14 v. Arx2 nau(+), Hattemer naı, Piper naut (ı?).   15 Massmann sol, Hattemer so.   16 v. Arx2 und Piper hier nur Spuren dreier Buchstaben (Piper: „darnach eine Stelle verdorbener Schrift“), Massmann isu, Hattemer nichts, Lachmann vermutete tiu oder tir (vgl. Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 2 Anmerkungen, S. 56).   17 v. Arx2.und Hattemer brita, Massmann brica (brita?), Piper brica.   18 Steht unter der Zeile, etwas vor endi; v. Arx2 (nn)di oder (m)idi, Hattemer mid), Piper "nur noch nid lesbar".   19 Massmann lagu, Hattemer laga.   20 Massmann ihc, Hattemer ıhe.   21 v. Arx2 und Piper bihabe, Massmann bihabet, Hattemer bihab, J. Grimm  und Lachmann in seinem, handschriftlichen Text (s. Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 2 Anmerkungen, S. 56) bihabendi, weil sie das unter der Zeile stehende midi (s. Anm. 18 oben) als endi oder ndi lasen und fälschlich mit bihabe verbanden.   22 Althochdeutsch sind tt in thritten, t in rat, naut und ch in chaon, kaum dagegen b in stabu, habet, bihabet und oboro. Altnordische Relikte sind ar, naut, sol, yr.


BLV = Brief Leos von Vercelli

 

Brief Leos von Vercelli (BLV)

 

Überlieferung: Vercelli, Dombibliothek Cod. CII (102)

 

Die Handschrift enthält einige eigenhändige Briefentwürfe des italienischen Bischofs Leo von Vercelli, eines der engsten Berater (logotheta palatii) Kaiser Ottos III. Diese Briefe sind sämtlich an Kaiser Heinrich II. gerichtet. An Hand der in ihnen geschilderten Ereignisse lassen sie sich auf das Jahr 1016 datieren.

Inhalt: Im letzten der Briefe beklagt sich der Bischof, dass der Kaiser ihm unter Missachtung dessen, was das Gesetz wolle und befehle, eine Königsurkunde gegen seine (Leos) Feinde verweigert habe. Sache der Kaiser und Könige und Gottes sei es, die Unterworfenen zu schonen. In einer vier Wörter umfassenden volkssprachigen Wendung erklärt der Bischof, wie er handeln werde. Der Brief schließt mit der Aufforderung, die gewünschte Urkunde zu senden.

Die volkssprachige Wendung ist altsächsisch. Sie ist sprachlich nicht einwandfrei (iuuuare statt as. iuwa oder ahd. iuwer).

Ausgaben: Bloch, H., Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli und seiner Zeit, NA 22 (1896), 22, 1-2; Klein, T., Niederdeutsch und Hochdeutsch im frühen Mittelalter, in: Conrad-Borchling-Preis 1981, 21

Literatur: Bloch, H., Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli und seiner Zeit, NA 22 (1896), 11; Henning, R., Über den deutschen Spruch in dem dritten Brief Leos von Vercelli, NA 22 (1896), 133; Klein, T., Studien zur Wechselbeziehung zwischen altsächsischem und althochdeutschem Schreibwesen und ihrer Sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung, 1977, 326; Klein, T., Niederdeutsch und Hochdeutsch im frühen Mittelalter, in: Conrad-Borchling-Preis 1981, 11

 

Text:

uuaregat self iuuua(re) got.

(Verteidigt selbst euer Gut)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


BPr = Beda-Predigt

 

Beda-Predigt (BPr)

 

Überlieferung: Düsseldorf, Universitätsbibliothek Heinrich-Heine-Institut B 80 f. 153a, 152b

 

Die Handschrift umfasst 153 Blätter. Sie enthält auf den Blättern 1 bis 152b lateinische Homilien Gregors des Großen, den etwa 60 altsächsische Glossen beigefügt wurden. Auf der vorderen Seite des letzten, ursprünglich leer gelassenen Blattes 153 ist der volkssprachige Text eingetragen. Seine letzten Wörter, die auf dieser Seite keinen Platz mehr fanden, wurden auf Seite 152b ganz unten angefügt. Auf der Rückseite des Blattes 153 (153b) steht von gleicher Hand das Essener Heberegister,dessen Schluss auf Seite 152b eingetragen ist.

Die Handschrift gehörte früher dem zwischen 851 und 863 gegründeten Frauenstift Essen. Sie wurde im 10. Jahrhundert geschrieben. Da die etwas jüngere Hand der beiden zusammenhängenden volkssprachigen Texte dieselbe zu sein scheint, dürfte die Beda-Predigt ebenso wie das Essener Heberegister in Essen geschrieben worden sein. Vermutlich wurden sie kurz nach der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts (str.) aufgezeichnet.

Inhalt: Das etwa 165 altsächsische (insgesamt 169) Wörter umfassende Stück ist die Übersetzung einer Allerheiligenpredigt. In ihr wird als abgeschlossene Lektion zum 1. November der Ursprung dieses christlichen Festes geschildert. Gegenüber der Vorlage erweitert die Übersetzung den Text. Sie ist wahrscheinlich nicht der Rest einer Übersetzung der ganzen Predigt, sondern nur der vermutlich aus einem lateinischen Lektionar übernommenen Einleitung. Die Predigt selbst wird meist dem gelehrten Angelsachsen Beda (672/673-735) zugeschrieben, scheint aber von Ambrosius Autpertus zu stammen. Die Übersetzung ist frei. Eingeschaltete Nebensätze erweisen eine gewisse Gewandtheit des Übersetzers. Der Dialekt ist altsächsisch und innerhalb des Altsächsischen wohl altwestfälisch. Der Sprachstand könnte auf den Anfang des 10. Jahrhunderts deuten. Gewisse sprachliche Gemeinsamkeiten scheinen mit dem Altniederfränkischen und dem Altmittelfränkischen zu bestehen.

Ausgaben: Kindlinger, V., (Leipziger) Allgemeiner literarischer Anzeiger 1799 Stück 110, 1081; Gallée, J., Altsächsische Sprachdenkmäler 1894 (Faksimilesammlung 3c); Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 18, Nr. 4

Literatur: Kögel, R., Geschichte der deutschen Literatur, 1894ff., 565; Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 126; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 346; Bischoff, B., Paläographische Fragen deutscher Denkmäler der Karolingerzeit, Frühmittelalterliche Studien 5 (1971), 130; Köbler, G., Lateinisch-altniederdeutsches Wörterbuch, 1972; Ahlsson, L., Die altsächsische Bedahomilie, Nd. Mitt. 29 (1973), 30; Klein, T., Studien zur Wechselbeziehung zwischen altsächsischem und althochdeutschem Schreibwesen und ihrer Sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung, 1977, 538ff.; Sanders, W., Altsächsische Homilie Bedas, Verfasserlexikon, Bd. 1 2. A. 1978, 317; Köbler, G., Altniederdeutsch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-altniederdeutsches Wörterbuch, 2. A. 1982; Tiefenbach, H., Nachträge zu altsächsischen Glossen aus dem Damenstift Essen, in: Schützeichel, R., Addenda und Corrigenda (II) zur althochdeutschen Glossensammlung, 1984, 117; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 121

 


BPr = Beda-Predigt

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899. 18, Nr. 4

 

Predigt („Beda“-Predigt, Allerheiligenhomilie)

(Bruchstück einer Homilie [Bedas.])

 

[3] (f. 153a) Vui lesed tho sanctus bonifacius pauos an roma uuas.│that he
[4] bedi thena kiesur aduocatum. that│he imo an romŏ en hus gefi. that
[5] thia luidi1│uuilon pantheon heton. wan thar uuor|thŏn alla afgoda
[6] inna begangana. So he│it imo tho iegiuan hadda. so wieda he it
[7] an│uses drohtines era. ende usero fruon sanctę2│mariun. endi allero
[8] cristes martiro. te thiu│also thar er inna begangan vuarth thiu│
[9] menigi thero diuuilo. that thar nu inna began|gan uuertha thiu gehugd
[10] allero godes│heligono.
He gibod tho that al that folk thes│dages3
[11] also the kalend nouember4 anstendit│te kerikŏn quami. endi also
[12] that gŏdlika│thianust thar al gedŏn was.5
so wither gewarf6
[13] manno gewilik fra endi blithi te hus.

[14] Endi│thanana so warth gewonohed that man hŏdigŏ│ahter
[15] allero thero waroldi beged thia gehugd│allero godes heligono. te
[16] thiu so vuat so vui an│allemo themo gera uergomeloson that wi it│
[17] al hŏdigŏ gefullon.7
endi that vui thur thero│heligono gethingi│
[18] (f. 152b) bekuman te themo ewigon ||
liua. helpandemo usemo drohtine.8

 

Beda, Op. VII. 151: Legimus in Ecclesiasticis historiis, quod sanctus Bonifacius, qui quartus à beato Gregorio Romanæ urbis episcopatum tenebat, suis precibus à Phoca Cæsare impetraret, donari Ecclesiæ Christi templum Romæ, quod ab antiquis Pantheon antè vocabatur, quia hoc quasi simulachrum omnium videretur esse deorum: in quo eliminata omni spurcitia, fecit Ecclesiam sanctæ Dei genitricis atque omnium martyrum Christi, ut exclusa multitudine dæmonum, multitudo ibi sanctorum à fidelibus in memoria haberetur: et plebs universa in capite calendarum novembrium, sicut in die natalis Domini, ad Ecclesiam in honore omnium sanctorum consecratam conveniret, ibique missarum sollennitate à præsule sedis Apostolicæ celebrata, omnibusque ritè peractis, unusquisque in sua cum gaudio remearet.

Ex hac ergo consuetudine sanctæ Romanæ Ecclesiæ, crescente religione Christiana, decretum est, ut in Ecclesiis Dei, quæ per orbem terrarum longè latèque construuntur, honor et memoria omnium sanctorum, in die qua prædiximus, haberetur: ut quicquid humana fragilitas per ignorantiam vel negligentiam, seu per occupationem rei secularis, in sollennitate sanctorum minus plenè peregisset, in hac observatione solveretur, quatenus eorum patrociniis protecti, ad superna populorum gaudia pervenire valeamus.

 

1 gefi - luidi steht nicht auf Rasur, wie St. Anz. f. d. alt. 22,269 angibt; die Rasur gehört nämlich der Rückseite an.   2 Gallée unrichtig sancte.   3 g aus s korrigiert.   4 Gallée unrichtig november.   5 Zunächst vvas.   6 Handschrift gewrf (über dem Raum zwischen w und r ein kleines a).    7 Gallée unrichtig gefullen.   8 liua - drohtine ganz unten auf der Seite geschrieben und durch ein H’ über liua, dem ein D’ nach ewigon entspricht, hierher verwiesen.


BSp = Beichtspiegel (Sächsische Beichte)

 

Beichtspiegel (BSp) (Sächsische Beichte)

 

Überlieferung: Düsseldorf, Universitätsbibliothek, Heinrich-Heine-Institut D 2 f. 204a (2a)-205a (2a)

Die Handschrift im Quartformat umfasst 234 Blätter in drei Teilen. Sie wurde hauptsächlich im Anfang des 10. Jahrhunderts geschrieben. Die Blätter 1 bis 26 enthalten ein Kalendarium mit Notizen sowie Formeln und Lektionen von verschiedenen Händen, die Blätter 27 bis 197 von einer Hand (mit wenigen Korrekturen und Nachträgen) ein Missale (Sakramentar), in dem eine Mischung des gelasianischen Ritus mit dem gregorianischen Ritus mit manchen Abweichungen vorliegt, die Blätter 198 bis 234 (wohl liturgisch verwendete) Formeln und Lektionen von verschiedenen Händen. Auf (dem zweiten) Blatt (mit der Nummer) 204a beginnt hinter (der oratio) Precor domine im Ordo ad dandam poenitentiam des Poenitentiale Pseudo-Bedae der volkssprachige, ursprünglich nicht in den lateinischen Ordo gehörige Beichtspiegel. Er endet auf Blatt 205a unten. Nach einigen kleineren Stücken fahren auf Blatt 206b die Messetexte fort.

Die Handschrift stammt aus dem zwischen 851 und 863 gegründeten Frauenstift Essen. Dort wurde vermutlich jedenfalls der erste, Essener Stiftsfrauen und Laienschwestern erwähnende kalendarische Teil und der dritte, famulae aufführende, die Benediktinerregel voraussetzende Teil geschrieben. Die Niederschrift des Beichtspiegels könnte in das Ende des 10. Jahrhunderts bzw. in das späte 10. Jahrhundert fallen. Sie ist Abschrift.

Inhalt: Der auch sächsische Beichte oder altwestfälische Beichte genannte, etwa 565 volkssprachige Wörter umfassende Text enthält eine Beichte, die sich in Einleitungsformel, Empfängerformel, Sündenbekenntnis, Schluss sowie weitere Bußworte und Bittworte gliedert. Sie ist ein Beichtspiegel (str.), weil sie ganz besondere Rücksicht auf die geistlich-klösterlichen Verhältnisse nimmt, enthält aber auch Wendungen der allgemeinen Beichte.

Im Verhältnis zu den anderen Beichten besteht eine engere Verwandtschaft mit der Lorscher Beichte und dem (Vorauer) Bruchstück einer Beichte. Mit ihnen zusammen bildet die Beichte eine eigene Gruppe, die nach Ausweis der Überlieferung weiträumige Verbreitung erfahren hat, aber ihrer Bedeutung nach eher am Rande steht. Kennzeichnend für sie sind die beachtliche Länge und die unklare Gliederung der einzelnen Teile. Diese Merkmale ergaben sich daraus, dass ein älteres, einfacheres Formular unter dem Gesichtspunkt möglichster Vollständigkeit angereichert wurde. Vielleicht war der Ausgangspunkt eine althochdeutsche Übersetzung einer lateinischen Beichte in Lorsch am Ende des 8. Jahrhunderts oder bald nach 800.

Der Dialekt ist altwestfälisch. Die Entstehungszeit des Textes ist umstritten. Vielleicht ist er in Werden im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts entstanden.

Ausgaben: Lacomblet, T., Archiv f. d. Gesch. d. Niederrheins 1 (1832), 1-9; Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 3 TExte, 236ff.; Gallée, J., Altsächsische Sprachdenkmäler, 1894 (Faksimilesammlung 3d); Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 16-17, Nr. 3; Steinmeyer, E. v., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, Neudrucke 1963, 1971, 318-319 (mit einem vergleichbaren lateinischen Text auf S. 322, 323); Foerste, W., Untersuchungen zur westfälischen Sprache des 9. Jahrhunderts, 1950, 15-18 (mit neuhochdeutscher Übersetzung)

Literatur: Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, 376ff.; Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 123; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 313; Eggers, H., Die altdeutschen Beichten, PBB (Halle) 77 (1955), 89ff., 80 (1958), 372ff., 81 (1959), 78ff.; Köbler, G., Lateinisch-altniederdeutsches Wörterbuch, 1972; Klein, T., Studien zur Wechselbeziehung zwischen altsächsischen und althochdeutschen Schreibweisen und ihrer Sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung, 1977; Köbler, G., Altniederdeutsch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-altniederdeutsches Wörterbuch, 2. A. 1982; Masser, A., Sächsische Beichte, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 8 (1992), 467


BSp = Beichtspiegel

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 16, Nr. 3

Beichtspiegel

 

(f. 204a) [Wadstein 16,3] Confessio. Ik giuhu goda alomahtigon fadar. Endi│allon sinon
[4] helagon vuihethon.
1, 2 Endi thi godes manne.│allero minero sun-
[5] diono.
3 thero the ik githahta. endi│gisprak. endi gideda. fan thiu
[6] the ik erist sundia3│uuerkian3 bigonsta. Ok iuhu
4 ik so huat so ik
[7] thes gi|deda thes vuithar mineru cristinhedi uuari. endi│vuithar mi-
[8] namo gilouon uuari. endi vuithar│minemo bigihton uuari. endi uuithar
[9] minemo mestra || (f. 204b) uuari. endi vuithar1 minemo herdoma uuari. endi│
[10] uuithar minemo rehta uuari.

[11] lk iuhu nithas. endi auun|stes. hetias endi bisprakias. Sueriannias.
[12] endi liagannias. │firinlustono. endi minero gitidio farlatanero. Ouar(-)|
[13] modias. endi tragi godes ambahtas. Horuuilliono. man|slahtono.
[14] Ouaratas endi ouerdrankas.
5 endi ok untidion6│mos fehoda endi
[15] drank. Ok iuhu ik that ik giuuihid mos│endi
7 drank nithar got (= nithargot). endi
[16] minas herdomas raka so ne│giheld so ik scolda. endi mer terida than
[17] ik scoldi. Ik│iu
8 giuhu8 that ik minan fader endi moder so ne eroda│
[18] endi so ne minnioda so ik scolda. Endi ok mina brothar│endi mina
[19] suestar endi mina othra nahiston endi mina│
friund. so ne eroda endi
[20] so ne minnioda so ik scolda. │ Thes giuhu ik hluttarliko. that ik arma
[21] man endi othra│elilendia so ne eroda. endi so ne minnioda so ik
[22]
scolda. Thes iuhu ik that ik mina iungeron endi mina fillulosso
[23] ne lerda so ik scolda. Thena helagon9 sunnundag10
endi thia helagun
[24]
missa. ne firioda endi ne eroda so ikscolda. Vsas drohtinas likhamon
[25] endi is blod mid
sulikaru forhtu endi mid sulikaru minniu11 ne ant(-)
[26] feng so ik scolda.12 Siakoro ne uuisoda endi im ira nod|thurti ne gaf
[27] so ik scolda. Sera endi unfraha ne trosta
so ik scolda. Minan deg-
[28] mon so rehto ne gaf so ik
scolda. Gasti so ne antfeng so ik scolda.
[29] Ok iuhu
ik that ik thia giuuar the ik giuuerran ne scolda. Endi
[30] thia ne gisŏnda the ik gisŏnan scolda.

 

1 Gallée unrichtig uu- statt vu-.   2 Heyne und Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 1, 236 ergänzen endi theson zwischen helagon und vuihethon.   3 Gallée unrichtig j statt i.   4 h aus g korrigiert.   5 Gallée unrichtig ouardrankas.   6 Heyne unrichtig uuî-tîdion.   7 i aus r korrigiert.   8 Zusammengeschrieben; die Verbalform doppelt, in verschiedener Form (Gallée, J., Altsächsische Grammatik, 1910, 122 Anm.)?   9 Gallée unrichtig heligon.   10 Gallée unrichtig sunnum dag.   11 Gallée unrichtig minnia.   12 a aus i korrigiert.


BSp = Beichtspiegel

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 17

 

[1] Ik iuhu (f. 205a) || unrehtaro gisihtio.1 unrehtaro gihorithano. Endi
[2] unrehtaro│githankono. unrehtoro2 uuordo. unrehtaro uuerko. un-
[3]
rehtaro│sethlo. unrehtaro stadlo. unrehtaro gango. unrehtoro3 le-
[4] garo.│Vnrehtas4 cussiannias. Vnrehtas4 helsiannias. Unrehtas anafangas.│
[5] Ik gihorda hethinnussia endi5 unhrenia sespilon. Ik gilofda│thes
[6] ik gilouian6 ne scolda. Ik stal. ik farstolan fehoda. ana7 or|lof gaf.
[7] ana orlof antfeng. Meneth suor an vuiethon.8 Abol|ganhed endi gistridi
[8] an mi hadda. endi mistumft. endi auunst.│Ik sundioda an luggiomo
[9]
givuitscipia.8 endi an flokanna. Mina│gitidi endi min gibed so ne
[10] giheld endi so ne gifulda so ik scolda.│Vnrehto las. unrehto sang.
[11] ungihorsam uuas. Mer sprak endi│mer suigoda than ik scoldi. endi
[12] mik9 seluon mid uuilon uuor|don endi mid uuilon uuerkon endi mid
[13] uuilon githankon10│mid vuilon luston mer unsuuroda than ik scoldi.
[14] Ik iuhu│that ik an kirikun unrehtas thahta. endi othra11 merda the-
[15] ru│helagun lecciun.
Biscopos endi prestros ne eroda endi ne│min-
[16] nioda so ik scolda.

[17] Ik iuhu thes allas the ik nu binemnidhebbiu endi binemnian
[18]
ne mag. so ik it uuitandi dadiso unvuitandi.8 so mid gilouon so
[19] mid
ungilouon. so huatso ik thes gideda thes uuithar godas uuillion
[20]
uuari. so vua|kondi so slapandi. so an dag so an nahta so an huili-
[21]
karu tidi│so it uuari. so gangu ik is allas an thes alomahtigon
[22] godas│mundburd. endi an sina ginatha. endi nu dŏn ik is allas│hlut-
[23] tarlikio minan bigihton. goda alomahtigon fadar.│endi allon sinan12
[24] helagon. endi thi godas manna. Gerno│an godas uuillion te gibot-
[25] ianna. endi thi biddiu gibedas.
13 that thu mi te goda githingi vuesan
[26] vuillias. that ik min│lif endi minan gilouon an godas14  huldion
[27] giendion moti.

 

1 Fast gisibtio; h wird auch an anderen Stellen dem b sehr ähnlich geschrieben.   2 Gallée unrichtig unrehtero.   3 Gallée unrichtig unrehtaro.   4 Gallée unrichtig unrehtas.   5 e aus Korrektur.   6 Gallée unrichtig gilovian.   7 Handschrift ana.   8 Gallée unrichtig uu statt vu.   9 -k aus h korrigiert.   10 Heyne und Gallée ergänzen hier endi.   11 In der Handschrift kein Akcent über o, wie bei Gallée.   12 Gallée unrichtig sinam.   13 Gallée unrichtig gebedas.   14 Gallée unrichtig godes.


Lateinischer Text (nach Steinmeyer, E. v., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, Neudruck 1963, 1971, 322)

 

[1] Ego confiteor, deus1 coeli et terrae, coram hoc altare tuo sancto et
[2] istius loci reliquiis et coram hoc sacerdote tuo de omnibus peccatis
[3] meis. ... De cogitationibus sive sermonibus ..., quod hoc contra
[4] dei praeceptum feci.2 Ego confiteor ... odia, ... invidias, detractiones,
[5] periuria,3 ... carnales concupiscentias pessimas, * ... superbiam et
[6] elationem et desidiam et pigritiam, ... fornicationes,4 ... luxurias,
[7] ebrietates, commessationes, homicidia. ...
Patrem meum et matrem,
[8] fratres et sorores ... seu omnes propinquos ... honoris obsequium
[9] non exhibui.
5 ... Seniorem carnalem ... inobediens fui. ... Mulierem,
[10] filios et filias ... nec eos amavi et direxi et docui, sicut debui; filios et
[11] filias meas,
6 sicut deo promisi, non docui nec honoravi.7 ... Domini-
[12] cam diem et solemnitates sanctorum ... nec custodivi et nescientibus
[13] non annuntiavi. ... Decimas bonorum meorum pleniter non reddidi,
[14]... furtum abscondi et comedi. ...
Infirmos ... non visitavi.... Hos-
[15] pites ... non suscepi, ... dolentes et flentes non consolavi, inter se
[16] discordantes ... plus ad iram quam ad pacem provocavi. ... quod
[17] credere debui, non credidi, et quod non debui, credidi. Ego enim
[18] confiteor, quia multum peccavi visu, auditu ... et multa mala cogitavi
[19] et perpetravi. ... Ego confiteor, quia in sancta dei ecclesia multa
[20] mala cogitavi. ... Inordinate ... intra sanctam ecclesiam steti, sedi,
[21] osculavi,
8 ... iacui, ... intravi, exivi, ... per sanctas reliquias iuravi ...
[22] et sanctorum nomina ... periuravi. Ego confiteor, quia ... inobediens
[23] fui, ... infidelis fui, molestus fui, contentiosus, odiosus, invidiosus, ...
[24] immitis; consecratum dei ministerium ... indignus et pollutus tetigi, ...

 

1 Confiteor tibi, domine, pater.   2 omnia peccata mea, quaecumque peccavi in cogitationibus, locutionibus, in voluntate seu in opere, vel in consensu, et de omnibus peccatis, quae ego feci contra dei voluntatem et legem christianam.   3 periurium, mendacium.   4 adulteria, fornicationes.   5 Davor nec amavi nec dilexi nec visitavi neque honoravi.   6 Filiolos meos et filiolas, quos in baptismo Christi suscepi ... et sicut deo pro ipsis spopond   7 nec honoravi fehlt.   8 In einer Beichte bei Morinus 571a heißt es oscula inlicita et amplexus nefandos feci.

 


BSp=Beichtspiegel

 

Steinmeyer, E. v., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, Neudruck 1963, 1971, 323

 

Sächsische Beichte

 

[25] corpus domini ... sine confessione ... indignus accepi et non custodivi,
[26] et ieiunia. ... Post cruces nuda vestigia incedere debens, sicut deus
[27] praecepit hoc agere, ... non custodivi nec adimplevi.1 Episcopis,
[28] presbyteris ... et communi clero ecclesiae dei non amavi nec dilexi
[29] nec honoris obsequium praebui, sicut deus praecepit.
* Me ipsum per
[30] carnalia desideria et per malas cogitationes et per malam voluntatem
[31] ... contaminavi, dehonestavi. ... De his omnibus ... et quod ego
[32] contra dei voluntatem ... et legem christianam feci, ... sive
2 ignoran-
[33] ter, sive scienter, ....
3 sive in die, sive in nocte, ... sive vigilans, sive
[34] dormiens,
4 * ... sic ego hodie omnia tibi, deus coeli et terrae, confiteor
[35] coram sancto altari tuo et sanctis istius loci reliquiis et coram sacerdote
[36] tuo, ut pura ... confessione et ... voluntate ad emendandum. …
[37] Supplico te, dei sacerdos, ... dignare pro me domini misericordiam
[38] deprecari, ut donet mihi ... omnium peccatorum meorum remissionem.

 

1 et cum aliis cruces sequi distuli   2 Davor quae ego recordari possum aut quae non possum.   3 Davor sive in cogitatione et voluntate seu in locutione sive in opere et consensu, sive in suggestione et delectatione.   4 Darauf sive stando seu sedendo sive pergendo seu iacendo.

 


DH = 23 = De Heinrico

 

De Heinrico (DH)

 

Überlieferung: Cambridge, University Library Ms. Gg. 5. 35 f. 437a-b

 

Die Handschrift vom Format 22 x 15 cm hatte im 15. Jahrhundert, in dem sie bereits unvollständig war, 454 Blätter, von den noch 442 vorhanden sind. Sie enthält auf den Blättern 432a bis 441b zweispaltig zu je 40 Zeilen eine Sammlung von 47 lateinischen Gedichten, unter denen De Heinrico die Stelle 19 einnimmt. Ihr geht auf den Blättern 425b bis 431b ein Teil eines medizinischen Traktats voran, der auf den Blättern 425b bis 454b seine Fortsetzung findet, so dass die Liedersammlung dem ursprünglichen Bestand anzugehören scheint. Geschrieben ist die Liedersammlung von einem Schreiber des 11. Jahrhunderts, dessen Schrift angelsächsische Züge enthält. Vermutlich trug sie ein angelsächsischer Schreiber nach einer althochdeutschen Vorlage in die Handschrift ein.

Inhalt: Der Zeit nach fallen die Lieder zwischen die Jahre 968 und 1039. Abgefasst sind sie von verschiedenen Dichtern. Manche Gedichte sind nur Auszüge aus klassischen Autoren. Auf Grund verschiedener Spuren ist eine Entstehung der Sammlung am Rhein zu vermuten. Inhaltlich finden sich Preisgedichte und Totenklagen auf Fürsten und Geistliche, religiöse und didaktische Gedichte, Erzählungen, Schwänke, Naturlieder und Stimmungslieder.

Das etwas mehr als 100 (114) althochdeutsche Wörter (und Namen) umfassende Lied De Heinrico (von Heinrich) ist in der Art in lateinisch-althochdeutscher Mischsprache geschrieben, dass grundsätzlich je die erste Halbzeile lateinisch, die zweite althochdeutsch ist (lateinischer Anvers, althochdeutscher Abvers). Das formal mit dem in der gleichen Sammlung der Carmina Cantabrigensia überlieferten Liebesantrag an eine Nonne vergleichbare Lied erzählt nach einem hymnusartigen Eingang von dem ehrenvollen Empfang eines Bayernherzogs namens Heinrich durch einen Kaiser Otto, ihrem gemeinsamen Kirchgang und dem weisen Verhalten Heinrichs im Rat. Streitig ist, ob damit Heinrich I. von Bayern und Otto der Große oder Heinrich II. von Bayern und Otto III. gemeint sind.

Der Dichter war ein Geistlicher, der lateinische Verse verfassen konnte. Seine Ausdrucksweise ist einfach und schmucklos und damit zum Sprechvortrag geeignet. Die Verse sind wenig sorgfältig behandelt, die Reimwörter wenig ausgeprägt. Die Strophen haben teils drei, teils vier Zeilen.

Sprachlich scheint das als einziges der politisch-historischen Gattung zuzurechnende Lied im altnordrheinfränkischen Gebiet beheimatet. Einzelne altsächsische Wörter gelten als vom Dichter zur Kennzeichnung der kaiserlichen Sprechweise bewusst gewählte Saxonismen.

Ausgaben: Eckhart, J., Veterum monumentorum quaternio, Leipzig 1720, 49; Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, 39f.; Breul, K., The Cambridge Songs, Cambridge 1915, 48 (Faksimile); Steinmeyer, E. v., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, Neudrucke 1963, 1971, 110-111, Nr. 23; Strecker, K., Die Cambridger Lieder, 1926, Neudruck 1955, 3. A. 1966, 57, 138 (Faksimile)

Literatur: Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, 99ff.; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 236; Uhlirz, M., Der Modus De Heinrico und sein geschichtlicher Inhalt, Dt. Vjschr. 26 (1952), 153; Dittrich, M., De Heinrico, Z. f. d. A. 84 (1952/1953), 174; Christensen, H., Das althochdeutsche Gedicht De Heinrico, Kopenhagener Beiträge zur german. Linguistik 10 (1978), 18; Schützeichel, R., Grenzen des Althochdeutschen, FS Schröbler, I. = PBB 95 (1973), 23; McLintock, D., De Heinrico, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 3 1981, 928; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 118; Herweg, M., Ludwigslied, De Heinrico, Annolied, 2002, 180ff.

 


DH = 23 = De Heinrico

 

Steinmeyer, E., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, S. 110

De Heinrico.

[1] 1. Nunc1 almus thero euuigun2     assis thiernun filius3

[2] benignus fautor mihi,     thaz ig iz4 cosan5 muozi

[3] de quodam duce,     themo heron6 Heinriche,

[4] qui cum dignitate     thero Beiaro riche beuuarode.7

[5] 2. Intrans nempe nuntius     then keisar8 namoda9 her thus10

[6] ‘cur sedes’,11 infit12 ‘Otdo,     ther unsar13 keisar14 guodo?

[7] hic15 adest Heinrich,     bringit her hera16 kuniglich.

[8] dignum tibi17 fore     thir seluemo ze sine’.18

[9] 3. Tunc surrexit Otdo,     ther unsar keisar19 guodo,

[10] perrexit20 illi obuiam21     inde22 uilo manig man

[11] et excepit illum23     mid24 mihilon25 eron.26

[12] 4. Primitus quoque27 dixit     ‘uuillicumo Heinrich,28

[13] ambo uos29 equiuoci,     bethiu goda endi30 mi.

[14] nec non et sotii,      uuillicumo sid gi mi31

[15] 5. Dato responso     fane32 Heinriche so scono33

[16] coniunxere manus.     her leida ina in thaz godes hus:

 

1 unc, der Initialbuchstabe steht zwei Zeilen höher.   2 euuigun Wackernagel 1859 euuigero (veranlasst durch das vorangehende thero).   3 Nunc almus assis filius thero euuigero thiernun Wackernagel 1830. filius assis thiernun Wackernagel 1859, assis filius thiernun Seelmann. Ob mit Scherer Beeinflussung durch den Weihnachtshymnus Nunc assis nobis spiritus omnipotentis caelitus bei Mone 1, 60 angenommen werden darf, steht dahin: er ist nur in einer einzigen Handschrift erst des 15. Jh. erhalten.   4 iu oder is Seelmann, iu auch Joseph.   5 coson Wackernagel 1830.  

6 herin Wackernagel 1830.   7 beuuarode] das letzte e nicht mehr deutlich. bewaroda Wackernagel 1830.   8 kuning hier, 6 und 9 Seelmann.   9 manoda Lachmann und alle Herausgeber bis auf Dieterich, der mit Recht zur Überlieferung zurückkehrte:er redete mit Namen an wie Physiologus Z. 4.   10 thuf.   11 sedes] vom ersten e ab etwas verwischt.   12 inquit Wackernagel 1830.   13 Nach unsar Rasur von o.   14 Ob hinter keisar ebenfalls o radiert wurde, lässt sich nicht erkennen.   15 hic enim Wackernagel 1830.   16 bruother seit Eccard alle Herausgeber bis zu Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 3. A. 1892, Bd. 1, 39, wo bringit von mir (Steinmeyer) konjiziert wurde. Priebsch und Meyer bestätigten, dass in der Handschrift bringt│her steht. bruother hero Wackernagel 1830. 1859, brother, hori Seelmann, bringit ther, hero Dieterich. bringit heran kuniling F. Holthausen, Z. f. d. P. 35 (1904), 89.   17 tibi] ibi etwas verblasst.   18 fare thit selve mare Wackernagel 1830 auf Grund von Eccards fore Thit selve more, dignam tibi sine thie selve moze sine Wackernagel 1859. Das handschriftliche selue moze trennte zuerst Schade richtig. thu selvo moties ine Seelmann, dignum tibi … fore thir seluemo ze sine Steinmeyer, Braune. foret thar, nachher zu hir berichtigt Holthausen Z. f. d. P. 35 (1904), 89. 36 (1905), 483. dignum trisore Dieterich. sine fassten als schene Heinzel, Kögel und jetzt auch von Unwerth, als siuni Ehrismann; sonst wird es = wesenne genommen.   19 keisar] nach der Photographie scheint mir k aus Korrektur entstanden.   20 prex (im Fuß des p ein Abkürzungsstrich, über x ein Abkürzungsstrich) (= p[er]rex[it]).   21 obuiā (= obuiam).   22 Blatt 437b1.   23 illom Schade.   24 Darauf dasselbe mid radiert.   25 mih,ilon. Wackernagel 1830 schrieb michilon.   26 erun Seelmann.   27 quoq: (= quoque).   28 Heinriche Wackernagel 1830.   29 nos Seemüller.   30 inde Wackernagel 1830.   31 uu,illicumo sidigimi, verbessert von Wackernagel 1830.   32 bono Wackernagel 1830.   33 scone, verbessert von Wackernagel 1830.


Steinmeyer, E., Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler, 1916, S. 111

 

[17] petierunt ambo1     thero godes genatheno.2

[18] 6. Oramine facto     intfieg ina3 auer Otdo,

[19] duxit4 in concilium5             mit michelon eron6

[20] et omisit7  illi     so uuaz so her thar8 hafode,9

[21] preter quod10 regale,     thes thir Heinrih nigerade.11

[22] 7. Tunc stetit al thiu sprakha12     sub firmo Heinriche.13

[23] quicquid Otdo fecit,14     al geried iz Heinrih;

[24] quicquid15 ac omisit,16     ouch geried iz Heinrihc.

[25] 8. Hic non fuit ullus     - thes hafon ig guoda fulleist17

[26] nobilibus18 ac liberis,19     thaz thid20 allaz21 uuar is -,

[27] cui non22 fecisset Heinrich     allero rehto gilich.

 

1 petier ā bo (über r ein Abkürzungsstrich) (= petier[unt] a[m]bo).   2 genathono Wackernagel 1830.   3 intsiegina] intfieng ena Lachmann.   4 ducx (über x ein Abkürzungsstrich) (= dux[it]).   5 conciliū] conciliom Schade.   6 erun Seelmann.   7 amisit, verbessert von Lachmann, commisit Wackernagel 1830. Wackernagels Konjektur musste Lachmann kennen. Wenn er sie trotzdem nicht annahm, sondern wie V. 24 omisit setzte, so verfuhr er keineswegs schnellfertig, wie Joseph 204 ihm imputiert. Die lateinischen Worte des Gedichts sind deutsch gedacht: das erweist V. 17; omitto aber gibt Glossen 1, 220, 7. 4, 9, 61 firlazan wieder, und dies bedeutet sowohl überlassen als auch unterlassen.   8 þar.   9 hafede Wackernagel 1830, hafodi Schade.   10 pt q] (über p und t ein Abkürzungsstrich, im Fuß des q ein Abkürzungsstrich) praeterquam die Herausgeber bis zu Müllenhoff, K./Scherer, W., Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert, 2. A. 1873 (= eher preter quod).   11 gerode Wackernagel 1830.   12 spracha Wackernagel 1830.   13 heinricho, verbessert von Wackernagel 1830, Heinricha Joseph. Tunc stetit firma al thiu spraka Schade.   14 fec (über c ein Abkürzungsstrich) (fec[it]).   15 qcquid (über q ein i) (= q[ui]cquid).   16 amisit, verbessert von Lachmann, commisit Docen und Wackernagel 1830.   17 fullust Schade.   18 nobilis, verbessert von Lachmann, novellis Wackernagel 1830.   19 libis] (über b ein Abkürzungsstrich) (= lib[er]is) litteris Wackernagel 1830, libris Schade, liberalis Dieterich.   20 tid.   21 allas Seelmann.   22 n (über n ein Abkürzungsstrich) (= non).


EH = Essener Heberegister

 

Essener Heberegister

 

Überlieferung: Düsseldorf, Universitätsbibliothek, Heinrich-Heine-Institut B 80 f. 153 b, 152b

 

Die Handschrift umfasst 153 Blätter. Sie enthält auf den Blättern 1 bis 152b lateinische Homilien Gregors des Großen, den etwa 60 altsächsische Glossen beigefügt wurden. Auf dem vorletzten Blatt 152b steht von anderer, jüngerer Hand ein lateinisches Stück eines Heberegisters mit altdeutschen Ortsnamen. Dem folgt auf der vorderen Seite des letzten, ursprünglich leer gelassenen Blattes 153 von etwas jüngerer Hand (kurz nach der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts) die volkssprachige Beda-Predigt, deren letzte Wörter, die auf der Seite 153a keinen Platz mehr fanden, auf Seite 152b angefügt wurden. Seite 153b enthält von der selben Hand wie die Beda-Predigt ein volkssprachiges Heberegister, dessen Schluss auf Seite 152b steht.

Die Handschrift gehörte früher dem zwischen 851 und 863 gegründeten Frauenstift Essen. Sie wurde im 10. Jahrhundert geschrieben. Da das Heberegister Essen betrifft, dürfte es in Essen aufgezeichnet worden sein.

Inhalt: Das etwa 150 volkssprachige Wörter und Namen aufweisende Heberegister enthält Aufzeichnungen der Abgaben, die einzelne umliegende Höfe des Klosters Essen zu entrichten hatten. Sie betreffen Malz, Gerste, Honig und Holz und waren vermutlich an das Brauamt des Stiftes zu leisten. Insofern dürfte nicht ein Bruchstück eines Verzeichnisses der gesamten Klostergefälle, sondern eine in sich geschlossene Aufstellung vorliegen. Erfasst sind neun Höfe.

Die Sprache ist altsächsisch bzw. stärker eingegrenzt altwestfälisch. Entstanden sein könnte die Aufstellung 860 bis 869, weil die Angaben dem Güterstand dieser Zeit am ehesten zu entsprechen scheinen, oder im ausgehenden 9. oder beginnenden 10. Jahrhundert.

Ein späteres lateinisches Register der Einkünfte des Stifts Essen stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Ausgaben: Kindlinger, V., (Leipziger) Allgemeiner literarischer Anzeiger 1799, Stück 110, 1081; Gallée, J., Altsächsische Sprachdenkmäler, 1894 (Faksimilesammlung 3); Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 21-22, Nr. 7

Literatur: Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 131; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 360; Loo, L. van de, Eickenscheidt. Zur Geschichte des Oberhofes, des Hofes und seiner Unterhöfe, Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 56 (1938), 91; Jahn, R., Die ältesten Sprach- und Literaturdenkmäler aus Werden und Essen, Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 60 (1940), 9, 73; Klein, T., Studien zur Wechselbeziehung zwischen altsächsischem und althochdeutschem Schreibwesen und ihrer Sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung, 1977; Schmidt-Wiegand, R., Essener Heberolle, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 2 1980, 634; Tiefenbach, H., Nachträge zu altsächsischen Glossen aus dem Damenstift Essen, in: Schützeichel, R., Addenda und Corrigenda (II) zur althochdeutschen Glossensammlung, 1985, 117; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 122


EH = Essener Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 21, Nr. 7

 

Essener Heberegister

 

[3] (f. 153b) Van uehus1 ahte ende ahtedeg mudde maltes│ende ahte brod
[4] tuena sostra erito uiar1 mudde│gerston uiar uother2 thiores holtes.
[5] te thrim hoge|tidon ahtetian mudde maltes ende thriuu uother│
[6] holtes. ende uiarhteg3 bikera. ende4 usero herino│misso tua crukon.

[7] Van ekanscetha similiter. │
[8] Van rengerengthorpa similiter.
[9] Van hukre|tha similiter ana that holt te then hoge|tidon.
[10] that ne geldet thero ambahto neuue|thar.
[11] Van brokhuson. te then hogetidon│nigen mudde maltes ende
[12] tuenteg bikera.│ende tua crukon.
[13] Van horlon nigen ende│uiftech mudde maltes ende tue uother│
[14] thiores holtes. tue mudde gerston. uiar brot.│en suster erito. tuenteg
[15] bikera. endi tua│crukon. nigen mudde maltes te then ho|getidon.
[16] Van nianhus similiter.
[17]
Van│borthbeki similiter.
[18]
Van drene te usero│herano misso tian ember honegas. Te
[19] pin|coston siuondon haluon ember honegas│endi ahtodoch bikera.
[20] endi uiar crukon.5

 

 

[21] (f. 152b) De6 predio eilę prepositurę. Creia . x. siclos.7
[22]
De nouo predio.8

[23] .v. siclos9, an rohhuson.10

 

1 Gallée unrichtig V- (resp. v) statt u-.   2 u aus Korrektur.   3 h aus t (?) korrigiert.   4 te zu ergänzen?   5 Die ganze Seite 153b ist früher mit einem anderen Text beschrieben gewesen, der aber ausradiert worden ist, um diesem HeberegisterPlatz zu machen. Zu oberst ganz am Rand steht mit roter Tinte die Federprobe: probatio minei.   6 Das folgende auf Seite 152b stehende Stück ist (von anderer Hand) auf das unterste Drittel der Seite geschrieben. Davor steht das Ende der Homilien Gregors.   7 Diese Zeile stellt Gallée unrichtig (vgl. St. Anz. f. d. alt. 22, 269) hinter hannine s. 22, 15 unten. Zwischen dieser Zeile und dem folgenden sind zwei Zeilen, zum Teil infolge Radierung, leer.   8 Die drei Worte auf Rasur; nach predio eine leere Stelle, wo etwa drei Buchstaben ausradiert sein könnten.   9 Handschrift siclos; o aus i korrigiert (s ist über o geschrieben).   10 Hinter rohhuson erblickt man (fast ausradiert) .v. siclos (siclos über .v. geschrieben) a(n) und dann noch Spuren von etwa sechs Buchstaben.

 


EH = Essener Heberegister

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 22

 

[1] .v. siclos1 an ladthorpa.2

[2] An hamuuinkile xxx denarios.3
[3] An lindenun .v. siclos.
[4] An berghalehtrun4 .iii.siclos. et sex denarios.
[5]
An hupelesuuik .iii. siclos3 et iiii denarios.│
[6]
An brehton xxx denarios.
[7]
An driuere. unum siclum.
[8] An│uueteringe .vi. siclos.
[9] An hanevuic5 .iiii. siclos et vi. denarios.│
[10] An vunnincthorpa .iii. siclos.
[11]
An rinherre .iii. siclos.│
[12]
An bekehem .ii.
[13] I.6 An ahtinesberga.7

[14] v. siclos. An stengrauon.│
[15] .iiii.8 siclos.9 An hannine.│

 

1 Über .v. geschrieben.   2 Gallée unrichtig Ladtthorpa.   3 -s über das o geschrieben.   4 Das zweite h aus Korrektur.   5 Crecelius -vuig und Gallée -wig, unrichtig; der letzte Buchstabe sieht allerdings zunächst wie ein G aus; der kurze Strich (Punkt) an der unteren Spitze des c, der den Buchstaben wie ein G aussehen lässt, gehört aber nicht zu demselben, sondern ist der vor die folgende Zahl gehörende Punkt.   6 Oder wie Crecelius j; Gallée statt bekehem .ii. I. An unrichtig Bekehem III An, indem er den zwischen ii und I stehenden Punkt nicht beachtet hat.   7 Zwischen a und h ein Ölklecks (?), wo man Spuren eines Buchstabens (t?) sieht.   8 Crecelius unrichtig III.   9 Von Gallée übergangen.

 


EMN = Essener Monatsnamen

 

Essener Monatsnamen (EMN)

 

Überlieferung: Düsseldorf, Universitätsbibliothek Heinrich-Heine-Institut D1 f. 217-223b

 

Die Pergamenthandschrift im Format 28 x 19,5 cm umfasst einschließlich zweier Vorsatzblätter und der nach Blatt 36 und nach Blatt 121 eingeschobenen Blätter insgesamt 251 Blätter. Sie enthält ein Missale des modifizierten gregorianischen Ritus mit vielen Erweiterungen und mit Antiphonen am Rand. Sie ist von mindestens 9 Händen geschrieben. Wie sich aus Gebeten auf Blatt 90 ergibt, die Papst Hadrian II. (868-872) und Kaiser Ludwig II. († 12. 08. 875) erwähnen, dürfte sie in ihren wichtigsten Teilen kaum sehr viel später entstanden sein.

Die erste Lage der Handschrift (Blätter 1 bis 7) wurde wahrscheinlich später vorgebunden. Sie besteht aus einem Quaternio mit vermischten Messgebeten. Es folgt das ursprünglich unbeschriebene Vorsatzblatt 8, das mit dem folgenden Blatt 9 ein Doppelblatt bildet, das den anschließenden Binio (Blätter 10-13) umschloss und mit ihm zusammen einen Ternio ergab. Dementsprechend begann die Handschrift einst wohl mit den Namen (nomina vivorum) auf Blatt 10a. Die Namen auf Blatt 8b sind demgegenüber anscheinend ein Nachtrag.

Den Hauptteil der Handschrift (Blätter 14-214), dessen Hauptinhalt ein Sakramentar bildet, haben drei Hände der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts geschrieben, wobei die Blätter 67 bis 139 von der Hand B stammen. Ob von der Hand C auch der Kalender auf den Blättern 217 bis 224 stammt, ist streitig, doch ist keine der zahlreichen anderen Hände, welche die übrigen Teile der Handschrift sowie eine Reihe von Nachträgen im Hauptteil aufzeichneten, jünger als das 10. Jahrhundert.

Die Namen im Kalender könnten nicht lange nach Bischof Altfrids Tod (874) eingetragen worden sein. Dem scheinen Nachträge ab 953 zu folgen, was mit dem Untergang eines zweiten Kalenders beim großen Stiftsbrand im Jahre 946 erklärt werden könnte. Die Handschrift ist wohl in dem zwischen 851 und 863 gegründeten Stift Essen geschrieben. Ein Eintrag auf Blatt 1a aus dem 17. Jahrhundert könnte auf das Essener Männerkapitel hinweisen.

Inhalt: Die Handschrift enthält außer zahlreichen Namen auf Blatt 88a eine altsächsische Glosse und im Kalender zwei altsächsische Monatsnamen.

Ausgabe: Harless, W., Die ältesten Necrologien und Namensverzeichnisse des Stifts Essen, Arch. f. d. Gesch. d. Niederrheins 6 (1868), 76

Literatur: Harless, W., Die ältesten Necrologien und Namensverzeichnisse des Stifts Essen, Arch. f. d. Gesch. d. Niederrheins 6 (1868), 63ff.; Tiefenbach, H., Xanten-Essen-Köln, 1984, 119ff


EMN = Essener Monatsnamen

 

Harless, W., Die ältesten Necrologien und Namenverzeichnisse des Stifts Essen, Arch. f. d. G. d. Niederrheins 6, (1868), 63, Essener Missale A (9./10. Jh.), B (10. Jh.), C (10. Jh.), S. 76

 

Essener Monatsnamen

 

VIII. kal. Sept. Sancti Genesi episcopi uel martyris
(c)ekhild.

Kal. Septembr. Sancti Prisci martyris. (d)Franko
laicus obiit.
1

III. Idus Sept. Proti uel iacincti. (d)Gerolf laicus.
XV. kal. Oct. S. Lantberti episcopi.
X. kal. Oct. (d)Folrad laicus.
V. kal. Oct. Sanctorum Cosmae uel Damiani. (e)uuen-
dilbrun.
Kal. Oct. S. Remigii uel Germani. Eodem die obiit
Reinbertus presbiter.
Nonas Oct. Sancti Marci episcopi. (b)Obiit Rein-
harius presbiter.
V. Idus Oct. Sancti Iusti martyris. (e)Heriuuard
laicus. Brun archiepiscopus.

III. Non. Oct.
(c)Vuicburg ancilla.
Idus Oct.
(c)Lupi confessoris. Sanctorum Maurorum. Eksvith.
XII. kal. Nou. Sancti hilarionis. sanctarumque uir-
ginum XI. milium.2

IIII. Non. Nou. (d)Heinricus dux obiit. Radburg laica.
VIII. Idus Nou.
(f)Pauli heremitę. Obiit helburg laica.
II. Idus Non.
(b)Radburg ancilla.
Idus Nou. Sancti Briccii episcopi (d)et passio sanctę
maxelendis uirginis.
VI. kal. Decemb. (g)hominem exuit Bereugarius episcopus
cameracensis.
VII. Idus Decemb. Octauas s. Andreae. (b)liudbraht
XVIIII. kal. Januar.
(d)Gerolf.
III. kal. Jan. Gersuit ancilla xpi obiit.

 

1 Am Rande: zu kal. Sept. Apud hebraeos flud. apud Graecos Thot. Apud Egyptios Scorpicus. Apud Latinos September. Apud Thiudiscos haleg manoth. (Nach Einhard, vita Karoli Magni c. 29 ist letzteres bekanntlich die Bezeichnung des December).   2 Am Rande zu Kal. Nou.: Apud Hebr. Mursussius. Apud G. Attiricus. Apud Egypt. Dios. Apud L. Nouember. Apud Thiudiscos blotmanoth.

 

 


EV = Einhardi Vita Karoli. Monats- und Windbezeichnungen

Überlieferung: Die wichtigsten der (134 sicheren) Handschriften sind (nach Holder-Egger):

A1* = Wien, Österreichische Nationalbibliothek Cod. 510 (früher Hist. prof. 654, vor Mitte 9. Jh.); A1 = Wien, Österreichische Nationalbibliothek Cod. 529 (früher Hist. prof. 667, aus Sankt Eucharius in Trier, E. 9. Jh.); A2 = Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana Reg.Christ. 339 (= Reg. lat. 339) (aus Sankt Gallen, 10. Jh.); A3 = Leningrad F IV. 4 (= Sankt Petersburg, Saltykov-Scedrin-Bibliothek F. v. IV. 4) (aus Sankt Medardus/Soisson, 10. Jh.); A3a = Paris, Bibliothèque Nationale lat. 5927 (11. Jh.); A4 = Trier, Stadtbibliothek 1286(/43) (aus Prüm, 1084); A5 = London, British Museum (= The British Library - Department of Manuscripts Mss.) Cotton. Tiberius C. XI (Mitte 11. Jh.); B1 = Montpellier Bibliothèque Universitaire (= Bibliothèque de l’École de Médicine Ms.) 360 (E. 9./A. 10. Jh.); B1* = Wien, Österreichische Nationalbibliothek Cod. 473 (früher Hist. eccl. 90, aus Sankt Peter in Worms, E. 9. Jh.); B2 = Florenz, (Biblioteca Medicea Laurenziana) Laurent. LXV, 35 (früher P. sign. B2, 11. Jh.); B3 = Verlorene Handschrift des Walahfrid Strabo (= Freiburg im Breisgau, Universitätsbibliothek 483, 13) ; B3a = Kopenhagen, Det Kongelige Bibliotek (= Universitätsbibliothek) Arn. Magn. nr. 831 (= AM. 830 4°) (aus Kirschgarten bei Worms, 15. Jh.); B3b = Freiburg im Breisgau, Universitätsbibliothek 468 (1497); B3c = Hannover, Niedersächsische Landesbibliothek Ms XIII, 859 (aus Wittingen, 15. Jh.); C1 = Paris, Bibliothèque Nationale lat. 10758 (früher Suppl. lat. 164 bis, E. 9./A. 10. Jh.); C1a = Paris, Bibliothèque Nationale lat. 4628A (10. Jh.); C2 = Rom, Bi blioteca Vaticana Pal. lat. 243 (Lorsch, 9. [?] Jh.); C3 = Paris, Bibliothèque Nationale lat. 17056 (Notre Dame 133, 12. Jh.); Paris, Bibliothèque Nationale lat. 6187 (13. Jh., nach C3); C4 = London, British Museum (= The British Library) Add. 21109 (Steinfeld).

Inhalt: Der um 770 im Maingau als Sohn einer ostfränkischen Adelsfamilie geborene Einhard wurde im Kloster Fulda erzogen, wo er 788 und 791 als Urkundenschreiber auftrat. Danach wurde er an den Königshof gesandt, wo er Schüler Alkuins wurde. 796/797 gehörte er zum engeren Hofkreis des Königs, wurde vermutlich Nachfolger Alkuins an der Hofschule und Oberaufseher über die königlichen Bauten in Aachen. Unter Ludwig dem Frommen wie Lothar I. behielt er seine Stellung, blieb aber nach 830 dem Hof fern und starb am 14. 03. 840.

Von seinen 58 überlieferten Briefen ist der älteste auf 823 zu datieren. Um 830 (828?) verfasste er die Vita Karoli Magni (Lebensbeschreibung Karls des Großen). Etwa gleichzeitig entstand wohl auch die Translatio sanctorum Marcellini et Petri.

Die Lebensbeschreibung Karls des Großen war der erste Versuch einer weltlichen Biographie seit der Antike. Das Vorbild waren Suetons Vitae Caesarum. Gegliedert ist das Werk in die res gestae (Taten Kapitel 5-11), die mores et studia (Sitten und Ziele, Kapitel 18-25) und die regni administratio et finis (Verwaltung des Reiches und Ende, Kapitel 26-33).

Im letzten Teil schildert Einhard in Kapitel 29, wie Karl den zwölf Monaten althochdeutsche Namen gegeben habe, nachdem zuvor teils lateinische, teils einheimische Namen üblich gewesen seien. Auch die Zahl der einheimischen Windnamen habe er von kaum vier auf zwölf erhöht.

Sprachlich gehören die 24 großenteils lateinisch beeinflußten Namen zum Altostfränkischen, doch gibt es in einzelnen Handschriften auch Umsetzungen in das Altniederfränkische (A5) und Altsächsische (vielleicht Handschrift A2, A2a). Altsächsisch könnten vor allem bracmanoth, helagmanoth und lentinmanoth sowie ostroniwind sein.

Ausgaben: Nuenarius, Dissertatio de origine... Francorum..., 1521); Einhardi Vita Caroli, 6. A. curavit Holder-Egger, O., 1911, Neudruck 1947 (= Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ex Monumentis Garmaniae Historicis separatim editi 33/4); Gysseling, M., Corpus van Middelnederlandse Teksten, 1980, 122

Literatur: Lintzel, M., Die Zeit der Entstehung von Einhards Vita Karoli, FS Holzmann, R., 1933, 22; Koch, A., Namen von Monaten und Windrichtungen in einer niederländischen Handschrift des 11. Jahrhunderts, FS Bach, A., 1965, 441; Corpus van middelnederlandse teksten, uitgegeven door Gysseling, M., 1980, 122; Gysseling, M., Corpus van Middelnederlandse Teksten, 1980, 122; Eberl, I., Einhard, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 2 1980, 420; Tischler, M., Einharts Vita Karoli, 2001


EV = Einhardi Vita Karoli, Monats- und Windbezeichnungen

EINHARDI VITA KAROLI M.1, a

Einhardi Vita Caroli, 6. A. curavit Holder-Egger, O., 1911, Neudruck 1947, 33

[3] 29.* Post susceptum imperiale nomen, cum adver

[4]teret multa legibus populi sui deesse - nam Franci

[5] duas habent leges2, in plurimis locis valdeb diversas –

[6] cogitavit quae deerant addere et discrepantia unire,

[7] prava quoque ac perperam prolata corrigere, sed de his

[8] nihil aliud abc eo factum est, nisi quod pauca capitula,

[9] et ea inperfecta, legibus addidit. Omnium tamen na

[10]tionum, quae sub eius dominatu erant, iura quae scripta

[11] non erant describere ac litteris mandari fecit. Item

[12] barbara4 et antiquissima carmina, quibus veterum regum

[13] actus et bella canebantur, scripsit memoriaeque manda

[14]vit. Inchoavit et grammaticam patrii sermonis.

[15] **Mensibus etiam iuxta propriamd linguam voca

[16]bula inposuit, cume ante id temporis apud Francos

[17] partim Latinis, partim barbaris nominibus pronuntiaren

[18]turf. Item ventos duodecim propriis appellationibusg

[19] insignivit, cum prius non amplius quam vix quattuor

[20] ventorum vocabulah possent inveniri. Et de mensibus

[21] quidem Ianuarium Wintarmanothi, Februariumk Hor

[22]nungl, Martium Lentzinmanothm, Aprilemn Ostarmanoth,

[23] Maiumo Winnemanothp, Iunium Brachmanothq, Iuliumr

[24] Heuuimanoths, Augustum Aranmanotht, Septembrem

[25] Witumanothu, Octobremv Windumemanothw, Novembrem

[26] Herbistmanothx, Decembrem Heilagmanothy appellavit.

 

* Wal. c. XXX: De studio eius in legibus emendandis.

** Wal. c. XXXI: Quibus noviter appellationibus menses annuosz et ventos duodecima insigniveritb.

 

1 (Zu Kapitel 28 … eos appellando) V. epist. Karoli M., (Epist. IV, p. 546 sq. 556). JA..  2 Salicam et Ribuariam.   3 i. e. Additamenta ad legem Salicam et ad legem Ribuariam.   4 i. e. Germanica.

 

a(Zu Kapitel 28 … eos appellando) voci eos superscriptum ad A 1; eos fr. B 1*. 2.   b valde om. B 1*. 2.   c ab eo om. B 1*. 2.   d patriam A 4.   e qui A 3.   f pronuntiabantur A 3.   g nominibus propriis A 4.   h possent voc. A 1.   i uuintaremanoth A 4; uuintarmanot B 1, et ita (-not) semel post; uuintarmanodh B 2; uuintermanoth A 2. 5.   k febroarium A 1* (e korrigiert). 2. B 1; Febr. - Heuuimanoth om. B 1*. 2.   l hornug A 1 C 1; hornungmanoth A 5.   m leuzinmanoth A 3; lentinmanoth A 2. 5; lenzenmanoth A 4.   n Apr. – Winn. om. A 3.   o Maius A 1*.   p iuuinnemanoth C 1; uunnemanoth A 4.   q bracm. A 2a. 4; brachmenoth B 1.   r Iulium - Aranmanoth om. A 3.   s houuimanoth A 4; heum. e korrigiert A 2; haymanoth A 5; uuimanoth A 1; uuimanot A 2a.   t aranmannoth B 2.   u uuidumanoth A 5; uuitemanoth A 2; uuintumanoth B 2.   v octembrem C 1; octubrem A 2. B 1.   w uuindumanoth B 1.   x herbistmanoht A 2; heribistmanoth B 1. 2; heribestmanoth B 1*; herbistimanoth e korrigiert A 1; heruistmanoth A 5.   y heilagmanot A 3; heilegemanoth A 4; hellagmanoth B 1; helicmanoht A 2; helagm. A 2a; heilmanoth A 5.   z annos B 3b.   a duod. om. B 3b.  

b insignauerit B 3c.


EINHARDI VITA KAROLI M.

 

Einhardi Vita Caroli, 6. A. curavit Holder-Egger, O., 1911, Neudruck 1947, 34

 

[1] Ventis veroa hocb modo nomina inposuit, ut subsolanumc
[2]
vocaret ostroniwintd, eurum ostsundronie, euroaustrum
[3] sundostronif, austrum sundronig, austroafricumh sund-
[4] westronii, africum westsundronik, zefyruml westronim,
[5] chorum westnordronin, circium nordwestronio, septen-
[6] trionem nordronip, aquilonem nordostroniq, vulturnum
[7] ostnordronir, 1.

 

a) ergo A 1.   b) nom. hoc modo A 2.   c) solanum B 1.   d) ostroniuuind A 2: ostronouuind A 5; ostruniuuind A 2a; atroniunt (korrigiert - niuunt) A 3.   e) ostsudroni A 4; ostsuthronouuind A 5.   f) suntaustroni A 1; sundostr. austrum om. B 1; suthostronouuind A 5.   g) sumdroni A 1; suthronouuind A 5.   h) austrumafricum A 2. 2a. 3.   i) suntuuestroni A 1. 4; sundiuuestroni A 2. 2a; sundu uuestroni B 1*; suthuuestronouuind A 5.   k) westsundr. – chorum om. B 1; uust sundroni A 1*; uuestsuthronouuind A 5.   l) zephyrum A 3. P. W.; zephyrom A 1; zephirum A 2. 2a. 4; zefirum B 2; cephirum A 5.   m) uuestronouuind A 5.   n) uuestnorthronouuind A 5.   o) sic C 1; norduuestr. A 1*. 3. 4. B 1. 1*; norduuuestroni A 1; norduuestruni A 2a; nordiuuestroni A 2; norduuesthroni B 2; northuuestronouuind A 5.   p) northronouuind A 5.   q) sic A 1*. C 1; nordostr. A 2. 3. 4. B 1. 1*; nordostronii A 1; nordosthroni B 2; nordostruni A 2a; northostronouuind A 5.   r) sic C 1; ostnordr. A 1. 1*. 2. 3. B.1. 1*. 2; ornostroni A 4; ostnorthronouuind A 5.

 

1 (Ventorum haec XII nomina Latina ex Isidori Etymol. XIII, 11, 2-14. assumpta esse socius Ericus Caspar monuit).

 

Die vielleicht aus Utrecht stammende Handschrift London, British Museum Cotton. Tiberius CXI aus der Mitte des 11. Jahrhunderts enthält nach der Ausgabe Gysselings folgende altniederfränkische, nach Holland weisende Schreibung der volkssprachigen Wörter:

 

Et de mensibus quidem / Ianuarium. uuintarmanoth; Februarium.
Hor/nungmanoth; Martium. lentinmanoth; Apri/lem. ostermanoth;
Maium. winnemanoth; Iu/nium. Brachmanoth; Iulium. haymanoth;
Au/gustum.
Aranmanoth; Septembrem. Widuma/noth; Octobrem.
Windumemanoth; Nouem/brem. Heruistmanoth; Decembrem. 2e helft 11e
e.<Heilmanoth / appellauit.> a Ventis uero hoc modo nomina im/posuit. ut
Subsolanum uocaret. ostrono wind; / Eurum. ost suthrono wind;
Euroaustrum. sut/hostrono uuind; Austrum. Suthrono uuind; // Austro
africum. suthuuestrono vvind; Afri/cum. vvestsuthronouuind; Zephirum.
uuestro/no vvind; Chorum. Westnorthrono wind; / Circium.
Northvvestrono vvind; Septen/trionem. Northrono vvind; Aquilo/nem.
North ostrono vvind; Vultur/num. ost nortHrono vvind;

 

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

 

Freckenhorster Heberegister (FK, FM)

 

Überlieferung: (FK) Bruchstück des 11. Jahrhunderts, früher im Besitz Nikolaus Kindlingers (1749-1819, 1804-1806 Archivar in Fulda) (= Fulda, Kindlinger, Nikolaus [Privatbesitz, verschollen]), danach verschollen; (FM) Münster, Staatsarchiv Msc. VII, 1316a[A1] 

Das von Nikolaus Kindlinger besessene Bruchstück (FK) ist nur durch einige, in J. Fischers Beschreibung typographischer Seltenheiten und merkwürdiger Handschriften, 5. Lieferung, 1804, 156ff. abgedruckte Auszüge bekannt. Wie aus dem dortigen Faksimile der ersten acht Zeilen zu schließen ist, stammte das Bruchstück aus dem 10./11. Jahrhundert und war älter als die überlieferte Handschrift (FM). Es war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch als Bruchstück erhalten.

Die Münsteraner, bis etwa 1860 im geheimen Staatsarchiv in Berlin befindliche Handschrift umfasst 11 Pergamentblätter, die von drei Händen des 11./12. Jahrhunderts geschrieben wurden. Sie besteht aus vier Teilen. Die von zwei Händen geschriebenen Teile 1 und 4 sind lateinisch, die von einer anderen Hand geschriebenen Teile 2 und 3 volkssprachig.

Inhalt: Teil 1 der Münsteraner Handschrift ist ein Nachtrag vom Ende des 12. Jahrhunderts oben auf dem ersten Blatt der Handschrift, der einen Zehnten in Beelen bei Warendorf betrifft, der an das um 860 gegründete Kanonissenstift Freckenhorst bei Warendorf unweit von Münster zu leisten war. Teil 2 (Blatt 1b-Blatt 8b Zeile 13) ist das eigentliche Heberegister. Dieses stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Es enthält ein Verzeichnis der Abgaben, die von zinspflichtigen Höfen über die Haupthöfe (Amtshöfe) Viehaus (= Freckenhorst[A2] ), Ennigerloh, Balhorn, Jochmaring und Vadrup abzufahren waren. Nach den Abgaben an das Stift, bei denen zwischen den Abgaben an den Konvent und an die Äbtissin unterschieden wird, werden die Gefälle an den Meier des Haupthofs (Amtshofs) genannt. Den Abschluss bildet eine Aufzählung aller Gefälle aus den einzelnen Ämtern, der vielleicht eine Kornschreiberliste als Vorlage diente und die mit einem explicit endet. Teil 3 (Blatt 8b Zeile 14-Blatt 10a) vom Ende des 11. Jahrhunderts enthält ein in einen Festkalender eingearbeitetes deutsch-lateinisches Ausgabenverzeichnis, eine Aufzeichnung über Eingänge beim Stiftsspeicher und eine Eintragung über eine Präbende für die Stiftsinsassinnen am Namenstag der Stiftspatronin Thiadhildis, die sich mit einer Speiseordnung Bischof Erphos († 1097) von Münster für die Stiftsdamen von 1090 in Verbindung bringen lässt. Der auf das leere Blatt 10b folgende Teil 4 (Blatt 11a-11b) vom Anfang des 12. Jahrhunderts ist eine Mischung von Einkünfteverzeichnis und Traditionsbuch.

Alle in Kindlingers Bruchstück enthaltenen Angaben beziehen sich auf Teil 2 der Münsteraner Handschrift. Sie stimmen mit dessen Angaben bis in die Personennamen hinein weitgehend überein. Kindlingers Bruchstück dürfte am ehesten eine Vorarbeit für die nicht allzu viel später verfassten Angaben der Münsteraner Handschrift sein, bei der im übrigen Randbemerkungen teilweise in den Text gelangt sein dürften. Vielleicht wurden bei der Abfassung auch Abfrageprotokolle verwertet.

Der Dialekt der rund 5000 Wörter und Namen (420 Personen mit 287 verschiedenen Namen) umfassenden Texte ist altsächsisch. Der Lautstand ist spätaltsächsisch. Innerhalb des Spätaltsächsischen weisen einige Merkmale auf das Altnordwestfälische (tharp, ger, -seto). Evena neben havero, nabur neben gebur, corn neben rockon deuten auf unterschiedliche Textschichten des Teils 2. Kindlingers Bruchstück weist in Orthographie, Lautstand und Wortwahl Unterschiede zur Münsteraner Handschrift auf.

Ausgaben: Fischer, J., Beschreibung typographischer Seltenheiten und merkwürdiger Handschriften, 1804, 156 (FK mit Faksimile der ersten acht Zeilen); Dorow, Denkmäler alter Sprache und Kunst I, 1. Heft 1ff., umgedruckt in 2. Heft 3ff. (vor 1824); Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 24-45, Nr. 9

Literatur: Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 133; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966, 360; Metz, W., Zur Geschichte und Kritik der frühmittelalterlichen Güterverzeichnisse Deutschlands, Arch. f.

FK, FM = Freckenhorster Heberegister

 

Diplomatik 4 (1958), 183; Hartig, J., Kölnische und westfälische Personennamen des 11. Jahrhunderts, Nd. Studien 18 (1970), 232; Gockeln, W., J. N. Kindlinger, Sammler, Archivar und Historiograph in der Nachfolge Justus Mösers, Westfäl. Zs. 120 (1970), 11, 121 (1971), 37; Hartig, J., Fragen zum Verhältnis der beiden Handschriften des Freckenhorster Heberegisters, Nd. Mitt. 28 (1972), 97; Hartig, J., Zum Sprachstand von Handschrift K des Freckenhorster Heberegisters, Nd. Beiträge = FS Wortmann, F., 1976, 3; Hartig, J., Die Gliederung des Freckenhorster Heberegisters, FS Cordes, G., Bd. 2 1976, 96; Schmidt-Wiegand, R., Freckenhorster Heberolle, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 2 1980, 885; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 125f.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 24, Nr. 9

 

Freckenhorster Heberegister

(Handschrift M, f. 1a) [Wadstein 24,3] De decimali beneficio ad belon ad prebendaM .xxij.│bracia ordei
[4] triti .xvii. bracia siliginis.
De eodem .i. bracium siliginis│viii. bracia
[5] ordei triti albi. De koke .ii. maldra caseorum .i.│bracium triti ad
[6] prebenda
M.1

 

 

[7] (f. 1b) Thit sint thie sculde uan thiemo urano uehusa.
[8] uan themo│houe2 seluomo. tuulif gerstena malt. ende x. malt
[9] huetes.│ende .iiii.or3 muddi ende .iiii.or 3 malt roggon ende áhte mud-|
[10] -di ende thruu muddi banano. ende. ueir.4 kogíí ende│thue5 specsuin
[11] .quattor.6 cosuin .iiii.or 3 embar smeras. ende alle│thie uerscange the
[12] hirto hared otherhalf hunderod│honero thue mudde eiero thriu muddi
[13] penikas enon│salmon. ende thero abdiscon tuulif sculdlakan. ende│
[14] thue embar hánigas. ende en suín sestein penniggo│uuerht. ende en
[15] scap. ende ses muddi huetes. ende tein│scok garuano. Ande to themo
[16] asteronhus uif gerstena│malt gimelta. In natiuitate2
domini. et in
[17] resurrectione domini│to then copon. ende ses muddi. ende tuentigh
7

(Handschrift K [Vgl. oben Z. 7 bis s. 27,3], f. 156) [Wadstein 24,18] Thit sint thie sculdi
[19] uan the|mo urano uehusa uan the|mo houe seluomo. tuulif│gerstena
[20]
malt. ende x. malt│huetes ende iiii. muddi en|de iiii. malt roggon ende│
[21] ahte8 muddi ende thru mud|di banano.9 ende uier kogii en|de10 tue
[22]
spec suin uier cosuin uier embar smeras. ende alle thie uerscange the
[23] hirto hered
(über erstem e kleines o) other half hunderod hanero tue muddi eiero thriu muddi
[24] penikas enon salmon tuulif sculd. lakan [ende thero abdiscon11] ende
[25] tue embar hanigas ende en suin sestein peninggo12 uuerht ende en scap
[26] ende sehs muddi huetes ende tein scok garuano. Ande to themo

[27] f. 157 asteron hus uif gerstena malt gimelta ende sehs muddi. ende tuentigh

 

1 Dieses Stück steht oben auf der Seite; der übrige Teil der Seite ist unbeschrieben.   2 Gallée unrichtig v statt u.   3 Handschrift .iiii. (über.iiii. klein or [= quattuor]).   4 i aus r korrigiert und das Schluss-r hinzugeschrieben; nach ueir eine leere Rasur und über ueir und dieser Rasur steht quattor.   5 Friedlaender und Gallée unrichtig tue.   6 quattor ist über die Zeile geschrieben; unten leere Rasur, wo Gallée ohne Bemerkung uier ansetzt.   7 g aus h korrigiert.   8 Gallée unrichtig ahta.   9 Gallée unrichtig banono.   10 Mit diesem en- schliesst das Faksimile.   11 Steht bei Fischer als Anm., zu lakan gestellt, mit der Bemerkung: „Anmerkung des Originals.“   12 Gallée unrichtig peninngo.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 25

 

(Handschrift M, f. 1b) [Wadstein 25,1] muddi│gerston. ende uiertih muddi haueron. ende ses muddi érito.│[2] ende uier malt rokkon. ende en1 muddi. ende en muddi huetes.2│[3] ende tue specsuin.3 ende tue suin iro iehuethar ahte pen|nig[4]go wehrt.4

[5] Van5, 6 lacseton uif malt gersti|na gimelta. ende uier malt [6] rokkon. ende en1 muddi. ende│tue specsuin. ende tue suin iro ge(-) [7]huethar ahte pinniggo│werht.4, 7

[8] Van emesaharnon8 viertein9 muddi gerston.│gimelta. ende en [9] specsuin. ende tue suin iro gehuethar│ahte pinniggo werht.4

[10] Van suthar=ezzchon10 ric|braht tue malt rokkon. tue ger-[11]stina malt gimalana.│ende Iunggi11 uuan themo seluon thorpa thri[12]thig muddi│rokkon. ende ahtethein muddi gerstinas maltas.
[13]
Van fiehttharpa. Æcelin thein muddi12 rokkon. ende│thein [14] muddi gerstinas maltas.

[15] Van radistharpa. │Azilin en malt rokkon.

[16] Van uuerstarlacseton.│Lanzo tuenthig muddi rokkon. ende en [17] gerstin malt│gimelt.

[18] Van thero mussa hézil tuenthig muddi│rokkon. ende en gerstin [19] malt gimalan. Ende13 uan14 themo seluon tharpa. Boio tuenthig15

 

(Handschrift K, f. 157) [Wadstein25,20] muddi gerston endi uiertih muddi haueron endi sehs muddi erito. [21] endi fier malt rokkon, ende en muddi. endi en muddi huetes ende [22] tue speksuin. ende tue suin iro ie huethar ahte penningo uuerht.

[23] Uan lac seton uif malt gerstina gimelta ende fier malt rokkon [24] ende en muddi ende tue spek suin. ende tue suin iro ge huuethar ahto [25] penniggo uuerth. Uan eme sa harnon fiertein muddi gerston gi [25] melta ende en spek suin ende tue suin iro gei huue thar16 ahto pen-[26]ningo uuerth. Van schar ez. zehon17 Rikbraht tue malt rokkon [27] tue gerstina malt gimalana. ende lunggi18 uan themo seluon thorpa [28] thritigh muddi rokkon ende ahte tein muddi gerstinas maltas. Van [29] fieht tharpa Azelin tein muddi rokkon ende tein muddi gestinas [30] maltas. Van radis thorpa azelin en malt rokkon. Van uuestar [31] lok19 seton Lanzo tuentich muddi rokkon. ende en gerstin malt gimelt. (f. 158) [32] Van thero musna hezil tuentich muddi rokkon. ende en gerstin [33] malt gemalan. Ende uan themo seluon thorpa fforo20 tuentich

 

1 Über der Zeile hinzugefügt.   2 -s oben an der rechten Seite von e angehängt.   3 Gallée unrichtig speksuin.   4 Gallée unrichtig uu statt w.   5 Vor Van, wie auch im folgenden oft vor diesem Wort, ein Stück der Zeile leer.   6 Gallée hier, wie auch im folgenden gewöhnlich, unrichtig Uan statt Van (zuweilen, z. B. S. 174, 13, 14, 175, 33 jedoch richtig Van).   7 Friedlaender unrichtig wehrt.   8 Das erste a aus e korrigiert.   9 Gallée unrichtig u statt v.   10 So mit zwei Bindestrichen.   11 I aus í korrigiert.   12 Das erste d aus n korrigiert.   13 Nach ende ein durchgestrichenes themo am Ende der Zeile.   14 Gallée unrichtig v statt u.   15 Gallée unrichtig tuentich.   16 Von Gallée übersprungen.   17 Gallée hat zehon stillschweigend in zchon geändert.   18 Gallée ohne Bemerkung Junggi.   19 Gallée unrichtig Loc-.   20 So (natürlich fehlerhafte Lesung für Boio), nicht foro, wie Gallée angibt.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

 

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 26

 

(Handschrift M, f. 2a) [Wadstein 26,1] muddi rokkon. || ende tuenthig muddi gerstinas maltes. Ende1 Tiezo│[2] uan thero musna2 en malt rokkon.

[3] Van graf|tharpa Williko tuulif muddi rokkon. ende én ger[4]stinmalt. Reinzo uan themo seluon tharpa én malt rokkon.│Ende [5] Hemoko uan3 themo seluon tharpa tue malt rok|kon. ende en malt [6] gerstin gimalan.

[7] Van anon│Gheliko tue malt rokkon.

[8] Van smithehuson. Eizo en│malt rokkon. An themo seluon [9] tharpa. Alzo tuenthig4│muddi rokkon.

[10] Van hursti. Emma tuenthig muddi│rokkon.

[11] Van ueltseton. Tieziko tue malt rokkon.│Bernhard an themo [12] seluon tharpa tuenthig muddi rokkon.│

[13] Van holonseton. Azelin en malt rokkon. Wikmund an│themo [14] seluon tharpa ende Dagerad ende Azeko5 alligiliko│imo.

[15] Van bocholta Tiediko tue malt rokkon.

[16] Van│oronbeki Kanko [en malt rockon.

[17] Van fiehttharpa thiezeko tein mudi6 rockon].7 Raziko. an themo [18] seluon tharpa also Gat|mar uan3 themo seluon tharpa ahtetein [19] muddi rockon.Witzo thrithic muddi rockon8 uan themo seluon [20] tharpa.│

 

 

(Handschrift K, f. 158) [Wadstein 26,21] muddi rokkon ende tuentich muddi gerstinas maltes. Ende Tiezo [22] uan thero musna en malt rokkon. Van9 graf thorpa Williko [23] tuulif muddi rokkon. ende en gerstin malt. Reinzo uan themo [24] seluon thorpa en malt rokkon. Ende Hemoko uan themo seluon [25] thorpa10 tue malt rokkon ende engi malan malt gerston. Van9 [26] anon leliko11 tue malt rokkon. Van smithehuson Eizo en malt [27] rokkon. An themo seluon thorpa Also tuentich muddi rokkon. Van [28] hursti Emma tuentich muddi rokkon. Uan uelt seton tieziko tue [29] malt rokkon. Bernhard an themo seluon tharpa tuentich muddi [30] rokkon.12 Van9 holon seton Azelin en malt rokkon. Wikmund [31] an themo seluon thorpa ende Dagerad ende Azeko alligiliko imo. [32] Van9 bocholta Tiedico tue malt rokkon. Van9 oronbeki Kanko [33] en malt rokkon. Van9 fieht thorpa tein muddi rokkon.

(f. 159) [34] Raziko an themo seluon thorpa also. Gat mar uan themo [35] seluon thorpa ahtetein muddi rokkon Witzo thritich muddi rokkon [36] uan themo seluon thorpa.

 

1 Gallée unrichtig endi.   2 Handschrift mussa (über ss klein na), sa unterstrichen (und von einem Fleck bedeckt).   3 Gallée unrichtig v statt u.   4 Gallée unrichtig tuentich.   5 Über dem Namen ein Kreuz.   6 Friedlaender unrichtig muddi.   7 Die in Klammern gesetzten Worte sind längs des Randes geschrieben und durch h’ hinter Kanko verwiesen.   8 thrithic muddi rockon steht im Kontext, nicht am Rand, wie Gallée angibt.   9 Gallée unrichtig U statt V.   10 Dieses und die vorhergehenden acht Worte von Gallée übersprungen.   11 So; Gallée ohne Bemerkung Jeliko.   12 Die Worte Bernhard – rokkon von Gallée übersprungen.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 27

 

(Handschrift M, f. 2a) [Wadstein 27,1] Van grupilingi. Witzo en malt1 rockon. Ratbraht uan│themo [2] seluon tharpa en malt rockon. ande2 en embar hani|gas.

[3] Van sciphurst. Manniko3 siuen muddi rockon.│ende en embar [4] hanigas. Iazo3 uan themo seluon tharpa tuen|thig muddi rockon. [5] ende tue emmar hanigas.

[6] Van emisa|hornon Meni tuenthig4 muddi rockon.

[7] Van suhemisa|hornon5 Meinzo thrithic muddi rockon. ende [8] en gerstin│malt gimalan. Habo uan themo seluon tharpa tuenthig│[9] muddi rockon.

[10] Van6 dagmathon Boio en malt rockon.│Lieuikin an themo [11] seluon tharpa also uilo.

[12] Van tharp|hurnin kanko tuenthig muddi rockon.

[13] Van haswin|kila Waldiko fiftein muddi7 rockon. Kanko an [14] themo│seluon tharpa nigen muddi rockon. Ende an themo seluon│[15] tharpa. Eiliko ahte muddi rockon. Huniko an themo seluon│tharpa [16] en malt rockon. ende tue embar hanigas.

(f. 2b) [17] Van || Herithe Roziko en.8 malt rockon. Hizil an themo seluon│[18] tharpa fiftein muddi rockon. Adbraht an themo seluon│tharpa [19] thrutein muddi rockon. Abbiko an themo seluon│tharpa ahtetein [20] muddi rockon.

[21] Van mottonhem. Sizo│en malt rockon.

[22] Van duttinghuson. Sicco tue malt│rockon.

[23] Van kukonhem. Vbik9 tue malt rockon.

[24] Van│belon. Witzo sestein muddi rockon. Rikheri an themo│[25] seluon tharpa tue malt rockon.

[26] Van uornon Sello│tue malt rockon. Mannikin3 an themo [27] seluon tharpa│tuenthig muddi7 rockon.

[28] Van sahtinhem. Hameko3│tue malt rockon. An themo seluon10 [29] tharpa. Hameko│.iii.11 solidos. malt rockon. ende en embar hanigas. [30] An│themo seluon tharpa. Hoyko en malt rockon.

[31] Van wa|rantharpa Gunzo3 tuenthig muddi7 rockon.

[32] Van berg|hem Eilsuith12 ahtetein muddi rockon ende elftefta[33]half│muddi gerstinas maltes. An themo seluon tharpa Sizo│ahtetein [34] muddi rockon. ende fiftehalf muddi gerstinas│maltes. An themo [35] seluon tharpa Witzikin3 en malt rockon.│

 

 

(Handschrift K, f. 159) [Wadstein 27,36] Van9 grupilingi13 Vitzo en malt rokkon. Radbraht uan [37] themo seluon thorpa en malt rokkon. ende en embar honigas. Van9 [38] sciphurst Manniko …..

 

1 a aus (Anfang von o?) korrigiert.   2 Gallée unrichtig ende.   3 Über dem Namen steht ein Kreuz.   4 Gallée unrichtig tuenthich.   5 Lies suthemisahornon (Friedlaender).   6 Friedlaender unrichtig Von.   7 Das erste d aus n korrigiert.   8 Darüber .xiii.   9 Gallée unrichtig U statt V.   10 Gallée unrichtig v statt u.   11 Vor .iii. steht „ein zum Zeichen des Wegfalls unterstrichenes tue“ (Friedlaender); oder gehört tue zu dem folgenden malt rockon?   12 E aus l korrigiert und davor ein E ausradiert.   13 Gallée unrichtig Grupelingi.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 28

 

(Handschrift M, f. 2b) [Wadstein 28,1] Van slade. Witzo en malt rockon. An themo seluon thar|pa [2] Abbiko nigentein muddi rockon.

[3] Van themo la Boio│thru malt rockon.

[4] Van burguuida fistein1 muddi│rockon.

[5] Van iezi Raziko thru gerstina malt gima|lana.

[6] Van liueredingtharpa Siman en gerstin malt│gimalan. ende en [7] malt gerston. ende tuenthig muddi ha|uoron.

[8] Van sendinhurst uan themo deddessconhus│en gimalan malt gerstin. [9] ende tuenthig muddi hauoron.│

[10] Van luckingtharpa Ricwin tein muddi gerstinas mal|tes. ende [11] uier embar hanigas.

[12] Van berniuelde Witzil│tein muddi2 gerstinas maltes. ende [13] thrithic muddi hauoron.│

[14] Van Eritonon Eppiko uier embar hanigas.

[15] Van musna|hurst Witzo en gerstin malt.

[16] Van walegardon│Hitzil ende Eckerik iro gaihuuethar en ger[17]stin malt3 (f. 3a) gimalan.

[18] Van Narthbergi Wirinzo tue iuenina4│malt.

[19] Vat5 holthuson Thiethard tue iuenína4 malt gi|malana.

[20] Van brocsethon Eizo fierthic muddi hauoron.│

[21] Van Rammeshuuila Acelin xiiii modios ordei.

[22] [Van themo uehusa6 sculon geldan7 med then foreuuercon8 [23] Septuaginta .v. houa6│uppan thena spikare. thie geldad .xxviiii. [24] malto gerstinas maltes ane thena ásthóf.9]

 

[25] Thit10 sint thie sculdi the an thena hof geldad.

[26] Van│walegardon haddo en malt gerston ende tuenthig muddi│[27] hauoron. Reingier uan uualegardon ses muddi gerston│ende tue [28] muddi huetes.

[29] Hitzel uan thero musna fif│muddi gerston. Thiezo uan thero [30] musna ses muddi gerston.│

[31] Van Anon Ieliko en malt gerston.

[32] Van ueltzeton│Thieziko en malt gerston.

[33] Van slade Abbiko sestein│muddi rockon.

[34] Van sahtinhem Hoyko en malt rockon.│

[35] Van rehei Lieuiko en malt rockon.

[36] Van gislahurst│Lanzo en malt rockon.

[37] Van mottonhem Sizo en malt│rockon.

[38] Van belon Atzeko tuentihc muddi rockon│ende en malt gerston.

 

1 Lies fiftein. fistein steht unmittelbar nach burguuida (Gallée Burguuida … fistein, womit er wohl andeuten will, dass hier ein zu erwartender Personenname fehlt).   2 Das erste d aus n korrigiert.   3 Mit diesem Wort endet S. 2b, nicht mit gerstin, wie Gallée angibt. Die am Rand der Seite 2b befindliche Summirung für den Haupthof Vehus ist unten Zeilen 22-24 abgedruckt.   4 e aus i oder erstem Strich von u korrigiert.   5 Lies Van; Gallée unrichtig Uat.   6 Gallée unrichtig v statt u.   7 Gallée unrichtig geldon.   8 Gallée unrichtig foreuuerkon.   9 Das zwischen Klammern Gesetzte steht am linken Rand der Seite 2b in zwei vertikal geschriebenen Zeilen.   10 t aus n korrigiert.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 29

 

(Handschrift M, f. 3a) [Wadstein 29,1] Van meinbrahtingtharpa│hillo en gerstin malt ende ses muddi [2] huetes.

[3] Van│iezi Raziko tue muddi huetes ende thru muddi rockon.│

[4] Liuppo uan themo asteruualde tue muddi hvetes.1│Sin nabur [5] tein muddi cornes ende tue muddi huetes.│

[6] Van uornon. Sello en malt gerston.│

 

[7] Thit sint thie sculdi uan2 themo houa2 seluamo te│Aningerolo [8] tuelif3 gerstina malt ende tein malt│huetes ende siuon muddi. ende [9] fiertich muddi gerston.│ende antahtoda muddi hauoron. ende ahtotein [10] muddierito ende fier malt rockon. ende ahte muddi. ende fier│koíí [11] ende fier kosuín. [ende tue4 specsuín. ende tue suín.5] the iro iehuuethar [12] si ahto pen|ningo uuerth. ende thru embar smeras ende tue muddi│[13] penikas ende otherhalf hunderod honero ende thie│uerscunga6 ende [14] thie kiesos the to themmo7 thienosta ha|rad. ende thuulif sculdlakan [15] ende tue muddi eiro.│ende tue embar hanigas. Ende thero abdiscon [16] en (f. 3b) || suin sestein penningo uuerth ende en scáp. ende ses muddi huetes.8[17] ende tue embar hanigas.

[18] Van steltingtharpa fier malt roc|kon [discipulis9]. ende en muddi. [19] ende fif malt to then copon. ende sesta|half malt gerstinas maltas. [20] ende ses muddi érito. ende thru muddi│huetes ende én.10 ende tue [21] specsuin. ende tue suin. the iro ieuue|thar si ahto penningo uuerth.

[22] Van boingtharpa Waltbratd│fierthic muddi hauoron. ende en [23] gerstin malt gimalan. ende én│embar hanigas. Vocko11 uan2 themo [24] seluon tharpa tuenthic mud|di gerston. Hameko uan2 themo seluon [25] tharpa tein muddi gersti|nas maltas. ende tuentihc12 muddi hauoron.13

[26] Van hanhurst Ri|kizo tuentihc14 muddi15 gerston.

[27] Van holttharpa tuenthic muddi│gerston. Geli uan themo [28] seluon tharpa thru gerstina malt gimala|na.

[29] Van uohshem. Nizo tein muddi gerstinas maltes8 gimalana.│

[30] Van butilingtharpa. Hameko ahto muddi gerstinas maltes gi(-)|[31]malanas. ende thrithic muddi gerston. Witzo uan themo seluon│tharpa [32] tein muddi gerstinas maltes. ende tein muddi gerston. Man|nikin uan [33] themo seluon tharpa tein muddi gerstinas maltes. ende│tein muddi [34] gerston.

[35] Van birison Suithiko en gerstin malt gi|malan. ende fiftein [36] muddi gerston. Athelhard uan themo seluon│tharpa en gerstin malt [37] gimalan. ende tuenthic muddi gerston.│

[38] Van bikiesterron. Boso tuenthic muddi hauoron. ende tuenthic│

 

1 v aus a korrigiert; Gallée unrichtig huetes.   2 Gallée unrichtig v statt u.   3 l aus i korrigiert und vor l ein f ausradiert.   4 Über die Zeile geschrieben.   5 Das zwischen Klammern Stehende ist am Fuß der Seite geschrieben und durch h’ hierher verwiesen.   6 Gallée unrichtig verscunga.   7 Gallée unrichtig themo.   8 -s oben an der rechten Seite von e angehängt.   9 Am linken Rand und durch h’ hierher verwiesen.   10 Hier ist wohl etwas übergangen.   11 Gallée unrichtig U statt V.   12 Gallée und Friedlaender unrichtig tuenthic.   13 Gallée unrichtig haueron.   14 -c aus -t korrigiert.   15 Das erste d aus n korrigiert.

 

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 30

 

(Handschrift M, f. 3b) [Wadstein 30,1] muddi gerstinas maltes gimalanas. Azelin uan themo seluon│tharpa [2] en gerstin malt gimalan. ende ahte muddi gerston. ende│tein muddi [3] hauoron.

[4] Van gesta Hoio tein muddi gerstinas│maltes gimalanas. ende [5] nigon muddi hauoron. ende ses muddi rockon.│Thiezo ende. Eizo [6] ende Mazil an themo seluon tharpa also uilo.│

[7] Van hamorbikie. Thiezelin tuenthic muddi gerston.

[8] Van│stenbikie Eilo tuenthic muddi gerston.

[9] Van Euenghuson1 Lieuold tuenthic muddi gerston.

[10] Van uuersteruuik Azelin│tuenthic muddi gerston. Thieza uan [11] themo seluon tharpa tein│muddi gerston. ende tein muddi hauoron.

[12] Van hasleri. Hiddi|kin ses muddi gerstinas maltes gimalanas. [13] ende fierthic muddi

(f. 4a) || hauoron.

[14] Van pikonhurst Eiliko tuenthic2 muddi gerston.

[15] Vanuilomaringtharpa. Abbiko tuenthic muddi gerston.

[16] Van amon|hurst Sahssiko en malt rockon. Mannikin an themo [17] seluon tharpa sesmuddi rockon.

[18] Van heppingtharpa. Iko en gerstin malt gimalana.

[19] Van cleibolton Lieuiko tuenthic muddi gerstinas3 maltes gi[20]malanas.

[21] Van enniggeralo Thiediko ende Thieziko iro ieuuethar siuon[22] muddi gerstinas maltes gimalanas. Ghielo uan themo seluon tharpa[23] ahte muddi gerstinas maltes gimalanas. Liuddag uan themo seluon[24] tharpa tue malt gerstina gimalana. Hitzil an themo seluon tharpa[25] ahtetein muddi gerstinas maltes. gimalanas. Willa tue gimalanamalt [26] gerstina.

[27] Gingo uan bikieseton tuentihc muddi gerstinas maltesgimalanas. [28] uan themo seluon tharpa Hereman siuon ende tuentihcmuddi ger[29]stinas maltes gimalanas.

[30] Van uuerlon Heppo tuegerstina malt gimalana.

[31] Van liuoredingtharpa Hezil ahtemuddi gerstinas maltes [32] gimalanas.

[33] Van hotnon Lieuiko ses mud|di rockon. Ratuuard4 an themo5 [34] seluon tharpa en malt rockon endetuenthic muddi gerston. Azezil [35] an themo seluon tharpa en maltrockon. ende ahte muddi gerston.

[36] Van gronhurst Makko teinmuddi gerstinas maltes gimalanas. [37] Hemuko an themo seluontharpa ses muddi rockon. tein muddi ger-

 

(Handschrift K [Vgl. oben Z. 33 bis S. 3, 15], f. 159) [Wadstein 30,38] Uan hot non Lieuiko [39] sehs muddi rokkon. Raduuard an themo seluon thorpa en malt [40] rokkon ende tuentich muddi gerston. Uan gron hurst Makko, [41] tein muddi gerstinas maltes gemalenas. Hemuko an themo seluon

 

1 Gallée unrichtig Eeunghuson.   2 Gallée unrichtig tuentich.   3 Handschrift geerstinas, aber das erste e unterpunktiert.   4 Gallée unrichtig Raduuard.   5 h aus t korrigiert.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 31

 

(Handschrift M, f. 4a) [Wadstein 31,1]stinas maltes1 gimalanas.Thiezo an themo seluon tharpa tuentihc [2] muddi hauoron. Lie|uikin an themo seluon tharpa tein muddi ger[3]stinas maltes gi|malanas. ende tein muddi hauoron.

[4] Van steltingtharpaBoio tuentihc muddi gerstinas maltes [5] gimalanas.

[6] Van uriling|tharpa Abbo2 trithic3 muddi hauoron. Ende4 [7] themo sel|uon tharpa tuenthic muddi hauoron. Sizo an themo seluon[8] tharpa en gerstin malt gimalan. ende tuenthic muddi hauoron.Neri[9]barn an themo seluon tharpa ses malt hauoron ende ahtemuddi. [10] Wizil an themo seluon tharpa en malt huetes.

[11] Eilikouan pikonhurst en embar hanigas.

[12] [Van themo houa to aningeralo sculon geldan .iii. ande fiftich. [13] houa uppanthena spikare mid5 themo foreuuerca.6]

 

[14] Thit sint thie sculdi the an then hof seluon geldad to Anin|[15]geralo themo meira seluomo.

[16] Van datinghouon Haddo (f. 4b) || tue7 malt hauoron ende tue muddi [17] huetes.

[18] Van aldonhotnon Sizo enon sclilling8 penningo uan enoro [19] uuostun houa.

[20] Van liuor|dingtharpa9 Hizel ses muddi gerston. Ende uan themo [21] uuostunlanda en malt gerston.

[22] Van ghronhurs. Makko ses penninga.Ende an themo seluon [23] tharpa. Lieuikin ses muddi érito.

[24] VanVRilingtharpa.10 Wenni ahte penninga.

 

 

(Handschrift K, f. 159) [Wadstein 31,25] thorpa sehs muddi rokkon tein muddi gerstinas maltes gimalenas. [26] Tiezo an themo seluon thorpa tuentich muddi hauoron. Lieuikin [27] an themo seluon thorpa tein muddi gerstinas maltes gimalena. ende [28] tein muddi hauoron. Uan stelting thorpa Boio tuentich muddi [29] gerstinas maltes gimalenas Uan uriling9 thorpa Abbo11 thritich (f. 160) [30] muddi hauoron Endi an themo seluon thorpa tuentich muddi hauoron. [31] Sizo an themo seluon thorpa en gerstin malt gimalan. endi tuentich [32] muddi hauoron. Neribarn an themo seluon thorpa sehs malt hauoron [33] ende ahte muddi. Wizil an themo seluon thorpa en malt huetes. [34] Eiliko uan pikon hurst en embar hanigas.

[35] Thit sint thie sculdi the an then hof seluon geldad to Aningerola etc.

 

1 a aus u korrigiert.   2 Nach Abbo steht ein durchgestrichenes Thie (Anfang eines Namens?); über Abbo ein Kreuz, das vielleicht zu einem am Rand stehenden Kreuz mit dem darunter geschriebenen Namen Guniko hinweist.   3 Gallée unrichtig trithich.   4 Hier fehlt ein Name und an; Gallée statt Ende unrichtig endi.     5 Friedlaender unrichtig mit.   6 Das zwischen Klammern Gesetzte steht am rechten Rand der Seite in zwei vertikalen Zeilen geschrieben.   7 Am Rand vor malt hinzugeschrieben.  8 Lies scilling oder schilling (vgl. S. 32, 6).   9 Gallée unrichtig v (resp. V) statt u.   10 Gallée unrichtig U statt v.   11 Als Anm. zu Abbo hat Fischer: „Cuniko, Anmerkung des Orginals…“ (Cuniko ist gewiss fehlerhafte Lesung statt Guniko, das Gallée ohne Bemerkung als Fischers Lesart angibt).

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 32

 

(Handschrift M, f. 4b) [Wadstein 32,1] Te berison Athel|hard ses muddi gerston. ende tue muddi huetes. [2] Ende an themoseluon tharpa. Suitthiko tue muddi huetes.

[3] Van butiling|tharpa. Sizo sestein muddi gerston. Ende an themo [4] seluon tharpaHemoko tein muddi gerston.

[5] Te bogingtharpa.1 Iseko fif mud|di huetes.

[6] Te fohshem. Wizikin ende Rading iro iehuetharenon schilling [7] penningo. Nizo an themo seluon tharpa teinmuddi hauoron.

[8] Te hoththarpa. Iko en malt hauoron.

[9] Te astan|uelda Eppika en malt gerston.

[10] Te mudelare Eniko enonsclilling2 penningo.

[11] Te bekisterron Boso tein muddi hauoron.

[12] Te narhttharpa Immo tuenthic penninga.

[13] Te gundere|kingsile Hizel tein muddi gerston ende fierthic [14] muddihauoron.3

[15] Te uphuson Tetiko énon scilling penningo.

[16] Tespurko Vadiko4 enon scilling penningo.

[17] Te hamorbikieTiezelin tein muddi gerston.

[18] Te sunninghuson.5 Boso tuen|thic muddi hauoron.

[19] Te amorhurst Sahsiko enon scillingpenningo.

[20] Te hohurst Mannikin enon scilling penningo.

[21] Te hrotmundingtharpa sestein muddi.

 

[22] Thit sint thie sculdi uan themo houa seluomo to baleharnon[23] tuilif gerstina malt gimalana. ende fierthic muddi gerston.ende ses [24] malt6 hauoron. ende ahte muddi to tegothon. endetein malt huetes. [25] ende siuon muddi. ende ahtetein muddiérito. ende fier malt rokkon. [26] ende ahte muddi. ende tuilifsculdlakan. ende fif koíí. ende tue [27] specsuin. ende fier ko|suin. ende tue suin iro iauuethar si ahte pen[28]ningo uuerth.ende thru embar giscethanas smeras. ende tue embar [29] hanigas ende7 otherhalf hunderod honero. ende tue muddi eiro. ||

                                                                                                                            

(Handschrift K [Vgl. oben Z. 22 bis S. 33, 19], f. 164) [Wadstein 32,30] Thit sint thie sculdi [31] uan themo houa seluomo to bale harnen tuilif gerstina malt gimalena [32] ende fiertich muddi gerston. ende sehs malt hauoron ende ahte muddi [33] to tegothon. ende tein malt huetes ende siuon muddi. ende ahte tein [34] muddi erico.8 ende fier malt rokkon ende ahte muddi. ende tuulif (f. 165) [35] sculd lakan ende fif Kou9 ende tue specsuin ende fier Kosuin. ende [36] tue suin iro ia huethar si ahte penningo uuerth ende thru10 embar [37] hanigas ende other half hunderod honero ende tue muddi eiiero

 

1 Gallée unrichtig Bogingtarpa.   2 Lies scilling oder schilling (vgl. Z. 6).   3 Gallée unrichtig v statt u.   4 Gallée unrichtig U statt V.   5 Gallée unrichtig Suninnghuson.   6 malt über ein durchgestrichenes muddi geschrieben.   7 Vor Ende ein e ausradiert.   8 So, Gallée ändert die fehlerhafte Form stillschweigend in erito.   9 So, Gallée koii.   10 Gallée unrichtig thria..

FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 33

 

(Handschrift M, f. 5a) [[Wadstein 33,1] ende sesse ende nichentein muddi saltes. ende thie ferscanga ende[2] thie kaseos the to themmo1 thienoste hared. Ende thero abdisscon[3] en suin the si sestein penningo uuerth ende en scáp. ende tueembar [4] hanigas. ende ses muddi huetes.

[5] Ende uan thes meirashuse ende uan then hóuan the thar in [6] hared. uan thero hóuabi themo díca. ende uan rugikampon enan [7] uaccam. ende tuegerstina malt2 gimalana. ende fier muddi huetes. [8] ende tue mal|dar brodes.3 Euéninas4 to Meinhardes gerasdaga.

[9] Van suih|tinhouile Mannikin sestahalf malt gerstina gimalana. [10] endetuentihc muddi gerstan. ende fierthic muddi hauoron to te|[11]gathon. ende ses muddi érito ende fier malt rockon. ende énmuddi. [12] ende en muddi huetes. ende tue specsuín. ende tue suíniro iauuethar [13] ahte penningo uuerth.

[14] Van uuedisscara.Bunikin ende Iebo iro iauuethar tue gerstina [15] malt gimalana.

[16] Van uorkonbikie Geba tue gerstina malt gimalana.

[17] Vanrokkonhulisa Amoko thrithic muddi gerston.

[18] Van asschas|berga. Winizo siuon muddi gerstinas maltes gimalenas. [19] endesiuontein muddi gerston. Wiziko bi themo huninghoua4 tue[20] malt gerston.

 

(Handschrift K, f. 165) [Wadstein 33,21] ende sehs ende nichonte5 muddi saltes. ende thie ferscanga ende thie [22] Kiesas the to themo thienoste hared. That thero Abdisscon on6 suin [23] the si sehs tein7 penningo uuerth ende en scap. ende tue embar ha[24]nigas ende sehs muddi huetes. Ende uan thes mei ieras huse ende [25] uan then houan the thar in hared. uan thero hóva bithemo dica [26] ende uan rugikampon ena kó ende tue gerstina malt gimalena ende [27] fier muddi huetes ende tue maldar brades fueninas8 to mein hardes [28] geras daga. Uan suihtin9 houile Mannikin sehsta half malt gerstina [29] gimalena. ende tuentich mudi10 gerston. ende fiertich muddi hauoron. [30] to tegathon. ende sehs muddi erito ende fiermalt rokkon ende en [31] muddi. ende en muddi huetes. ende tue specsuin. ende tue suin iro ia [32] huether ahte penningo uuerth. Uan uue disscara Bunikin ende [33] lebo11 iro ia huethar tue gerstina malt gimalena. Uan uorkon [34] bikie Geba tue12 Gerstina malt gimalena.13 Uan rokkon hulisa [35] Amoko thritich muddi gerston. Uan asschas berga Wuuza14 siuon [36] muddi gerstinas maltes gimalenas. ende siuontein muddi gerston. [37] Wiziko bithemo hu......15

 

1 Gallée unrichtig themo.   2 Gallée unrichtig mallt.   3 Über brodes steht panis.   4 Gallée unrichtig v statt u.   5 Die ursprüngliche Anm. 5 ist wegen der Nachträge und Berichtigungen S. XIV getilgt.   6 Gallée ändert on ohne Bemerkung in en.   7 Gallée statt the si sehs tein unrichtig thes is ehstein.   8 Lies Eueninas.   9 Gallée unrichtig Sihtin.   10 Gallée unrichtig muddi.   11 Gallée ändert dies stillschweigend in Jebo.   12 Gallée unrichtig tue tue.   13 Gallée unrichtig gigimalena.   14 Lies Winiza.   15 „Hier schliesst sich das .. Fragment“ (Fischer S. 167).


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 34

 

(Handschrift M, f. 5a) [Wadstein 34,1] [1] Van stenhurst. Hoyko thrie scillinga penningothero samnanga1 [2] to thero missa sancte crucis.

[3] Van hursttharpa.Heppo sestein penningo tue malt gerston [4] ende thru muddi.

[5] Van uorsthuuila2 Bunikin fiftein muddi gerston.

[6] Vanuuerneraholthuson. Eppo en malt3 gerston. Lanziko an [7] the|mo seluon tharpa fiertein muddi gerston.

[8] Van bikietharpaSahsa tue gerstina malt gimalena.

[9] Van paneuuik Inggizotuena scillinga penningo. ende tuena [10] Azelin uan biera|hurst tó uuinscatte. ende en malt gerstan gimalan [11] up|pan spikera.

[12] Van meclan Fizo en malt erito then gi|menon iungeron.

[13] Van auonhuuila. Alikin thruteinmuddi gerstinas maltes gi[14]malenas.4

[15] Van brath. Deikotuentihc muddi gerston4.

[16] Van rammashuuila Azelintein muddi gerston. ende tein muddi [17] hauoron.

f. 5b [18] Van5 || astrammashuuila. Mannikin thritihc muddi gerston.

[19] Vanthero harth Mannikin ses muddi rockon ende nigon muddi [20] ger|ston. Liudger an themo seluon tharpa nigon muddi gerston.

[21] Van scandforda Rothhard fiertihc muddi hauoron. Bunikin[22] an themo seluon tharpa thritich muddi hauoron.

[23] Van themoLuckissconhus. Fretheko en gerstin malt gimalan. [24] ende thrumalt gerston. ende siuon muddi.

[25] Van thero uuissitha. Tiezotue embar hanigas.

[26] Van huuttingtharpa6 Sirik tuentichmuddi gerston. ende fiertich [27] muddi hauoron.

[28] Van uuest|iudinashuuila. Liuza7 en gimalan8 malt ende tuentich [29] mud|di gerston. Emma an themo seluon tharpa ses muddi rockon[30] ende ses muddi maltes. Ibiko an themo seluon tharpa en gerstin[31] malt gimalan. ende en malt gerston. Makko an themo seluontharpa [32] tuentich muddi gerston.

[33] Van Isingtharpa Hoykoen gerstin malt gimalan. ende fiertich [34] muddi hauoron.

[35] Vanthero angela. Meinziko thritich muddi gerston9.

[36] Van éclan. Memo tuentich muddi gerston.

[37] Van athorpa. Ben|niko tuentich muddi gerston.

[38] Van gesthuuilæ. Meinzikoen gerstin8 malt gimalan. ende fiftein [39] muddi gerston. Ibikoan themo seluon tharpa fiftein muddi gerston. [40] Azelin anthemo seluon tharpa tein muddi gerston.

 

1 Vor dem Wort ein durchgestrichenes sm und s in samnunga aus dem letzten Striche dieses m korrigiert.   2 Gallée unrichtig Uorsthuvila.   3 Darüber .xvi. modios.   4 Vor dem Wort ein halb ausradiertes g.   5 Die am rechten Rand der Seite 5a befindliche Summierung für den Haupthof to balehornon findet sich unten S. 35, 35f.   6 „Wahrscheinlich verschrieben statt Huntingtharpa“ (Friedlaender); vgl. indessen huttingtharpa unten S. 38, 9.   7 Gallée unrichtig Liuzo.   8 Darüber .xiii. modios (bei Gallée nicht erwähnt).   9 Über ein durchgestrichenes hauoron geschrieben.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 35

 

(Handschrift M, f. 5b) [Wadstein 35,1] Van gestlan1Tiezo en gerstin malt gimalan. Ibiko an themo [2] seluon tharpaen gerstin malt gimalan. ende en malt gerston. ende [3] enmalt hauoron. ende en suín to gersdage sancte thiethilda1a ale|[4]monsnon2 Hoyko uan themo seluon tharpa tuentich muddigerston.

[5] Van aningeralo Imikin3 fiftein muddi gerston.

[6] Van hukillinhem. Lanzo en malt gerston.

[7] Van polingonSahsger tein muddi gerston1. Azelin an themo [8] seluon4tharpa tuentich muddi gerston.

[9] Van thralingon. Hikofiftein muddi gerston. Eppiko an themo [10] seluon tharpatuentich muddi gerston5. Eilger an themo seluon [11] tharpatuentich muddi gerston. ende fiertein muddi gerstinas6 || (f. 6a) maltes [12] gimalanas. Azelin an themo seluon tharpa tuentichmuddi gerstinas [13] maltes gimalenas.

[14] Van utilingon7 Wiziltuentich muddi gerston. Alikin ende [15] Tiezo an themo sel|uon tarpa8 iro iauuethar alsa uilo9. Wizo an themo [16] seluontharpa en malt huetes.

[17] Van kiedeningtharpa Eilikintein muddi gerstinas maltes gi[18]malanas ende tein muddigerston. Wizo ende10 Faderiko ende Mannikin. [19] an themoseluon tharpa iro allero gihuilik siuontein muddi gersti|nas [20] maltes gimalenas.

[21] Van hotnon Hrodbrath endeReinzo iro iahuethar fiftein [22] muddi greston11. Iziko anthemo seluon tharpa siuontein muddi [23] gerstinas maltes gimalenas.

[24] Van kiedeningtharpa Burchheri tuentichmuddi eueninas maltes [25] ende tein muddi gerstinas.

[26] Vanhotnon Eilhard ende Hazeko iro iahuethar fiftein12[27] muddi gerston. Esik iro gibur tuentich muddi gerston13.Ekko an [28] themo seluon tharpa thru embar hanigas.

[29] Van liuo|redingtharpa Manni en malt rockon.

[30] Van narthliunonAzelin tuene scilling penningo thero samnanga [31] uischkapa.

[32] Van gasgeri Reinzo fif scilling penningo ende uan felin tuene14.

[33] Van kiediningtharpa Eilikin ende Wizo ende Vaderikoende [34] Burchheri15 ende Mannikin iro allero gihuilik en bier|suín.

[35] [fan themo ambahte to balehornon sculun kumen .xxxiiii.16 uppan [36] thenæ spicare gerstinas17maltes. ande .ii. pund hraro gerston .iiii.or18 [37] malt19.] [de balehornon sculon uppan thena spikare geldan sexaginta [38] .iiii.or 18 houa med themo fore|werca to suihtenhuuile19.]

1 Vor dem Wort ein g (?) ausradiert.   1a (Wadstein XIV,5) 35, 3, 31 te vor alemonsnon und uischkapa zu ergänzen (Hh.).   2 Lies alemosnon.   3 Nach I etwas ausradiert.   4 Oder scluon.   5 Fast gorston.   6 Die am linken Rand der Seite 5b befindliche Summierung der Höfe des Amtes to balehornon ist unten Z. 37, 38 eingeschoben.   7 li aus n korrigiert.   8 Friedlaender unrichtig tharpa.   9 Gallée unrichtig v statt u.   10 Friedlaender unrichtig endo.   11 Statt gerston.   12 Unterstrichen und xx darüber geschrieben.   13 Eine e zwischen g und e halb ausradiert.   14 Darüber: ad pisces.   15 Handschrift Burhheri (über dem Zwischenraum zwischen r und h ein kleines c).   16 Hier fehlt etwas.   17 -s oben rechts am a angehängt.   18 Handschrift .iiii. (über .iiii. kleines or).   19 Das zwischen den zwei ersten Klammern Gesetzte steht längs des Randes S. 5a, das zwischen den zwei letzteren (Klammern gesetzte) längs des Randes der Seite 5b.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 36

(Handschrift M, f. 6a) [Wadstein 36,1] [1] Thit scal themo meira seluamo ieldan an then hóf.Sin chebur [2] Eppo tuentich muddi gerston. ende tuentichmuddi hauoron.

[3] Van utilingon Witzo ende Witzoiro iahuethar tuentich muddi [4] gerston. Razo an themo seluontharpa en malt hauoron.

[5] Van1 scarron Azo tue ende tuen|tich muddi gerston.

[6] Van thatinghouan2 Rothing thritichmuddi gerston.

[7] Van telchigi. Hozo en malt gerston.

[8] Vanmeklan Fizo tein muddi maltes.

[9] Van auonhuuila Alikinfiertich muddi gerston.

[10] Van hriponsile Azelin en maltgerston.

[11] Van rammeshuuila Azelin tein muddi gerston.Hameko an [12] themo seluon tharpa en malt gerston ende || (f. 6b) tuentich muddi hauoron. [13] Mannikin an themo seluon tharpatein muddi gerston.

[14] Van santforda Rothhard tuentich muddihauoron. Hizel an [15] themo seluon tharpa ses penninga.

[16] Van theroharth Liudger en malt rockon.

[17] Van Iudinashuuila Ibiko enmalt gerston.

[18] Van Isingtharpa Hoiko siuon muddi gerston.

[19] Van thero angela Makko fiertein3 muddi gerston. Meinzi|ko [20] ende Hoio bi thero angela iro iahuethar ses penninga.Tiezo uppan [21] thero4 hetha tue malt gerston.

[22] Van heclan Sibrath5fiftein muddi gerston.

[23] Van hleon Eiliko tue malt gerston.

[24] Van liueredingtharpa. Hizel tuentich muddi hauoron.Tiezo [25] bi themo dica tuentich muddi hauoron. (Absatz) [26] Van rothmun|dingtharpa Manni tuentich muddi hauoron.

[27] Van langon|huuilæ Azekin tuene scillinga. (Absatz) [28] Van humbrathtinghuson. Liuzoende sin gebur iro iahuethar [29] tuentich muddi saltes. (Absatz) [30] Van bire|sterron6. Razi sestein penninga. (Absatz) [31] Van Wanumelon Abbilinen malt rockon. (Absatz) [32] Van iesthuuila Abbiko enon scilling pennin|ga. (Absastz) [33] Van uuernerahotlhuson7 Lancikin tuene scillinga pennin|ga. [34] Ende sin gebur ses penninga. [35] Van forthhuuile ahte muddigerston. (Absatz) [36] Van ringie enon scilling penniggo8. (Absatz) [37] En land uan2 mede|bikie ende othar uan2 suththarpa iro iahuethar [38] ahte penninga.(Absatz) [39] Van haringtharpa ahte penninga. (Absatz) [40] Van hamerethi. Vokko9thrie scillinga denarios to kietelkapa. [41] ende uan balleuo tuemalt hauoron Vockilin9 .i. solidum10 [42] eht11 te kietelcapa12.

1 Bei Friedlaender übersprungen.   2 Gallée unrichtig v statt u.   3 Vor tein ein durchgestrichenes tich.   4 Friedlaender unrichtig thera.   5 Gallée unrichtig Sibraht.   6 Das zweite r aus Korrektur.   7 Friedlaender korrigiert dieses in –holthuson.   8 Friedlaender unrichtig penninggo.   9 Gallée unrichtig U statt V.   10 Vockilin .i. solidum über die Zeile geschrieben und durch zwei Punkte hinter hauoron verwiesen.   11 e aus t korrigiert.   12 capa über die Zeile hinzugeschrieben.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 37

 

(Handschrift M, f. 6b) [Wadstein 37,1] [1] Van elmhurst Sahsger enonscilling penninga. themo bathere.

[2] Van Liuzikon ammahteuan bócholte. Tiediko tue malt rockon [3] then batheron.

[4] Vananingeralo themo ammahte Aluerik uan1 hótnon enon [5] scil|ling penningo.

[6] Van themo2 ammahte te uaretharpaWizo uan uariti ses muddi [7] rockon. then batheron.

[8] VanIecmere themo ammahte Azelimian3 hlacbergon ses [9] muddirockon then batheron.

[10] Van aningeralo themo ammahteVocko4 an gronhurst ende[11] boio uan1 teltingtharpa iro iahue|thar enon scilling penningo then [12] muleniron. ||

 

(f. 7a) [13] Thit sint thie sculdi uan themo houa seluamo uan Iecmari [14] sesmuddi gerstinas maltes uppen spikeri ende en kó4a. ende enkosuín [15] ende tue specsuín. ende tue suín iro iahuethar ahtepenningo uuerth. [16] ende thrio an ger fieri ande thritich kieso.ende thriuhalf embar [17] smeras. eń giscéthan ende tue huite.ende fieri ende thritich honero [18] ende tue muddi eiro. Ende theroAbdisscon sie tuene uan1 Iecmeri [19] ende uan uaretharpæ en suínsestein penningo uuerth. ende eń scáp. [20] ende tue embar hanigas.ende eń malt rockon. Ende Attiko uan [21] uuerst fif sculdlakanthero abdisscon.

[22] Van smithehuson Azeko tuentich muddirockon. Manniko [23] uan themo seluon tharpa fiftein muddi5rockon. ende tue muddi5 [24] melas. Azelin ende Hizel an themoseluon tharpa iro iauuethar [25] fiftein muddi rockon ende tuemuddi melas. Ricbrath an themo [26] seluon tharpa eń malt rockon.Bettikin ende Tizo an themo seluon1 [27] tharpa iro iauuethar tuen|tich muddi rockon. ende tue muddi melas. [28] Gerrik an themoseluon tharpa tue embar hanigas.

[29] Van vvclastharpa6Manniko fiftein muddi rockon. ende tue [30] muddi melas. endeen embar hanigas.

[31] Van galmeri Gelderik fiftein muddirockon. ende tue muddi melas.

[32] Van hgumorodingtharpaIbikin tuentich muddi rockon. ende [33] [uan1 themo ammahteto Iecmare sculon geldan uppan thena spikare [34] .xxx.ii.hóua7.]

[35] Van marastharpa Fadiko ende Thiederik iro ia|uuethar tuentich [36] muddi rockon. ende tue muddi melas.[37] [Adistharpa. Lieuiko. tuentich muddi rockon. ende tue8 muddi melas9.]

 

 1 Gallée unrichtig v statt u.   2 Nach themo ist ein tharpa (nicht tharpe wie Gallée) ausradiert.   3 Lies Azelin uan.   4 Gallée unrichtig Uokko.   4a 37, 14 en kó der Handschrift in ena kó zu bessern.   5 Das erste d aus angefangenen n (?) korrigiert.   6 Gallée unrichtig Uuclastharpa.   7 Das hier in Klammern Stehende ist auch in der Handschrift von Klammern umschlossen und zudem unter Strichen; es ist hier fehlerhaft eingetragen worden und am Rand wiederholt;vgl. S. 38, 26f. unten.   8 Über der Zeile hinzugefügt und durch einen Punkt hierher verwiesen.   9 Das zwischen Klammern Stehende ist am Fuß der Seite geschrieben und durch h’ hierher verwiesen.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 38

 

(Handschrift M, f. 7a) [Wadstein 38,1] [1] Van Bunistharpa Azeko tuentich muddi rockon. ende tue[2] muddi melas.

[3] Van winikingtharpa Meinciko tuentichmuddi rockon. ende [4] tue muddi melas. ende tue embar hanigas.

[5] Van winkila Aluerik tuentich muddi rockon. ende tue muddimelas.

[6] Van glano Saleko eń malt rockon.

[7] Van saŕbikieHoio tuentich muddi rockon.

[8] Van katingtharpa. Liudikotuentich muddi rockon.

[9] Van huttingtharpa Dudo tuentichmuddi rockon. ende tue [10] muddi melas. ende eń embar hanigas1. ||

(f. 7b) [11] Van thánkilingtharpa Wizel tuentich muddi rockon. endetue [12] muddi melas. Ammoko an themo seluon tharpa fifteinmuddi rockon. [13] ende tue muddi melas.

[14] Van lacbergon Athel|brath tuentich muddi rockon. Azelin2 an [15] themo seluon tharpatue malt rockon.

[16] Van thúrnithi Reinzo en malt rockon. endeen gerstin malt [17] gimalan.

[18] Van ásthlacbergon Mannikin tueembar hanigas.

[19] Van bergtharpa Aldiko fiftein muddi rockon.ende [tue muddi [20] melas3.]

[21] Van lembikie Azelin thritich muddihauoron. ende tein muddi [22] gerston.

[23] Van popponbikie Azo thrugerstina malt gimalena.

[24] Van holthuson Frethiger en gerstinmalt gimalan ende fiftein [25] muddi gerston.

[26] [Fan4 themo ambahte to iukmare sculon geldan uppan thena [27] spicare5 xxx.ii.6 houa.7,8]

 

[28] Thit sint thie sculdi the themo meira seluamo an thena hof [29] gel|dad.

[30] Van smithehuson Azeko elleuan muddi gerstinas maltes9.Bet[31]tikin an themo seluon tharpa tue muddi huetes.

[32] Van galme|re Gelderik enon scilling penningo.

[33] Van vvclestharpa Man|niko eleuen muddi gerstinas maltes.

[34] Van marastharpa Sigerfiftein muddi rockon. Tiederik an [35] themo seluon tharpa enon scil|ling rockon. (Absatz) [36] Van adistharpa Lieueko en malt gerston. [37] Vanbunistharpa Sizo en malt rockon10.

[38] Van peingtharpa Boio fier|tein muddi rockon. ende fiertein [39] muddi gerston.

 

1 Die am Rand von S. 7a stehende Summierung findet sich hier unten Z. 26,27.   2 Gallée unrichtig Azilin.   3 tue steht über einem unterstrichenen thru; muddi melas ebenfalls unterstrichen und das oben zwischen Klammern stehende auch in der Handschrift zwischen Klammern gesetzt.   4  Friedlaender unrichtig Van.   5 Gallée (S. 184,3. Z. v. u.) unrichtig spikare.   6 Kaum XXXIII wie Friedlaender und Gallée.   7 Gallée unrichtig v statt u.   8 Diese zwischen den Klammern stehende Summierung ist in der Handschrift längs des rechten Randes der Seite 7a geschrieben.   9 -s oben rechts am -e angehängt.   10 Gallée unrichtig rokkon.

 


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 39

(Handschrift M, f. 7b) [Wadstein 39,1] [1] Van thanki|lingtharpa. Wizel ende Ammoko iro iauuethar eleuan [2] muddimaltes.

[3] Van katingtharpa ses muddi rockon. Willezo

[4] uanhlacbergon Azelin tuena scillinga penningo. ende ses [5] muddirockon.

[6] Van Westonuelda énon scilling penningo.

[7] Vanalfstide Azo sestein penninga.

[8] Van bergtharpa Aldiko ele|uan muddi maltes.

[9] Thit is thiu scult1 the uan2 houaseluamo geldid te uaretharpa3 [10] uppan spikare ses muddi gersti|nas maltes gimalenas. ende ena kó. [11] ende en kosuín. ende en suín.sestein penningo uuerth. ende tue suín [12] iro iauuethar ahtepenningo uuerth ende thru malder kieso. ende [13] tuuliua4 endethriuhalf embar smeras én giscethan ende tue huíte. [14] endefieri ende thritich hónero. ende tue muddi eiro.

[15] Van iauue||(f. 8a)thero stida Iecmare ende uan faretharpa ses sculd[16]lakanthen Iungeron. [17] Van Fariti Wizo ses muddi5 rockon.

[18] Van hringie Athelword tein muddi rockon. ende tue muddimelas.

[19] Van aldontharpa Hizel6 en malt rockon.ende tue muddi [20] melas. Aliko an themo seluon tharpatue malt rockon.

[21] Van wersetharpa7. Tizo en maltrockon. ende tue muddi melas.

[22] Van lingeriki Vadiko8 fif|tein muddi rockon. Meinhard an [23] themo seluon tharpa endeFaderiko iro iauuethar tuentich muddi [24] rockon. ende tuemuddi melas.

[25] Van uuestarbikie Liefheri fiftein muddirockon. ende eń embar [26] hanigas. ende an themo seluon tharpa9en malt rockon.

[27] Van hramisitha10 Thiezo tein muddi11 rockon.uan12 themo [28] seluon tharpa. Azelin thritich muddi hauoron.

[29] Van Asithi Aliko thritich muddi hauoron.

[30] Van holthusonEkkiko thritich muddi hauoron. Tiziko an [31] themo seluontharpa eń linen lakan that si fiftein penningo uuerth.

[32] Van thiediningtharpa. Abbo fiertein13 muddi rockon.Buno [33] an themo seluon tharpa siuontein muddi rockon.

[34] Vanhékholta Gelderad siuontein muddi rockon. ende eń am[35]mahtlakan thero samnanga. Boso an themo seluon tharpaahte [36] muddi rockon.

[37] Van asscon Lihtger tue embar hani|gas. ende eń ammahtlakan [38] thero samnanga.

[39] Van hollaIezo tue embar hanigas.

1 Vor scult ein Wort teilweise ausradiert, das mit s anfängt und mit t endet.   2 Gallée unrichtig v statt u.   3 Gallée unrichtig Varetharpa.   4 Gallée unrichtig tuuliva; hier fehlt die Angabe des Objekts.   5 Darüber .i. solidum.   6 Gallée unrichtig Hïzel.   7 Gallée unrichtig Uu- statt w- (oder vv-).   8 Gallée unrichtig U statt V.   9 Hier oder nach dem vorhergehenden ende ein name übersprungen.   10 h- links über dem r geschrieben.   11 Gallée unrichtig mnddi.   12 Gallée unrichtig v statt u.   13 Darüber xv geschrieben.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 40

 

(Handschrift M, f. 8a) [Wadstein 40,1] [1] Van adistharpa Lanzikintue embar hanigas.

[2] Van wide1 Geliko tue embarhanigas.

[3] Van grupilinga Wizel tuentich muddirockon uppan spikare [4] ende thero abdisscon tein muddirockon. ende eń embar hanigas.

[5] Van Fariti Wizo sesmuddi rockon te mezaskapa an thie [6] uuinfard.

[7] Thit sint thie sculdi the thamo meira seluamo an thanhof geldid.

[8] Van buruuide Reinzo sestein penningo.

[9] Van thiedelingtharpa Abbo sestein penningo

[10] Vanuuartera Boso enon scilling penningo.

[11] Van kleikampon || (f. 8b) ses penningo.

[12] Van muschinon Ekkiko enon scilling penningo.

[13] Van ékholta Thiedorik en scultlakan.

[14] Van aldontharpa. Hi|zel eń malt rockon.

[15] Van uuersitharpa Rotholf fiftein mud|di rockon. Williko an [16] themo seluon tharpa nigon muddi mal|tes.

[17] Van sinegan Fastmar sestein muddi rockon.

[18] Van uare|tharpa Alikin eń malt rockon. ende eń malt gerston. [19] Mein|zo an themo seluon tharpa eń malt rockon.

[20] Van húndes|aŕse Odo1 fier muddi rockon.

[21] Van merschbikie ahte pennin|ga.

[22] Van bunistharpa Azeko en malt rockon.

[23] Van FaritiLiudulf fiftein penninga.

[24] Van Farethorpa Heriman sespenninga.

[25] An thena hóf to Iekmare2 themo meira selua|mo.

[26] Van gumorodingtharpa Ibikin en malt hauoron.

[27] Van huttingtharpa Dudo tein penninga.

[28]                                                                                             Explicit.

 

                                                                ————————

 

[29] Fan themo ammahte to faretharpa sculon geldan uppanthena [30] spikare. xxiii. houa.

 

[31] Thit sint thie ofligeso fan themo houa to beuarnon3thuringas [32] ende bauon thes helegon auandas te nigemogera tue gimalena malt [33] gerstina. ende eń gód suín. endefier muddi rukkinas bradas. ende [34] eht te sancte petro|nellun missa also uilu. Ende ses muddi huetes te [35] therodachuilekon preuenda4.

[36] Thit sint thie ofligeso uan then foreuuerkon.

 

1 Zwischen d und e ein ausgewischtes, fast wie ein o aussehendes e, das zum Zeichen des Wegfalls oben und unten mit Strichen versehen ist.   2 Gallée unrichtig Oda.   3 k aus h (?) korrigiert.   4 Zwischen e und u ein halb verwischtes r.   5 Gallée unrichtig v statt u.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 41

 

(Handschrift M, f. 8b) [Wadstein 41,1] [1] Van Gést|huuila ahte gerstina malt gimalena ende tue malt [2] hue|tes. ende nigon1 suín.

[3] Ende uan telgei fier gerstinamalt gimalena. ende eń malt2 [4] huetes. ende fier goda suín.

[5] Endeuan Elislare tue gerstina malt gimalena3. ende sesmuddi [6] huetes. ende ena kó ende tue embar hanigas thitscal he giuan te [7] thero missa sancti bartholomei4.

[8] Ende uan dunningtharpa tue gerstina malt gi|malena. ende eń [9] malt huetes. ende tue suin iroiauuethar sestein penningo uuerth.

[10] Van berni|uelda fif gerstina malt gimalena. ende fiftein muddi || (f. 9a) [11] huetes. ende fif goda suín.

[12] Ende uan Berga thru muddihuetes. ende eń gerstin malt gi[13]malen. ende eń gód suín.

[14] Endeuan Radistharpa tue gerstina5 malt gimalena. ende fier[15] muddi huetes. ende fier muddi rockon gibák6. ende eń gódsuín.

[16] Ende uan7. Gestlan tue gerstina malt gimalena endefier8 [17] muddi huetes. ende eń suín. Themo timmeron fier muddigerston.

 

[18] Thit is fan themo ambehta uan themmo uehusafiftehalf punt [19] rockon. ende thriutein muddi rockon.

[20] Vanthemmo9 ambehta aningeralo. siuothohalf malt rockon.

[21] Vanthemmo9ambehta te balohornon. tue malt rockon.

[22] Vanthemmo9ambehta iukmare. tue punt rockon. ende nigen[23]tein muddirockon.

[24] Van themo ambehta te uaretharpa. eń punt rockon.

 

[25] Thes sindon allas áhte punt. ende fiertein muddi.Gerstinas10 [26] maltes.

 

[27] Te aningeraló Waliko sestein muddi11gerstinas maltes.

[28] Te pikonhúrst. Eliko tue muddi rockon.ende fier muddi gerston.

[29] Te stenbikie. Eilo tue muddi hue|tes.

[30] Te hasleri. Hiddikin tue muddi huetes.

[31] IN natiuitate domini .x. modios ordei. te themo hereston altáre. [32] etxvi. modios auéne. Ad diuidendum singulis altaribus. Ende tharto[33] viiii. ruslos. ande ses .x. stukkie flesscas. de coquína. et archi|presbitero12 [34] en malt gerston. et in quadragesima .vi. modios ordei.ende tue malt [35] gerston. themo hudere. et decáno13 semel inanno .viii. modios auene.

1 Vor nigon ist g(o) ausradiert.   2 Über huetes hinzugefügt.   3 Vor gimalena ein g ausradiert.   4 Diese und die drei folgenden Zeilen sind nicht bis zum Ende geschrieben (der nicht beschriebene Teil durch eine Linie umzogen), weil hier die Schrift der vorhergehenden Seite stark durchgedrungen ist.   5 Vor gerstina ein durchgestrichenes malt.   6 Heyne, ergänzt dies gibakenas.   7 Gallée unrichtig v statt u.   8 Gallée unrichtig uier.   9 Gallée unrichtig themo.   10 Vor Gerstinas, am Ende der vorhergehenden Zeile, gere (halb) ausradiert.   11 Zwischen d und i ein Klecks, wo ein durchgestrichenes o zu stehen scheint.   12 Gallée unrichtig archipresbïtero.   13 Über dem e, wie es scheint, ein Akcent ausradiert.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 42

 

(Handschrift M, f. 8b) [Wadstein 42,1] [1] In uigilia natiuitate1 domini. en malt. tothen hiuppenon2. ande [2] to themo3 ingange thero iunger(e)no4 enhalf5 malt.

[3] Ande to sancti6 iohannis missa. fier modios.

[4] ande to octaba7 domini et in ępiphania8 domini similiter.

[5] et in anniuersario sancte thiedhildato then neppenon. ande to [6] then almoson. ande to themo ingangathero iungereno tue malt.

[7] Et in cena domini. Et inuentione sanctecrucis. et in festiuitate [8] omnium sanctorum similiter. [9] Ande te theroliethmissa fier modios maltes. te themo inganga [10] theroiungereno.

[11] Ande alle thie sunnondage. an therouaston. ande te sancte [12] marion missa an thero uaston. Similiter. ||

(f. 9a) [13] Ande te paschon en half malt then iungero9 integande9a. Ande[14] te then neppinon eń ful malt.

[15] Ande te thero cruceuuikon.eń malt. then iungeron integande9a.

[16] Ande te pinkieston eńhalf malt integande then iungeron. ande [17] en malt to then nep|pinon. [18] In festiuitate sancti bonifacíí. en half malt then iungeron inte|gande9a.

[19] Ande te thero missa sancti uiti. fier modios then iungeron inte|gande9a.

[20] Ande te then middensumera. vi modios integande. 9a  theniungeron.

[21] Ande te thero missa sancti petRi Similiter10.

[22] Ande tethen misson bethen sancte Marie similiter.

[23] Cosme et damiani.fier modios. te themo inganga. Antoníí et [24] Eoníí similiter.

[25] In festiuitatesancti michahelis .vi. modios te themo inganga.

[26] In aduentu domini fier modioste themo inganga.

[27] In festiuitate sancte11 andreę. similiter. et in festiuitatesancti [28] maximi similiter.

[29] Themo koka. fier modios gerston.

[30] Themobakkera12 similiter.

[31] Then maleren .vi. modios auene. te than quer|non endi fier modios [32] gerston fan themo necessario.

[33] Themo malte|re .vi modios auene te than quernon. uan then [34] suegeron13. en modium ger|ston Ekgon14.

[35] Then kietelaren .xviii. modios gerston.

[36] Te sancti Lau|rentíí missa. endi te sancti mathei missa. vi modios [37] gerston thenthienestmannon.

[38] Themo uuidera. en modium gerston. te iuctamon.

1 Gallée ändert dies stillschweigend in natiuitatis.   2 i oben zwischen h und u hinzugeschrieben; l. hnippenon (Heyne).   3 Gallée S. 366 unrichtig themmo.   4 Das zweite e aus o korrigiert (?).   5 I aus i oder dem ersten Strich von u korrigiert.   6 Davor ein durchgestrichenes sancti.   7 Gallée unrichtig octavo.   8 Der Strich unter e von ungewöhnlicher Form.   9 Gallée ändert dies stillschweigend in iungeron.   9a 42.13, 15, 16, 18, 19, 20 (lies) in te gande.   10 Handschrift zunächst Similtter.   11 Gallée ändert dies ohne Bemerkung in sancti.   12 Das erste k aus a korrigiert; vor dem Wort ein b (?) ausradiert.   13 Zwischen e und g ein halb ausradiertes g.   14 Dieses Wort gehört nach Friedlaender wahrscheinlich hinter das kurz vorher befindliche uan, wo ein Name zu fehlen scheint; E scheint aus t korrigiert zu sein.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 43

 

(Handschrift M, f. 9b) [Wadstein 43,1] [1] Te than gimenon alemoson. te thero missa sancte marie .vi modios[2] ende eht te sancte marion missa similiter.

[3] Thesas alles sundonen endi xxx malto. Fierthehalf malt rockon [4].iiii.or 1 modii anethe retton prauendi. ande .v. malt. ande .v. modii [5] to themomeltetha. si sestein penningo uuerth.

 

[6] Thit hared to thero uuinuard2.

[7] Van Liuzikon the|mo ammahtmanne3 tuulif kiesos. ende tuena [8] penningaende tue muddi rukkinas melas. ende fier penning uuerth[9] pikas.

[10] Van aningeralo ende uan baleharnon thie am|mathman4 iro [11] iauuethar also uilo.

[12] Van iukmare Hizelende Iezo uan faretharpa iro iauuethar [13] enonpenning. ende eń muddi rukkinas melas. ende ses kiesosEnde [14] Iezo uan faretharpa giued éno siuon gi||(f. 10a)bunt kopanbandi ende allero [15] gibundo huilik hebbasiuon bandi.

 

[16] Thit is thiu asna. thiu to themo bathahored.

[17] De balohornon. Van elmhurst. enon scilling.

[18] Deaningeralo. Van hotnon enon scilling.

[19] Van themoammathta5 te iukmare. Van lacbergon enon hal[20]uon6scilling.

[21] ende uan themo ammathta5 te uaretharpa. Vanuarete enon[23] haluon scilling.

[24] De thurronbokholta. uanthemo ammathta5 to then uehus .ii. [25] scillinga.

[26] Van Ikiconammathte7 scal cuman xxviii. bracia ordei et xxviiii. [27] etvi. modii gimeltas maltes. ordei.

 

[28] Hęc est summa tocius prebende. que singulis annis ingranario [29] communi. in hordeo et in auena reponitur. dum plenepersoluitur. [30] Ducenta ac xxvi. bracia de ordeo. et centum ac.iiii.or 1 bracia de [31] auena. et vi. modii. Fiunt ex toto .ccc. et xxxbracia. Ex his enim [32] si unicuique mensi per decem menses .xx. braciaattribuuntur .cc. ad [33] prebendam dispensantur .c. et lx.ordeacea. et xl. auenina. et remanent [34] .c. et xxx bracia.et vi. modii lxx. ordeacea et lx. ac iiii. auenina [35] et .iiii. modii et vi. modiide auena8.

 

                                                                   ———————

 

(f. 11a) [36] De imperatore NOStRO. HeinRiko. Hebo .vi. lakan.Natrik .v. [37] Vuerin9 .i. lakan .i. cottum10 Gero .iiij.Hodi .iii Imma .ij. De

1 Handschrift iiii. (über iiii kleines or).   2 Gallée unrichtig uuinvard.   3 h aus n (?) korrigiert.   4 Gallée unrichtig ammahtman.   5 Friedlaender unrichtig ammahta.   6 h über einem halb ausradierten s.   7 Friedlaender unrichtig ammahte.   8 Handschrift de auenaet vi. modii.; die Worte der letzteren Zeile werden aber durch Striche vor de auena gewiesen. Die unterste Hälfte des 10. Blattes ist weggeschnitten und die Seite 10b unbeschrieben.   9 Gallée unrichtig U- statt V-.   10 Heyne und Gallée unrichtig cot (ohne Punkt dahinter).


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 44

 

(Handschrift M, f. 11a) [Wadstein 44,1] [1] bernhardo .v. solidos. Deuualdmoda .i. solidum .i. lakan. Thuring [2] et bauika.vi. solidos. Imiza .ii. solidos. Hacika .xvi. denarios. [3] Deabbatissa .xx.iii. denarios. Abbiko .xviii. modios ordei .viii.[4] denarios. Attika .xviii. modios. de sale. Helmburg .ii. solidos.[5] Meinuuord duos solidos. Meinzo .ii. solidos. Hoburg .xv.modios [6] sigili1 .xiiii.denarios. Gisla .ii. solidos. Vuiking2 .xx.denarios. [7] Diddo .ii. solidos. Hecbrath .ii. solidos. Bettika .xvi.denarios. Odheri [8] .v. denarios. Abbiko .v. solidos. Vbbo2 .ij. solidos.Geliko .iii. solidos. [9] Vbbi2 .ij. solidos. Hibbo .vi. denarios .ij. solidos.Aluing .iiij. solidos. [10] Boiko .ij. solidos. Abbi .i. solidum. Lanzo.xx. denarios. Tiazo [11] .xvi. denarios. Hoiko similiter. Coding|tharp .i. solidum. Tiazo [12] .xviij.3 denarios. Huno .iij. solidos.Vuenni2 .ii. solidos. Liudzo [13] .ij. solidos. Rikizo4 similiter.Boso .x. denarios. Boio .i. solidum. [14] Imiko .xviii. denarios. Adiko .i.solidum. Razo. et5 .x. denarios [15] ii. solidos. Vuecil2 similiter.Hillo .xvi. denarios. Tilo .i. solidum. [16] Eilico .x. denarios. Benno .vi.denarios. Seger .vi. modios ordei [17] .iiii. denarios. Ibiko .i. solidum. Habo.ij. solidos. Siman .iii. [18] solidos. Etzo. similiter6 .iiii.or 7 denarios. Boli.viii. denarios. Abbo [19] .iii. solidos .iiii. denarios. Benno .iiii. solidos .viii.denarios. Tidiko [20] .ii. solidos. Heribarand8 .i. solidum. Tiazo .i. solidum.Vuenniko2 [21] .i. solidum. Sicco .v. denarios. Eizo .viij. denarios. Man|niko .viij. [22] denarios. Vuicger2 .xx. modios ordei. Liuppo .vi. denarios.Aliko [23] .vi. denarios. Hedi .i. solidum. Abbo .i. modium ordei. Liudciko [24] .xv.modios. auene9 .viij. denarios. Atcilin .x. denarios. Hesiko .vi. [25] modios ordei.Buniko .v. modios ordei. Canco. i. denarium. Hatzico10 [26] .v. denarios. Elikin.x. modios auene9. Lieuico9 .xviij. denarios. [27] Hoiko .xxxij. modiosordei. Eila iij. solidos. frater baldingi .viij. [28] denarios. Hillo .x. denarios.Lieuikin .vi. denarios. Tidiko .xv. [29] denarios. ||

(f. 11b) [30] Hoc est totoum .xvi. saga. et xxii. saga et sex librę.

 

[31] De astonuelda. Gieliko. et Liuzako11 .i. solidum. h’.

[32] De marki|ligtharpa12. Hildimar .xx. modios ordei. h’. uil’.13

 

[33] De pikanhurst. Atzilin .xx. modios ordei .i. tritici .i. mellis.

 

1 Oder sigali, siguli (vgl. Du Cange, Gloss.); zwischen i und g ist ein n ausradiert. Gallée: „soll wol heissen siliginis“; (S. 191, 10löst indessen Gallée ohne Bemerkung dieselbe Abkürzung als sigili auf).   2 Gallée unrichtig U- statt V-.   3 Davor ein v ausradiert.   4 Gallée unrichtig Riziko.   5 Auf Rasur.   6 Hier fehlt vielleicht ein Name. Oder ist der Sinn dieser: Etzo .iii. solidos .iiii denarios? vgl. bei Abbo nächste Zeile.   7 Handschrift .iiii. (über .iiii. kleines or).   8 Handschrift Heribrand (über dem Raum zwischen b und r ein kleines a); das a zwischen r und n auf Rasur (und stark ausgewischt); vielleicht gehört das oben stehende a eigentlich hierher als korrigiert der ursprünglich fehlerhaften Schreibung, so dass also Heribrand zu lesen wäre.   9 Gallée unrichtig v statt u.   10 Gallée unrichtig Hatziko.   11 Gallée unrichtig Liuzaka.   12 Heyne, bessert dieses in Markilingtharpa.   13 Friedlaender vermutet, dass uil’ auf Missverständnis eines ii d’ (= denarios) im Orginal beruhe und dass dieses ii d’ durch h’ an diese Stelle des h’ der vorhergehenden Zeile gewiesen wird. Zwischen diesem Abschnitt und dem folgenden sind in der Handschrift zwei Zeilen leer.


FK, FM = Freckenhorster Heberegister

Wadstein, E., Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler, 1899, 45

 

(Handschrift M, f. 11b) [Wadstein 45,1] [1] De hanhurst. Isiko .xx. modios ordei.

[2] De berison. Tieziko .xx.modios ordei.1

 

[3] De Liudburga. Eilhard .v. siclos. et .iiii.or 2 denarios. etunum

[4] porcum saginatum. et xenium .iii. modios auenę. Tiezo.iij.3 siclos.

[5] et xenium .ii. modios auene. [Odrad .xxx. denarios. et xenium .ii.

[6] modios auene4.] Eiliko. iii. siclos.

[7] De sickon5.xv. modios sigili.6

 

1 Zwischen diesem Stück und dem folgenden ist in der Handschrift ein unbeschriebener Raum von sieben Zeilen.   2 Handschrift .iiii. (über .iiii. kleines or).   3 Gallée unrichtig II.   4 Das zwischen Klammern Gesetzte ist quer am Rand geschrieben und durch h’ hierher gewiesen.   5 Handschrift sickon. (über n ein Strich).   6 Unten etwa ein Drittel der Seite unbeschrieben.


Gen = Genesis

 

Genesis = Gen

 

Überlieferung: Rom, Biblioteca Vaticana Pal. lat. 1447 f. 1a, 2a-2b, 10b

Die nach einem Eintrag auf Blatt 3a 1479 der Dombibliothek Mainz gehörige, 1623 von Heidelberg nach Rom gebrachte Handschrift ist eine komputistische Sammelhandschrift mit astronomisch-kalendarischen Aufzeichnungen, unter denen sich ein Mainzer Kalendarium mit darin eingetragenem Magdeburger Kalender befindet. Sie stammt aus Mainz und wurde im frühen 9. Jahrhundert geschrieben. Auf den Blättern 1a, 2a-2b, 10b sowie 27a und 32b enthält sie volksprachige, 1894 von Karl Zangemeister aufgefundene Eintragungen. Sie wurden etwa im dritten Viertel des 9. Jahrhunderts von zwei (oder drei) verschiedenen Schreibern geschrieben. Die Schrift ist keine lokalisierbare Buchschrift, sondern ist durch die Urkundenschrift beeinflusst, weshalb unbeschadet der Beziehungen der Handschrift zu Mainz, der Eintragungsort unbekannt bleibt.

Inhalt: Neben den auf den Blättern 27a und 32b eingetragenen Versen 1279 bis 1358 des Heliand enthält die Handschrift die schon von Schmeller 1840 und Sievers (1875) vermutete volkssprachige alttestamentliche Bibeldichtung, deren im wesentlichen getreue Übersetzung von Teil 1 in das Altenglische in Teil B der altenglischen Genesis (Vers 790-817) bereits bekannt war (Oxford, Bodleian Library Jun. 11).

Die drei Stücke der alttestamentlichen Stabreimdichtung (Genesis) umfassen insgesamt 337 Verse (mit schätzungsweise 2500 Wörtern), von denen die Verse 1 bis 26 Adams Rede, die Verse 27 bis 150 Kain und die Verse 151 bis 337 den Untergang Sodoms betreffen. Quelle der Dichtung ist demnach zunächst die Vulgata (und vermutlich auch zugehöriger Kommentare), doch behandelt der Verfasser seine Quelle mit so großer Freiheit, dass an unmittelbaren Vorbildern nicht viel Sicheres ermittelt werden konnte.

In allen wesentlichen Formmerkmalen ist die wegen ihres Gegenstandes als Genesis bezeichnete Bibeldichtung sehr eng mit dem Heliand verknüpft. Ihr Verfasser ist aber vom Verfasser des Heliand verschieden und grenzt sich von ihm durch einzelne Eigenständigkeiten ab (Sprachgebrauch, Wortschatz, Wortbedeutung, Wiedergabe von eo auch als ia).

Die Sprache ist altsächsisch. Hinzukommen altrheinfränkische Formen.

Ausgaben: Zangemeister, K.-Braune, W., Bruchstücke der altsächsischen Bibeldichtung aus der Bibliotheca Palatina, Neue Heidelberger Jbb. 4 (1894), 205; Sievers, E., Heliand, 2. A. 1935; Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 241-256

Literatur: Schmeller, J., Heliand oder die altsächsische Evangelienharmonie II, 1840; Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1 2. A. 1932, Neudruck 1966; Bischoff, B., Paläographische Fragen deutscher Denkmäler der Karolingerzeit, Frühmittelalterliche Studien 5 (1971), 128; Köbler, G., Verzeichnis der Übersetzungsgleichungen von Heliand und Genesis, 1972; Belkin, J./Meier, J., Bibliographie zu Otfrid von Weißenburg und zur altsächsischen Bibeldichtung (Heliand und Genesis), 1975; Kartschoke, D., Bibeldichtung, 1975; Taeger, B., Altsächsische Genesis, Verfasserlexikon, Bd. 1 1978, 313; Bischoff, B., Die Schriftheimat der Münchener Heliand-Handschrift, PBB 101 (1979), 161; Gysseling, M., Corpus van Middelnederlandse Teksten, 1980, 29; Taeger, B., Heliand, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 3 1981, 958; Klein, T., Niederdeutsch und Hochdeutsch im frühen Mittelalter, in: Conrad-Borchling-Preis 1981, 12ff.; Köbler, G., Altniederdeutsches neuhochdeutsches Wörterbuch, 2. A. 1982; Köbler, G., Sammlung aller altsächsischen Texte, 1987, 46, 68ff.; Die Bruchstücke der altsächsischen Genesis und ihrer altenglischen Übertragung, hg. v. Schwab, U., 1991; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 116ff.

 


Gen = Genesis

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 241

I.

S. 241 (1) [556] „Uuela, that thu nu, Êua, haªas,“ quaº Âdam,    „uªilo gimarakot

(2) [557] unkaro selªaro sîŒ.    Nu maht thu sehan thia suarton hell

(3) [558] ginon grâdaga;    nu thu sia grimman maht

(4) [559] hinana gihôrean, nis heªanrîki

(5) [560] gelîc sulîcaro lôgnun:    thit uuas alloro lando scôniust,

(6) [561] that uuit hier thuruh unkas hêrran thank    hebbian muostun,

(7) [562] thar thu them ni hôrdis,    thie unk thesan haram giried,

(8) [563] that uuit uualdandas    uuord farbrâkun,

(9) [564] heªankuningas.    Nu uuit hriuuig mugun

(10) [565] sorogon for them ºa,    huuand he unk selªo gibôd,

(11) [566] that uuit unk sulic uuîti    uuardon scoldin,

(12) [567] haramo mêstan.    Nu thuingit mi giu hungar endi thrust,

(13) [568] bitter balouuerek,    thero uuâron uuit êr bêºero tuom.

(14) [569] Hû sculun uuit nu libbian,    efto hû sculun uuit an thesum liahta uuesan,

(15) [570] nu hier huuîlum uuind kumit    uuestan efto ôstan,

(16) [571] sûºan efto norºan?    Gisuuerek up drîªit,

(17) [572] kumit haglas skion    himile bitengi,

(18) [573] feriº forº an gimang    (that is firinum kald):

(19) [574] huîlum thanne fan himile    hêto skînit,

(20) [575] blîkit thiu berahta sunna:    uuit hier thus bara standat,

(21) [576] unuuerid miº giuuâdi:    nis unk hier uuiht biforan

S. 243 (22) [577] ni te skadoua ni te scûra,    unk nis hier scattas uuiht

(23) [578] te meti gimarcot:    uuit hebbiat unk giduan mahtigna god

————————

1 uuela bis eua ha über die Zeile, ausgewischt Handschrift    uuela that vgl. Ries, Z. f. d. A. 40, 279.   2 Handschrift sean.   3 vgl. Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 17, Jellinek, A. f. d. A. 29, 33, Roediger, Herrigs Archiv III, 190, Pauls, PBB 50, 149.   5 Handschrift gelihc.   10 Braune las the und vermutete dafür thes; vgl. Kögel S. 9, Siebs, Z. f. d. P. 28, 138, Symons Z. f. d. P. 28, 146. Handschrift uuand.   10 und 11 Handschrift hunk     Handschrift gibood.   12 Handschrift mi Braune] mn (oder mi mit Punkt dahinter, so Doane)    thrust (vgl. Krogmann, Nd. Jb. 81, 11) Handschrift] thurst Braune.   14 Handschrift liatha.   16 vgl. Ries, Z. f. d. A. 40, 280. Handschrift upp.   17 skion vgl. Århammar, Nd. Jb. 87, 24, skur statt skion Holthausen, Beiblatt z. Anglia 45, 131.   18 forst wie ags. 809 Krogmann, Nd. Jb. 81, 11.   20 Handschrift berahto.   21 Handschrift biuoran.   22a Holthausen, Z. f. d. A. 39, 52, Siebs, Z. f. d. P. 28, 138] Handschrift ni te sk. .... a ni (?); Schmidt, Z. f. d. A. 40, 128: ni te skerema ni te scura, ebenso Wilhelm, Münchner Museum 1, 214, Doane (auch S. 63)    scattas vgl. ags. Gen. 503 und Braune, PBB 35, 272, zuletzt Doane.   23 Handschrift ebbiat    Handschrift mathigna.


Gen = Genesis

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 243

S. 243 [579) [24] uualdand uurêºan.    Te huî sculun uuit uuerºan nu?

[560) [25] Nu mag mi that hreuuan,    that ik is io bad heªanrîkean god,

[561) [26] uualdand th .......................................

——————

26 Vgl. Huisman, AbäG 12, 1-8.

 

(Protoparentum lapsus)

(Genesis 3, 1) Sed et serpens erat callidior cunctis animantibus terrae quae fecerat Dominus Deus. Qui dixit ad mulierem: Cur praecepit vobis Deus ut non comederetis de omni ligno paradisi? (3, 2) Cui respondit mulier: De fructu lignorum, quae sunt in paradiso, vescimur: (3, 3) de fructu vero ligni quod est in medio paradisi, praecepit nobis Deus ne comederemus, et ne tangeremus illud, ne forte moriamur. (3, 4) Dixit autem serpens ad mulierem. Nequaquam morte moriemini. (3, 5) Scit enim Deus quod in quocumque die comederitis ex eo, aperientur oculi vestri et eritis sicut dii, scientes bonum et malum. (3, 6) Vidit igitur mulier quod bonum esset lignum ad vescendum, et pulchrum oculis, aspectuque delectabile: et tulit de fructu illius, et comedit deditque viro suo, qui comedit. (3, 7) Et aperti sunt oculi amborum, cumque cognovissent se esse nudos, consuerunt folia ficus, et fecerunt sibi perizomata. (3, 8) Et cum audissent vocem Domini Dei deambulantis in paradiso ad auram post meridiem, abscondit se Adam et uxor eius a facie Domini Dei in medio ligni paradisi. (3, 9) Vocavitque Dominus Deus Adam, et dixit ei: Ubi es? (3, 10) Qui ait. Vocem tuam audivi in paradiso et timui, eo quod nudus essem, et abscondi me. (3, 11) Cui dixit: Quis enim indicavit tibi quod nudus esses, nisi quod ex ligno de quo praeceperam tibi ne comederes, comedisti? (3, 12) Dixitque Adam: Mulier, quam dedisti mihi sociam, dedit mihi de ligno, et comedi. (3, 13) Et dixit Dominus Deus ad mulierem: Quare hoc fecisti? Quae respondit: Serpens decepit me, et comedi.

(Inflictio poenae atque promissio redemptionis)

(Genesis 3, 14) Et ait Dominus Deus ad serpentem: Quia fecisti hoc, Maledictus es inter omnia animantia, et bestias terrae: Super pectus tuum gradieris, et terram comedes cunctis diebus vitae tuae. (3, 15) Inimicitias ponam inter te et mulierem, Et semen tuum et semen illius: Ipsa conteret caput tuum, Et tu insidiaberis calcaneo eius. (3, 16) Mulieri quoque dixit: Multiplicabo aerumnas tuas, et conceptus tuos: in dolore paries filios, et sub viri potestate eris, et ipse dominabitur tui. (3, 17) Adae vero dixit. Quia audisti vocem uxoris tuae, et comedisti de ligno, ex quo praeceperam tibi ne comederes, maledicta terra in opere tuo: in laboribus comedes ex ea cunctis diebus vitae tuae. (3, 18) Spinas et tribulos germinabit tibi, et comedes herbam terrae. (3, 19) In sudore vultus tui vesceris pane, donec revertaris in terram de qua sumptus es: quia pulvis es et in pulverem reverteris. (3, 20) Et vocavit Adam nomen uxoris suae, Heva: eo quod mater esset cunctorum viventium. (3, 21) Fecit quoque Dominus Deus Adae et uxori eius tunicas pelliceas, et induit eos: (3, 22) Et ait: Ecce Adam quasi unus ex nobis factus est, sciens bonum et malum: nunc ergo ne forte mittat manum suam, et sumat etiam de ligno vitae, et comedat, et vivat in aeternum. (3, 23) Et emisit eum Dominus Deus de paradiso voluptatis, ut operaretur terram de qua sumptus est. (3, 24) Eiecitque Adam: et collocavit ante paradisum voluptatis cherubim, et flammeum gladium, atque versatilem, ad custodiendam viam ligni vitae.


Gen = Genesis

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 244

 

II.

S. 244 (26) [615] .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 

(27) [616] Sîºoda im thuo te seliºon,    habda im sundea giuuaraht

(28) [617] bittra an is bruoºar;    liet ina undar baka liggian

(29) [618] an ênam diapun dala    drôruuôragana,

(30) [619] lîªas lôsan,    legarbedd uuaran,

(31) [620] guman an griata.    Thuo sprak im god selªo tuo,

(32) [621] uualdand miº is uuordun    (uuas im uurêº an is hugi,

(33) [622] them banan gibolgan),    frâgoda huuar he habdi is brôºar thuo,

(34) [623] kindiungan guman.    Thô sprak im eft Kain angegen

(35) [624] - habda im miº is handun    haramuuerek mikil

(36) [625] uuamdâdiun giuuaraht,    thius uuerold uuas sô suîºo

(37) [626] besmitin an sundiun - :    „Ni ik thes sorogun ni scal,“ quaº he,

(38) [627] „gômian huar hie ganga,    ni it mi god ni gibôd,

(39) [628] that is huerigin hier    huodian thorofti,

(40) [629] uuardon an thesaro uueroldi.    Uuânde he suîºo,

(41) [630] that he bihelan mahti    hêrran sînum,

(42) [631] thia dâdi bidernian.    Thuo sprak im eft ûsa drohtin tuo:

(43) [632] „All haªas thu sô giuuerekot,“ quad he,    „sô thi ti thînaro uueroldi mag

(44) [633] uuesan thîn hugi hriuuuig,    thes thu miº thînum handon gidedos,

—————————

26 Braune liest nach uualdand noch th, Piper (wahrscheinlicher) al, das er zu allaro uueroldes ergänzt.   27 Handschrift Initiale; Fittenanfang, Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 86.   28 Vgl. Kögel S. 10, Ries, Z. f. d. A. 39, 301, Jellinek, A. f. d. A. 22, 352, Jostes, Lit. Rundschau f. d. kath. Deutschland 1895, 49, Pauls, Studien S. 41, Braune, PBB 32, 4, Neckel, PBB 32, 563, van Helten, Z. f. d. W. 11, 239, Bruckner S. 7   29 ênam] Hench, MLN 9, 496, glaubt, dass enum dastehe; Schlüter, Nd. Jb. 20, 118, glaubt, enam sei Schreibfehler für enum, Bruckner S. 13, 17.   30 Vgl. Holthausen, Z. f. d. A. 39, 53, Symons, Z. f. d. P. 28, 148.   34 Handschrift kuman; vgl. Braune zu der Stelle, Holthausen, Z. f. d. A. 39, 53, Symons, Z. f. d. P. 28, 148, Cosijn, Tijdschrift v. ndl. Taal- en Letterk. 14, 113, Schlüter, Nd. Jb. 20, 118; Krogmann, Nd. Jb. 81, 13.   37 Bruckner S. 7.   42 Zu dadi vgl. Kögel S. 19, Behaghel, Heliand und Genesis, S. 21, Bruckner S. 12.   44 Handschrift hanºon.

 

(Genesis 4, 8) Dixitque Cain ad Abel fratrem suum: Egrediamur foras. Cumque essent in agro, consurrexit Cain adversus fratrem suum Abel, et interfecit eum. (4, 9) Et ait Dominus ad Cain: Ubi est Abel frater tuus? Qui respondit: Nescio: Num custos fratris mei sum ego? (4, 10) Dixitque ad eum: Qui fecisti? vox sanguinis fratris tui clamat ad me de terra. (4, 11) Nunc igitur maledictus eris super terram, quae aperuit os suum, et suscepit sanguinem fratris tui de manu tua. (4, 12) Cum operatus fueris eam, non dabit tibi fructus suos: vagus et profugus eris super terram.


Gen = Genesis (Genesis 4, 9-11)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 244-245

 

S. 244 (45) [634] that thu uuurºi thînes bruoºar bano:    nu he bluodig ligit,

S. 245 (46) [635] uuundun uuôrig;    thes ni habda he êniga geuuuruhte te thi,

(47) [636] sundea gisuohta,    thoh thu ina nu aslagan hebbias,

(48) [637] dôdan giduanan.    Is drôr sinkit nu an erºa,

(49) [638] suêt sundar ligit;    thiu seola huaroªat,

(50) [639] thie gêst giâmarmuod    an godas uuillean;

(51) [640] drôr hruopit is te drohtina selªun    endi sagat hue thea dâdi frumida,

(52) [641] that mên an thesun middilgardun:    ni mag im ênig mann than suîdor

(53) [642] uuero faruuirikian    an uueroldrîkea

(54) [643] an bittron balodâdion,    than thu an thînun bruoºar haªas

(55) [644] firinuuerek gifremid.“    Thuo an forahtun uuarº

(56) [645] Kain aftar them quidiun drohtinas,    quaº that hie uuisse garoo,

(57) [646] that is ni mahti uuerºan uualdand uuiht,    an uueroldstundu

(58) [647] dâdeo bidernid,    „sô ik is nu mag drûbundian hugi, quaº he,

(59) [648] „beran an mînun breostun,    thes ik mînan bruoºar sluog

(60) [649] thuru mîn handmegin.    Nu uuêt ik, that ik scal an thînum heti libbian,

(61) [650] forº an thînun fiundscepi,    nu ik mi thesa firina gideda,

(62) [651] sô mi mina sundia nu    suîºaron thunkiat,

————————

45 Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 19.   46 Vgl. Ries, Z. f. d. A. 40, 280. wroht? Jellinek, PBB 45, 81, Klaeber, PBB 46, 164, Bruckner S. 45.   47 Vgl. Franck, Z. f. d. A. 40, 216; Siebs, Z. f. d. P. 29, 413, Meißner, PBB 44, 84, Jellinek, PBB 45, 79, Keck, Anglia 45, 128, Klaeber Anglia 55, 393, Bruckner, S. 17, 46.   49 Vgl. Braune, PBB 32, 16, Bruckner S. 17, Doane.   50 Handschrift uuillea.   52 thesaro Braune, zur Stelle; vgl. Kögel S. 10, Schlüter, Nd. Jb. 20, 117; zusammenfassend Doane.    manno Piper.   54 thinun Hench, MLN 9, 496] Braune liest thinum.   56 garo Braune; vgl. Hench, MLN 9, 496, Kögel S. 10.   57 Zu uualdand vgl. Schlüter, Nd. Jb. 25, 159 zu § 321.    Zu uueroldstundu vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 18, Roediger, Herrigs Archiv 111, 190.   61 thinun Hench, MLN 9, 496] Braune, Doane, Schwab, Litt., lesen thinum.

 

(Genesis 4, 9) Et ait Dominus ad Cain: Ubi est Abel frater tuus? Qui respondit: Nescio: Num custos fratris mei sum ego? (4, 10) Dixitque ad eum: Qui fecisti? vox sanguinis fratris tui clamat ad me de terra. (4, 11) Nunc igitur maledictus eris super terram, quae aperuit os suum, et suscepit sanguinem fratris tui de manu tua.


Gen = Genesis (Genesis 4, 13-15)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 245-246

 

S. 245 (63) [652] misdâd mêra,    than thîn mildi hugi,

(64) [653] sô ik thes nu uuirºig ni bium,    uualdand thie guodo,

(65) [654] that thu mi alâtas    ºas thingas,

(66) [655] tianono atuemeas.    Nu ik ni uuelda mîna triuuua haldan,

(67) [656] hugi uuiº them thînum hluttrom muoda,    nu uuêt ik, that ik hier ni mag êniga

                                                         huîla libbian,

(68) [657] huand mi antuuirikit,    sô huuat sô mi an thisun uuega findit,

S. 246 (69) [658] aslehit mi bi thesun sundeun.“    Thuo sprak im eft selªo angegin

(70) [659] heªanes uualdand:    „Hier scalt thu noh nu, quaº he,

(71) [660] „libbian an thesun lande lango huîla.    Thoh thu sus alêºit sîs,

(72) [661] mid firinum bifangan,    thoh uuillik thi friŒu settean,

(73) [662] tôgean sulic têkean,    sô thu an treuuua maht

(74) [663] uuesan an thesero uuerolde,    thoh thu is uuirºic ni sîs:

(75) [664] fluhtik scalt thu thoh endi frêºig    forºuuardas nu

(76) [665] libbean an thesum landa,    sô lango sô thu thit liaht uuaros;

(77) [666] forhuâtan sculun thi hluttra liudi,    thu ni salt io furŒur cuman te thînes hêrron sprâko,

(78) [667] ueslean thar mid uuordon thînon:   uuallandi stêt

(79) [668] thînes brôºor uurâca    bitter an helli.“

(80) [669] Thô geng im thanan miº grimmo hugi,    habda ina god selªo

(81) [670]suîºo farsakanan.    Soroga uuarŒ thar thuo gikûºit

(82) [671] Âdama endi Êuun,     inuuidd mikil,

(83) [672] iro kindes qualm,    that he ni muosta quik libbian.

(84) [673] Thes uuarº Âdamas hugi    innan breostun

(85) [674] suîºo an sorogun,    thuo he uuissa is sunu dôdan:

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64 Klaeber, Anglia 55, 394.   66 minan triuuuan Jellinek, DLZ 19, 922, PBB 45, 82.   67 hugi tilgt Meißner, PBB 44, 92, dafür huldi Holthausen, Beiblatt z. Anglia 45, 131.    Handchrift hlutrom.   68 antuuirikit uuero so huuat Franck, Z. f. d. A. 40, 216.   71 So Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 16, 61, Hofmann I 57. 178, Schwab. Litt.; Doane („triplet“)] Ries, Z. f. d. A. 39, 302 und Behaghel tilgten an thesun lande, Braune und Kögel S. 38 lango huila..   Handschrift landæ.   73 Vgl. Braune, PBB 32, 3, Jellinek, A. f. d. A. 21, 205.   75 Zu thoh vgl. Jellinek, A. f. d. A. 22, 353.   77 hluttra Braune]    Handschrift hluhtra    Franck, Z. f. d. A. 40, 218 Anm. zerlegt den Vers in zwei Verse, indem er für hêrron das Wort frahon einsetzt.   80 Handschrift Initiale; Fittenanfang, Bruckner S. 86.   81 uuarº Braune] Handschrift uuaº    Bruckner S. 18.

 

(Genesis 4, 13) Dixitque Cain ad Dominum: Maior est iniquitas mea, quam ut veniam merear. (4, 14) Ecce eiicis me hodie a facie terae, et a facie tua abscondar, et ero vagus et profugus in terra: omnis igitur qui invenerit me, occidet me. (4, 15) Dixitque ei Dominus: Nequaquam ita fiet: sed omnis qui occiderit Cain, septuplum punietur. Posuitque Dominus Cain signum, ut non interficeret eum omnis qui invenisset eum.


Gen = Genesis (Genesis 4, 16, 17-25)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 246-247

 

S. 246 (86) [675] sô uuarº is ôk thiu muodar,    the thana magu fuodda,

(87) [676] barn bi iro breostun.    Thuo siu bluodag uuuosk

(88) [677] hrêugiuuâdi,    thuo warº iro hugi sêrag.

(89) [678] Bêºo uuas im thô an sorogun    iac iro barnas dôº,

(90) [679] thes heliŒas hinfard,    iac that im miº is handun fordeda

(91) [680] Kain an sulicun qualma:    siu ni habdun thuo noh kindo than mêr

(92) [681] libbendero an them liahta,    botan thana ênna, thie thuo alêºit uuas

S. 247 (93) [682] uualdanda be is faruuurohtiun:    thar ni habdun siu êniga uuunia tuo

(94) [683] niudlîco ginuman,    huuand hie sulican nîd afhuof,

(95) [684] that he uuarº is bruoºar bano.    Thes im thuo bêŒiun uuarº,

(96) [685] sinhîun tuêm    sêr umbi herta.

(97) [686] Oft siu thes gornunde    an griata gistuodun,

(98) [687] sinhîun samad    quâºun, that sia uuissin, that im that iro sundia gidedin,

(99) [688] that im ni muostin aftar    ereªiuuardos,

(100) [689] thegnos thîhan.    Tholodun siu bêŒiu

(101) [690] mikila morºquâla,    unt that im eft mahtig god,

(102) [691] hêr heªanes uuard    iro hugi buotta,

(103) [692] that im uurŒun ôdana    ereªiuuardos,

(104) [693] thegnos endi thiornun,    thigun aftar uuel,

(105) [694] uuôhsun uuânlîko,    geuuitt lînodun,

(106) [695] spâha sprâka.    Spuodda thie mahta

(107) [696] is handgiuuerek,    hêlag drohtin,

(108) [697] that im uuarº sunu giboran;    them scuopun siu SeŒ te naman

————————

 

90 ina Franck, Z. f. d. A. 40, 216; dagegen Overdiep, De Vormen van het aoristische Praeteritum in de mnl. epische Poëzie, Diss. Leiden 1914, These 17.    Handschrift fordæda; vgl. Klaeber, PBB 46, 166.   91 Vgl. Kögel S. 11.   93-94 Vgl. Franck, Z. f. d. A. 40, 217, Behaghel, Heliand und Genesis, S. 19, Bruckner S. 62.   94 Handschrift uuand    afhuof Doane] Handschrift afluf; ahuof Braune, Behaghel; anders Schwab, Litt.   97 Bruckner S. 12.   98 samad Braune] Handschrift samah    Die Versteilung nach Sievers, Z. f. d. P. 27, 535;    Braune Einschnitt nach quâºun.   100 Handschrift thian.   102 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 190, Pauls, Studien S. 39, Bruckner S.10.   107 Bruckner S. 16.   108 Handschrift vor that am Rand that ausgewischt.

 

(Genesis 4, 16) Egressusque Cain a facie Domini, habitavit profugus in terra ad orientalem plagam Eden. (Progenies Cain) (Genesis 4, 17) Cognovit autem Cain uxorem suam, quae concepit, et peperit Henoch: et aedificavit civitatem, vocavitque nomen eius ex nomine filii sui, Henoch. (4, 18) Porro Henoch genuit Irad, et Irad genuit Maviaël, et Maviaël genuit Mathusaël, et Mathusaël genuit Lamech. (4, 19) Qui accepit duas uxores, nomen uni Ada, et nomen alteri Sella. (4, 20) Genuitque Ada Iabel, qui fuit pater habitantium in tentoriis, atque pastorum. (4, 21) Et nomen fratris eius Iubal: ipse fuit pater canentium cithara et organo. (4, 22) Sella quoque genuit Tubalcain, qui fuit malleator et faber in cuncta opera aeris et ferri. Soror vero Tubalcain, Noema. (4, 23) Dixitque Lamech uxoribus suis Adae et Sellae: Audite vocem meam uxores Lamech, Auscultate sermonem meum: Quoniam occidi virum in vulnus meum, Et adolescentulum in livorem meum. (4, 24) Septuplum ultio dabitur de Cain: De Lamech vero septuagies septies. (Seth eiusque progenies) (Genesis 4, 25) Cognovit quoque adhuc Adam uxorem suam: et peperit filium, vocavitque nomen eius Seth, dicens: Posuit mihi Deus semen aliud pro Abel, quem occidit Cain.


Gen = Genesis (Genesis 4, 26)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 247-248

 

S. 247 (109) [698] uuârom uuordum:    them uuastom lêh

(110) [699] heªanas uualdand    endi hugi guodan,

(111) [700] gamlîcan gang -    he uuas goda uuirŒig -,

(112) [701] mildi uuas hie im an is muoda,    thana is manno uuel,

(113) [702] thie io miŒ sulicaro huldi muot    hêrron thionun.

(114) [703] Hie loªoda thuo mêst    liodio barnun,

(115) [704] godas huldi gumun;

(116) [704] thanan quâmun guoda mann,

S. 248 (117) [705] uuordun uuîsa,    geuuitt lînodun,

(118) [706] thegnos githâhte    endi thigun aftar uuel.

(119) [707] Than quâmun eft fan Kaina    kraftaga liudi,

(120) [708] heliºos hardmuoda,    habdun im hugi strangan,

[121) (709] uurêºan uuillean,    ni uueldun uualdandas

[122) (710] lêra lêstian,    ac habdun im lêºan strîd;

[123) (711] uuohsun im uurisilîco:    that uuas thiu uuirsa giburd,

[124) (712] kuman fan Kaina.    Bigunnun im côpun thuo

[125) (713] uueros uuîf undor tuisk:    thas uuarº auuerdit sân

[126) (714] SeŒas gesîºi,    uuarŒ seggio folc

(127) [715] mênu gimengiŒ    endi uuurŒun manno barn,

(128) [716] liudi lêŒa,    them thit lioht giscuop,

(129) [717] botan that iro ên habda    erlas gihugdi,

(130) [718] theganlîca githâht;    uuas im githungin mann,

(131) [719] uuîs endi uuordspâh,    habda giuuitt mikil:

(132) [720] Enoch uuas hie hêtan.    Thie hier an erŒu uuarŒ

(133) [721] mannum te mârŒum    oªar thesan middilgard,

(134) [722] that ina hier sô quikana    kuningo thie bezto,

(135) [723] libbendian an is lîchaman,    sô hie io an thesun liahta ni staraf –

(136) [724] ac sô gihaloda ina hier    heªanas uualdand

———————————

 

111 Handschrift gamlican] gamanlican Behaghel, Heliand und Genesis, S. 48, oder gamalican? vgl. mnd. gemelik; vgl. Siebs, Z. f. d. P. 29, 413.   112 thana vgl. Braune zur Stelle.   114 Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, 40, Jellinek, A. f. d. A. 29, 33, Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 74.   115 Die Abteilung nach Sievers, Z. f. d. P. 27, 536, Symons, Z. f. d. P. 28, 149, Kögel S. 71; vgl. noch Ries, Z. f. d. A. 39, 102. Braune: godas huldi:gumun thanan quamunguoda mann, sodann Lücke von einem Halbvers; Holthausen, Z. f. d. A. 39, 54: hoh heªanrikiendi huldi godas: || gumun thanan quamunguoduuilliga man ||. mann] Handschrift mann (a über e übergeschrieben).     118 Handschrift githate.   119 Handschrift Thann.   123 uurisa Binz bei Bruckner S. 75.   125 auuerŒit Braune] Handschrift anuuerºit.   128 Handschrift thitt.    Komma am Schluss des Verses mit Sievers, Z. f. d. P. 27, 536.   130 Handschrift githatt.

 

(Genesis 4, 26) Sed et Seth natus est filius, quem vocavit Enos: iste coepit invocare nomen Domini.

 


Gen = Genesis (Genesis 18, 1-2)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 248-249

 

S. 248 (137) [725] endi ina thar gisetta,    thar hie simlon muot

(138) [726] uuesan an uuunnion,    untat ina eft an thesa uuerold sendit

(139) [727] hêr heªanas uuard    heliŒo barnum,

(140) [728] liodiun te lêro.    Than hier ôk thie lêºo kumit,

(141) [729] that hier Antikrist    alla thioda,

(142) [730] uuerod auuerdit,    than he mid uuâpnu scal

(143) [731] uuerŒan Enocha te banon,    eggiun scarapun

(144) [732] thuruh is handmegin;    huiriªit thiu seola,

(145) [733] thie gêst an guodan uueg,    endi godas engil kumit,

(146) [734] uurikit ina, uuammscaŒon    uuâpnas eggiun:

(147) [735] uuirŒit Anticrist    aldru bilôsid,

S. 249 (148) [736] thie fîund bifellid.    Folc uuirŒit eft gihuoroªan

(149) [737] te godas rîkea,    gumuno gisîŒi

(150) [738] langa huîla,    endi stêd im sîºor thit land gisund.

III.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

(151) [739] Thuo habdun im eft sô suuîŒo    Sodomoliudi,

(152] [740] uueros sô faruuerkot,    that im uuas ûsa uualdand gram,

(153) [741] mahtig drohtin,    huuand sia mên driªun,

(154) [742] fremidun firindâdi,    habdun im sô filu fîunda barn

(155) [743] uuammas geuuîsid:    thuo ni uuelda that uualdand god,

(156) [744] thiadan tholoian,    ac hiet sie threa faran,

(157) [745] is engelos ôstan    an is ârundi,

(158) [746] Œon te Sodoma,    endi uuas im selªo thar miŒ.

(159) [747] Thuo sea oªar Mambra    mahtige fuorun,

(160) [748] thuo fundun sia Abrahama    bi ênum alah standan,

(161) [749] uuaran ênna uuîhstedi,    endi scolda ûsas uualdandas

(162) [750] geld gifrummian,    endi scolda thar goda theonan

(163) [751] an middean dag    manna thie bezto.

(164) [752] Thuo antkenda he craft godas,    sô he sea cuman gisach:

(165) [753] geng im thuo tigegnes    endi goda selªun hnêg,

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138 Handschrift sendi; vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 48.   140 Handschrift laro; Holthausen, Elementarbuch § 29, 4.   140 Handschrift thann.   141 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 190.   142 Handschrift thann.   143-144 Interpunktion nach Sievers, Z. f. d. P. 27, 536, Franck, Z. f. d. A. 40, 217.   146 Vgl. Kock, Streifzüge 30.   148 Handschrift biuellid.   150 Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 41, Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 11.   151 Handschrift Initiale; Fittenanfang, Bruckner S. 86.   153 Handschrift drotin    Handschrift uuand.   154 Vgl. Symons, Z. f. d. P. 28, 150, Ries, Z. f. d. A. 39, 302.    Handschrift uilu.   160 Handschrift ala; vgl. Kögel S. 11.   161 Bruckner S. 14    Handschrift uuhistedi.

 

(Genesis 18, 1) Apparuit autem ei Dominus in convalle Mambre, sedenti in ostio tabernaculi sui in ipso fervore diei. (18, 2) Cumque elevasset oculos, apparuerunt ei tres viri stantes prope eum: quos cum vidisset, cucurrit in occursum eorum de ostio tabernaculi, et adoravit in terram.


Gen = Genesis (Genesis 18, 3-4, 16, 20-21)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 249-250

 

S. 249 (166) [754] bôg endi bedode    endi bad gerno,

(167) [755] that hie is huldi forº    hebbian muosti:

(168) [756] „huuarod uuilthu nu,    uualdand, frô mîn,

(169) [757] alomahtig fadar?    ik biun thîn êgan scalc,

(170) [758] hold endi gihôrig;    thu bist mi hêrro sô guod,

(171) [759] Œmo sô mildi:    uuilthu mînas uuiht,

(172) [760] drohtin, hebbian?    huat! it all an thînum duoma stêd,

S. 250 (173) [761] ik libbio bi thînum lêhene,    endi ik gilôªi an thi,

(174) [762] frô mîn the guoda:    muot ik thi frâgon nu,

(175) [763] huuarod thu, sigidrohtin,    Œon uuilleas?“

(176) [764] Thuo quam im eft tegegnes    godas anduuordi,

(177) [765] mahtig muotta:    „Ni uuilli ik is thi miŒan nu,“ quaŒ he,

(178) [766] „helan holdan man,    hû mîn hugi gengit.

(179) [767] SiŒan sculun uui sûŒar hinan:    hebbiat im umbi Sodomaland

(180) [768] uueros sô foruuerkot.    Nu hruopat thea uuardas te mi

(181) [769] dages endi nahtes,    the the iro dâdi telleat,

(182) [770] seggiat iro sundeon.    Nu uuilli ik selªo uuitan,

(183) [771] ef thia mann under im    sulic mên fremmiat,

(184) [772] uueros uuamdâdi.    Thanna scal sea uuallande

(185) [773] fiur bifallan,    sculun sia ira firinsundeon

(186) [774] suâra bisenkian:    sueªal fan himile

(187) [775] fallit mid fiure,    fêknia stereªat,

(188) [776] mêndâdige men,    reht sô morgan kumit.“

(189) [777] Abraham thuo gimahalda    (habda im ellian guod,

(190) [778] uuîsa uuordquidi),    endi uuiŒer is uualdand sprak;

————————————

 

167 Handschrift uldi.   168 Handschrift uuarod.   169 Handschrift alomatig.   170 Handschrift erro    mi, erro, Doane, vgl. Genzmer.   171 Handschrift uuhit.   172 Handschrift drotin    hebbian│huuat! it Jellinek, DLZ 98, 922] hebbian hwat│it Braune172f. Die Kommata nach 172 und 173 mit Sievers, Z. f. d. P. 27, 546.   173 Vgl. Jellinek, A. f. d. A. 22, 353.    giloªi vgl. Kögel S. 11.   175 Handschrift uuarod.   177 Handschrift matig.   178 Vgl. Symons, Z. f. d. P. 28, 150.   179 Handschrift him.   180 theæ (thesæ Holthausen, Z. f. d. A. 39, 54; thea Piper) uuardas Symons, Z. f. d. P. 28, 150, Franck, Z. f. d. A. 40, 211, Hofmann I 157, Doane] Handschrift the æuuardas,    Braune, Behaghel, Schwab, Litt., vgl. Lehmann 230, theæ uuaragas Jellinek brieflich; anders Siebs, Z. f. d. P. 28, 141, Krogmann, Nd. Jb. 81, 13.   182 Vgl. Symons, Z. f. d. P. 28, 151 Handschrift hiro.   183 Handschrift him.   185 Handschrift biuallan    Handschrift hira.   185-186 Vgl. Ries, Z. f. d. A. 39, 302.   189 Handschrift abda    Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 20.   190 uuordquidi Braune] Handschrift uuorquidi.

 

(Genesis 18, 3) Et dixit: Domine, si inveni gratiam in oculis tuis, ne transeas servum tuum: (18, 4) sed afferam pauxillum aquae, et lavate pedes vestros, et requiescite sub arbore. (18, 16) Cum ergo surrexissent inde viri, direxerunt oculos contra Sodomam: et Abraham simul gradiebatur, deducens eos. (18, 20) Dixit itaque Dominus: Clamor Sodomorum et Gomorrhae multiplicatus est, et peccatum eorum aggravatum est nimis. (18, 21) Descendam, et videbo utrum clamorem qui venit ad me, opere compleverint: an non est ita, ut sciam.


Gen = Genesis (Genesis 18, 23-30)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 250-251

 

S. 250 (779) [191] „Huuat! thu gôdas sô filu,“ quat hie,    „god heªanrîki,

(780) [192] drohtin giduomis,    all bi thînun dâdiun stêd

(781) [193] thius uuerold an thînum uuillean;    thu giuuald haªas

(782) [194] oªar thesan middilgard    manna kunnias,

(783) [195] sô that gio uuerŒan ni scal,    uualdand frô mîn,

(784) [196] that thu thar te ênum duoas    uªila endi guoda,

(785) [197] lioªa endi lêŒa,    huuand sia gilîca ni sind.

(786) [198] Thu ruomes sô rehtes,    rîki drohtin,

S. 251 (787) [199] sô thu ni uuili, that thar antgeldan    guoduuillige mann

(788) [200] uuamscaŒono uuerek,    thoh thu is giuuald haªes

(789) [201] te gifrummianna.    Muot ik thi frâgon nu,

(790) [202] sô thu mi thiu gramara ni sîs,    god heªanrîki?

(791) [203] ef thu thar fîŒis fîftig    ferahtaro manno,

(792) [204] liuªigaro liodo,    muot thanna that land gisund,

(793) [205] uualdand, an thînum uuillean    giuuerid standan?“

(794) [206] Thuo quam im eft tegegnes    godas anduuordi:

(795) [207] „Ef ik thar findo fîftig,“ quaŒ he,    ferahtara manno,

(796) [208] guodaro gumono,    thea te goda hebbian

(797) [209] fasto gifangan,    thanna uuilli ik im iro ferah fargeªan

(798) [210] thuru that ik thea hluttron man    haldan uuille.“

(799) [211] Abraham thuo gimahalda    âŒarsîŒe,

(800) [212] forº frâgoda    frâhon sînan:

(801) [213] „Huuat duos thu is thanna,“ quaŒ he,    „drohtin frô mîn,

(802) [214] ef thu thar thrîtig maht    thegno fîŒan,

(803) [215] uuamlôsa uueros?    uuilthu sia noh thanna

(804) [216] lâtan te lîba,    that sia muotin that land uuaran?“

(805) [217] Thuo im the guoda,    god heªanrîki,

(806) [218] sniumo gisagda,    that hie sô uueldi

 

191 Handschrift uilu.   192 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 191 (dazu aber Behaghel, Syntax 139), Pauls, Studien S. 49.   195 uualdand Braune] Handschrift uuardand.   196 Handschrift henum.   197 Handschrift uuand.   198 rehtes Braune] Handschrift rhtæs.   199 antgeldan:    Doane vergleicht u. a. Behaghel, Syntax § 500 II b, S. 330.   200 thuoh Braune, Sievers, Z. f. d. A. 63, 47]    Handschrift thuoht.   201 Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 22.   203 fiftig Braune] Handschrift fistig, Handschrift ferahto.   207 Handschrift fistig Handschrift ferathara.   209 im Symons, Z. f. d. P. 28, 151] fehlt Handschrift.   210 Handschrift luttron    Handschrift aldan.   211 Zu âŒarsîŒe vgl. Hofmann I 57.   214 Handschrift tritig.   216 Handschrift te liua; vgl. Bruckner S. 9.   218 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 191, Bruckner 77.

 

(Genesis 18, 23) Et appropinquans ait: Numquid perdes iustum cum impio? (18, 24) Si fuerint quinquaginta iusti in civitate, peribunt simul? et non parces loco illi propter quinquaginta iustos, si fuerint in eo? (18, 25) Absit a te ut rem hanc facias, et occidas iustum cum impio, fiatque iustus sicut impius, non est hoc tuum: qui iudicas omnem terram, nequaquam facies iudicium hoc. (18, 26) Dixitque Dominus ad eum: Si invenero Sodomis quinquaginta iustos in medio civitatis dimittam omni loco propter eos. (18, 27) Respondensque Abraham, ait: Quia semel coepi, loquar ad Dominum meum, cum sim pulvis et cinis. (18, 28) Quid si minus quinquaginta iustis quinque fuerint? delebis, propter quadraginta quinque, universam urbem? Et ait: Non delebo, si invenero ibi quadraginta quinque. (18, 29) Rursumque locutus est ad eum: Sin autem quadraginta ibi inventi fuerint, quid facies? Ait: Non percutiam propter quadraginata. (18, 30) Ne quaeso, inquit, indigneris, Domine, si loquar: Quid si ibi inventi fuerint triginta? Respondit: Non faciam: si invenero ibi triginta.


Gen = Genesis (Genesis 18, 30-32)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 251-252

 

S. 251 (219) [807] lêstian an then landa:    „Ef ik thar luªigaro mag,quaŒ he,

(220) [808] „thrîtig undar thero thiodo    thegno fîŒan,

(221) [809] godforohta gumon:    thanna uuilli ik im fargeªan allum

(222) [810] that mên endi thea misdâd    endi lâtan that manno folc

(223) [811] sittian umbi Sodoma    endi gesund uuesan.“

(224) [812] Abraham thuo gimahalda    agalêtlîco

(225) [813] - folgoda is frôian -,    filo uuorda gisprac:

(226) [814] „Nu scal ik is thi biddean“, quaŒ he,    „that thu thi ni belges ti mi,

(227) [815] frô mîn thie guoda,    hû ik sus filu mahlea,

S. 252 (228) uueslea uuiŒer thi mid mînum uuordum:    ik uuêt, that ik thas uuirŒig ni bium,

(229) [817] ni sî that thu it uuilleas bi thînaro guodo,    god heªanrîki

(230) [818] thiadan, githoloian:    mi is tharaf mikil

(231) [819] te uuitanna thînne uuillean,    hueŒer that uuerad gisund

(232) [820] libbian muoti,    the sea liggian sculun,

(233) [821] fêgia bifallan:    huuat uuilis thu is thanna, frô mîn, duoan,

(234) [822] ef thu thar tehani    treuhafte maht

(235) [823] Œan under themo folca, ferahtera manno,

(236) [823] uuilthu im thanna iro ferh fargeªan,

(237) [824] that sia umbi Sodomaland    sittian muotin,

(238) [825] bûan an them burugium,    sô thu im abolgan ni sîs?“

(239) [826] Thuo quam im eft tegegnes    godas anduuordi:

——————

 

219 then vgl. Braune zu Gen. 255. Handschrift mahg.   221 Handschrift godforotha.   225 Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 37, Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 77, Klaeber Anglia 55, 395.   229 Handschrift guodo; vgl. Braune und Doane zur Stelle, Gal1ée, Gramm. § 311, A. 2] guodi Schlüter, Nd. Jb. 20, 116, Behaghel.   232 Lies sculin? Doane.   233 Handschrift biuallan.   234 tehani maht treuhafte man Franck, Z. f. d. A. 40, 219, tehani treuhaftera maht Kauffmann, Z. f. d. P. 32, 509.   235-236 So Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 61, Hofmann I 57. 178; 2 Verse Braune, Text, Schwab, Litt., „triplet“ Doane] ferahtera manno tilgen Braune, Anm., Sievers, Z. f. d. P. 27, 536, Symons, Z. f. d. P. 28, 151, Franck, Z. f. d. A. 40, 219, Behaghel; anders Symons Verslagen, S. 153; Ries, Z. f. d. A. 39, 303.   235 Handschrift hiro.   238 Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 22.  

 

(Genesis 18, 30) Ne quaeso, inquit, indigneris, Domine, si loquar: Quid si ibi inventi fuerint triginta? Respondit: Non faciam; si invenero ibi triginta. (18,31) Quia semel, ait, coepi, loquar ad Dominum meum: Quid si ibi inventi fuerint viginti? Ait: Non interficiam propter viginti. (18, 32) Obsecro, inquit, ne irascaris, inventi fuerint ibi decem? Et dixit: non delebo propter decem.

 


Gen = Genesis (Genesis 18, 32; 19, 1)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 252-253

 

S. 252 (240) [827] „Ef ik thar tehani,“ quaŒ he,    „treuhaftera mag,

(241) [828] an them lande noh    liodi Œan,

(242) [829] thanna lâtu ik sia alla thuru thie ferahtun man    ferehas brûkan.“

(243) [830] Thuo ni dorste Abraham leng    drohtin sînan

(244) [831] furŒur frâgon,    ac he feil im after te bedu

(245) [832] an kneo craftag;    quaŒ he gerno

(246) [833] is geld gereuuedi    endi gode theonodi,

(247) [834] uuarahti after is uuillian.    Giuuêt im eft thanan

(248) [835] gangan te is gestseli;    godes engilos forº

(249) [836] ºodun te Sodoma,    sô im selªo gebôd

(250) [837] uualdand mid is uuordo,    thuo hie sea hiet an thana uueg faran.

 

(251) [838] Scoldun sie befîŒan,    huuat thar ferahtera

S. 253 (252) [839] umbi Sodomaburg,    sundeono tuomera

(253) [840] manna uuâri,    thie ni habdin mênes filu,

(254) [841] firinuuerco gifrumid.    Thô gihôrdun sie fêgere karm

(255) [842] an allaro seliŒa gihuuen,    sundiga liudi

(256) [843] firinuuerk fremmian:    uuas thar fîundo gimang,

(257) [844] uurêŒaro uuihteo,    thea an that uuam habdun

(258) [845] thea liudi farlêdid:    that lôn uuas thuo at handum

(259) [846] mikil miŒ morŒu,    that sia oft mên driªun.

(260) [847] Thanna sat im thar an innan burug     aŒalburdig man,

(261) [848] Loth miŒ them liudium,    thie oft lof godas

(262) [849] uuarahte an thesaro uueroldi:    habda im thar uuelono ginuog,

(263) [850] guodas giuunnan:    he uuas gode uuirŒig.

(264) [851] He uuas Abrahamas    aŒaliknôslas,

—————

 

240-242 Anders Ries, Z. f. d. A. 39, 304; vgl. Franck, Z. f. d. A. 40, 219.   241 Handschrift landde     Handschrift liodi (am Rand mit Verweiszeichen) so Braune, Schwab, Litt., Doane] liodo Kauffmann, Z. f. d. P. 32, 509, liodio Behaghel.   242 Handschrift ferathun.   243 Abraham] he Franck, Z. f. d. A. 40, 218; vgl. Kögel S. 32, Doane S. 84, Hofmann I 57.   244 Handschrift hac.   245 Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 20.   246 gigerwidi Franck, Z. f. d. A. 40, 218.   248 Handschrift fort.   251 Handschrift Initiale; Fittenanfang, Bruckner S. 86.    Handschrift huuattar, Behaghel, frühere Auflage.   252 tuomera Braune] Handschrift tuoma; tuomaro Doane.   254 Handschrift siæ    Handschrift fegere, vgl. Kögel S. 14; Gallée, Gramm. § 114, A. 2; Doane.   255 seliºa gihuuen vgl. Braune zur Stelle.   258 Handschrift hat.   260 Handschrift an innan burug; Hg. außer Behaghel] nach Franck, Z. f. d. A. 40, 220 burug (so Behaghel) oder an zu tilgen; vgl. Kluge, Literaturblatt 16, 333.   261-262 Sievers, Z. f. d. P. 27, 536] godas uuarathe || Braune. Bruckner S. 34.   262 Handschrift uuarathe    thesaro uueroldi Braune] Handschrift tesaro uuelordi.   264 aºaliknoslas mit Holthausen, Z. f. d. A. 39, 55, Symons, Verslagen 153] Handschrift adaln knoslas; aŒalknoslas Braune.

 

(Genesis 18, 32) Obsecro, inquit, ne irascaris, Domine, si loquar adhuc semel: Quid si inventi fuerint ibi decem? Et dixit: non delebo propter decem. (19, 1) Veneruntque duo angeli Sodomam vespere, et sedente Lot in foribus civitatis. Qui cum vidisset eos, surrexit, et ivit obviam eis: adoravitque pronus in terram,


Gen = Genesis (Genesis 19, 1-3)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 253-254

 

S. 253 (265) [852] is brôŒer barn:    ni uuas betara man

(266) [853] umbi Giordanas staŒos    miŒ gumkustium,

(267) [854] giuuerid miŒ geuuittio:    im uuas ûsa uualdand hold.

(268) [855] Thuo te sedla hnêg    sunna thiu huuîta,

(269) [856] alloro bôkno berahtost,    thuo stuond hie fore thes buruges dore.

(270) [857] Thuo gisah he an âªand    engilos tuêne

(271) [858] gangan an thea gardos,    sô sea fan gode quâmun

(272) [859] geuueride mid geuuittio:    thuo sprak he im sân mid is uuordum tuo.

(273) [860] Geng thuo tegegnes    endi gode thankade,

(274) [861] heªankuninga,    thes he im thea helpa ferlêch,

(275) [862] that he muosta sea miŒ is ôgum    an luokoian,

(276) [863] iac he sea an kneo kusta    endi kûsco bad,

S. 254 (277) [864] that sea suohtin his seliºa:    quat that he im selªas duom

(278) [865] gâbi sulicas guodas,    sô im god habdi

(279) [866] farliuuen an them landa.    Sea ni uurŒun te lata huuerigin,

(280) [867] ac se gengun im an is gestseli,    endi he im giungarduom

(281) [868] fremide ferahtlîca,    sea im filo sagdun

(282) [869] uuâraro uuordo.    Thar he an uuahtu sat,

(283) [870] held is hêrran bodan    hêlaglîca,

(284) [871] godas engilos.    Sia im guodas sô filo,

(285) [872] suoŒas gisagdun.    Suart furŒur skrêd,

(286) [873] narouua naht an skion,    nâhida moragan

(287) [874] an allara seliŒa gihuuem.    Ûhtfugal sang

—————

 

265 Handschrift his.   266 Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 12.   267 Handschrift him.   269 Handschrift beratost    Zu thes vgl. Braune zur Stelle.   270 gisah Braune] Handschrift gisha    Handschrift haªand.   271 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 190.   275 Komma mit Sievers, Z. f. d. P. 27, 536; bei Braune ein Punkt.   277 Handschrift suotin    Vgl. Behaghel, Heliand und Genesis, S. 43, Roediger, Herrigs Archiv 111, 191, Bruckner S. 109.   280 Handschrift edi.   281 Handschrift ferathlica.   282 Handschrift uuordu.   282-283 Bruckner S. 14f.   284 Handschrirt him.   285 Handschrift suoºas, vgl. Sievers, Z. f. d. A. 63, 47, Rooth § 4.   286-287 Interpunktion nach Klaeber, Beiblatt zu Anglia 23, 306, MLN 24, 260, PBB 46, 167; anders Doane.   287 seliºa vgl. zu 255 (seliºa gihuuen, vgl. Braune zur Stelle)    sang uhtfugal Holthausen, Z. f. d. A. 39, 55; vgl. Symons, Z. f. d. P. 28, 153, Gering, Z. f. d. P. 33, 435.

 

(Genesis 19, 1) Veneruntque duo angeli Sodomam vespere, et sedente Lot in foribus civitatis. Qui cum vidisset eos, surrexit, et ivit obviam eis: adoravitque pronus in terram, (19, 2) et dixit: Obsecro, domini, declinate in domum pueri vestri, et manete ibi: lavate pedes vestros, et mane proficiscemini in viam vestram. Qui dixerunt: Minime, sed in platea manebimus. (19, 3) Compulit illos oppido ut diverterent ad eum: ingressisque domum illius fecit convivium, et coxit azyma, et comederunt.


Gen = Genesis (Genesis 19, 12-17)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 254-255

 

S. 254 (288) [875] fora dagahruoma.    Thô habdun ûsas drohtinas bodon

(289) [876] thea firina bifundan,    thea thar fremidun men

(290) [877] umbi Sodomaburug. Thô sagdun sia LoŒa,

(291) [878] that thar morŒ mikil    manno barno,

(292) [879] scolda thera liodio uuerŒan    endi ôk thes landas sô samo.

(293) [880] Hietun ina thuo gereuuian,    endi hietun thô gangan thanan,

(294) [881] firrian ina fort them fîundum    endi lêdian is frî miŒ im,

S. 255 (295) [882] idis aŒalborana.    He ni habda thar is aŒalias than mêr,

(296) [883] botan is dohtar tuâ,    mid them gihietun sie, that hie êr daga uuâri

(297) [884] an ênum berga uppan,    that ina brinnandi

(298) [885] fiur ni bifengi.    Thô he te there ferdi uuarŒ

(299) [886] gâhun gigereuuid,    gengun engilos,

(300) [887] habdun ina bi handum    hebankuningas bodon,

(301) [888] lêddun ina endi lêrdun    lango huîla,

(302) [889] untat sea ina gibrâhtun    bi thera burug ûtan.

(303) [890] Hietun, that sie io ni gehôrdin    sulic gehlunn mikil,

(304) [891] brâkon an them burugium,    that sia io under bak sâuuen,

(305) [892] an thiu thie sea an them lande    libbian uueldin.

(306) [893] Thuo huuruªun eft uuiŒer    hêlega uuardos,

—————

 

288 fora dagahruoma Schröder, Z. f. d. A. 68, 151] Handschrift fora daga huoam; fora daga huon Braune Anm., foradagahuon Jostes, Lit. Rundschau f. d. kath. Deutschland 21, Nr. 2, fora daga huoani Siebs, Z. f. d. P. 28, 141 und  29, 414, fora daga gihuoni Gering, Z. f. d. P. 33, 435, fora daga huôna (= ags. hwêne ein wenig) Kögel S. 29, fora dagaliomon Gallée, Tijdschr. v. ndl. Taal- en Letterk. 13, 303, fora daga fruoiam Holthausen, Z. f. d. A. 39, 55, fora daga uuanum? oder uuanami? Schlüter, Nd. Jb. 20, 119, fora dagas woman Kluge und Symons, Z. f. d. P. 28, 153, Klaeber, Beiblatt zu Anglia 23, 306, fora daga ahuof Franck, Z. f. d. A. 40, 212, fora daga hruomag Martin, Versbau, S. 48, Holthausen, PBB 32, 567; Blümel, Münchner Museum 3, 302 (in huoam stecke der Dativ eines Adj. woh unheilvoll), huitam ‚vor weißem, hellem Tage’ Roethe, Z. f. d. A. 62, 208; fora dagahruom Doane (vgl. ebd. 178. 347); vgl. noch Kauffmann, Z. f. d. P. 32, 509, Sievers, Z. f. d. A. 63, 46. Holthausen, Beiblatt zu Anglia 45, 131; Hofmann I 58.   290 Sodomaburug Kögel S. 29] Handschrift Sodomburug..   291 Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 11.   292 Handschrift huuerthan.   294 Handschrift hina    Handschrift him.   295 Handschrift his hadalias    Bruckner S. 14.   296 Handschrift gietun; hietun Braune; vgl. seine Anm. u. Schlüter, Nd. Jb. 20, 119, Bruckner S. 8.   297 Handschrift  hina.   298 Handschrift biuengi.   300 Handschrift andum.   300 Handschrift hina.   301 Handschrift hina.   302 Handschrift huntat.   303 Bruckner S. 8, Klaeber, Anglia 55, 396. Handschrift siæ. 303f. Interpunktion nach Roediger, Herrigs Archiv 111, 192.   305 Handschrift landæ.   306 huuruªun Holthausen, Beiblatt zu Anglia 45, 131] Handschrift uuruªun.

 

(Genesis 19, 12) Dixerunt autem ad Lot: Habes hic quempiam tuorum? generum, aut filios, aut filias, omnes, qui tui sunt, educ de urbe hac: (19, 13) delebimus enim locum istum, eo quod increverit clamor eorum coram Domino, qui misit nos ut perdamus illos. (19, 14) Egressus itaque Lot, locutus est ad generossuos qui accepturi erant filias eius, et dixit: Surgite, egredimini de loco isto: quia delebit Dominus civitatem hanc. Et visus est eis quasi ludens loqui. (Lot liberatur ab exitio Sodomae) (Genesis 19, 15) Cumque esset mane, cogebant eum angeli, dicentes: Surge, tolle uxorem tuam, et duas filias quas habes: ne et tu pariter pereas in scelere civitatis. (19, 16) Dissimulante illo, apprehenderunt manum eius, et manum uxoris, ac duarum filiarum eius, eo quod parceret Dominus illi. (19, 17) Eduxeruntque eum, et posuerunt extra civitatem: ibique locuti sunt ad eum, dicentes: Salva animam tuam: noli respicere post tergum, nec stes in omni circa regione: sed in monte salvum te fac, ne et tu simul pereas.


Gen = Genesis (Genesis 19, 23-25)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 255-256

 

S. 255 (307) [894] godas engilos,    gengun sniumo,

(308) [895] siŒodun te Sodomo:    thanan sûŒar fuor

(309) [896] Loth thoro ira lêra,    flôh thera liodio gimang,

(310) [897] dereªioro manno:    thô uuarŒ dag kuman.

(311) [898] Thuo uuarŒ thar gihlunn mikil    himile bitengi,

(312) [899] brast endi brâcoda,    uuarŒ thero burugeo gihuuilîc

(313) [900] rôkas gifullit,    uuarŒ thar fan radura sô filu

(314) [901] fiures gifallin,    uuarŒ fêgero karm,

(315) [902] lêŒaro liodio:    logna all bifeng

(316) [903] brêd burugugisetu:    bran all samad,

(317) [904] stên endi erŒa,    endi sô manag strîdin man

(318) [905] suultun endi sunkun:    sueªal brinnandi

(319) [906] uuel after uuîkeom;    uuaragas tholodun

(320) [907] lêŒas lôngeld.    That land inn bisank,

S. 256 (321) [908] thiu erŒa an afgrundi;    al uuarŒ farspildit

(322) [909] Sodomarîki,    that is ênig seg ni ginas,

(323) [910] iac sô bidôdit an dôŒsêu,

(324) [910] sô it noh te daga stendit

—————

 

309 thoro vgl. Kögel, S. 20.    Handschrift hira     lêra Braune] fehlt Handschrift.   310 Hinter manno Punkt, hinter kuman Komma Holthausen, Beiblatt zu Anglia 45, 131.   311 Handschrift gilunn.   312 Vgl. Roediger, Herrigs Archiv 111, 191, Bruckner, Die altsächsische Genesis, S. 77 Handschrift   giuuilic.   313 Handschrift rokos    Handschrift uilu.   315 Handschrift bihueng.   316 Bruckner S. 12.   322-323 that is enig segg ni ginas als zweiter Halbvers von 322 Cosijn bei Symons, Verslagen S. 154] is ... enig theg nigeinas ac sobi (Handschrift a. s. korr.) Handschrift dodit; ac so bidod it Cosijn, ebenda, mit an doºseu im selben Halbvers zusammengefasst; Jostes, Lit. Rundschau f. d. kath. Deutschland 21, Sp. 50 liest: that is enig thegno ni ginas, hält aber Sodomariki, that is enig thegno ni ginas für interpoliert. Symons vermutete Verslagen S. 154: Sodomariki,│that gisiŒias enig, || thegno ni ginas |, schließt sich aber Z. f. d. P. 28, 155 Cosijn an. Holthausen, Z. f. d. A. 39, 55: Sodomariki: that is siŒ enig || thegna ni brukit,│ac so bidod it || an dodseua |, Siebs, Z. f. d. P. 28, 141: Sodomariki,that is seggion enig || theg nigienas; ac thus bidodit || an doºseu, Jellinek, Z. f. d. A.39, 151: Sodomariki,that is segg enig, || thegan ni ginas,ac so bithuungan uuarº, || bidodit an doŒseu, Kauffmann, Z. f. d. P. 32, 510: Sodoma rikiac so bidodit || that is thar enig thegn ni ginas || bidolªan an doŒseu |, Gering, Z. f. d. P. 33, 437: Sodomariki,that is seggio enig, || thero thegno ni ginas,ac so thiadan it senkida || bidodit an dodseu; später vermutet Holthausen für bidoºit bidros oder bidof, PBB 32, 568, ein Jahr danach bidoc PBB 33, 192 (zu bidûcan ‚versinken’); van Helten statt dessen bidoit PBB 28, 543 Anm.; Kock liest bidôªit „eingetaucht“, Z. f. d. A. 54, 410, so Holthausen, Elementarbuch S. 221, 224. Vgl. noch Sievers, Z. f. d. P.  27, 536; Franck, Z. f. d. A. 40, 213; Doane.

 

(Genesis 19, 23) Sol egressus est super terram, et Lot ingressus est Segor. (19, 24) Igitur Dominus pluit super Sodomam et Gomorrham sulphur et ignem a Domino de caelo: (19, 25) et subveritit civitates has, et omnem circa regionem, universos habitatores urbium, et cuncta terrae virentia.


Gen = Genesis (Genesis 19, 26)

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, 256

 

S. 256 (325) [911] fluodas gifullit.    Thuo habdun iro firindâdi

(326) [912] all Sodomothiod    sêro antgoldan,

(327) [913] botan that thar iro ênna    ût entlêdde

(328) [914] uualdand an is uuillian    endi thiu uuîf mid im,

(329) [915] thriu miŒ them thegna.    Thô gihôrdun sea thero thiodo qualm,

(330) [916] burugi brinnan.    Thô thar under bac bisach

(331) [917] idis aŒalboren:    siu ni uuelde thera engilo

(332) [918] lêra lêstian    (that uuas LoŒas brûd),

(333) [919] than lang the siu an them landa    libbian muosta.

(334) [920] Thuo siu an them berega gistuod    endi under bak bisach,

(335) [921] thuo uuarŒ siu te stêne,    thar siu standan scal

(336) [922] mannum te mârŒu    oªar middilgard

(337) [923] after te êuuandage,    sô lango sô thius erŒa lêªot.

——————

325 Handschrift hiro.   329 Handschrift giordun.   331 Zeichensetzung nach Schwab, Litt.    uuelde Franck, Z. f. d. A. 40, 220] Handschrift uueldere.   332 Handschrift Lohthas.   332f. Zeichensetzung nach Doane, Komm.   337 Handschrift te fehlt, ergänzt von Jellinek, DLZ 19, 922, Z. f. d. P. 32, 525; Bruckner, Z. f. d. A. 57, 284, Die altsächsische Genesis, S. 7.    Handschrift heuandage.    Danach Handschrift Expl(icit).

 

(Genesis 19, 26) Respiciensque uxor eius post se, versa est in statuam salis.


Abweichende Lesarten zwischen Heliand und Genesis hg. v. Behaghel, O., 8. A. 1965 und Heliand und Genesis hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996 bearb. v. Taeger, B.:

 

Vers

Handschrift

8. A. 1965

9. A. 1984

10. A. 1996

2

sean

sean

sehan

sehan

5

gelihc

gelîhc

gelîc

gelîc

10

uuand

uuand

huuand

huuand

10

hunk

hunk

unk

unk

10

gibood

gibood

gibod

gibôd

11

hunk

hunk

unk

unk

16

upp

upp

up

up

20

berahto

berahto

berahta

berahta

21

biuoran

biuoran

biforan

biforan

23

 

unk giduan

unk giduan

unk giduan

33

 

hwar

huuar

huuar

38

 

hwar

huar

huar

40

 

swîºo

suîºo

suîºo

51

 

hwe

hue

hue

54

 

thînum

thînun

thînun

61

 

thinum

thînun

thînun

66

 

tianono

tionono

tianono

67

hlutrom

hlutron

hluttrom

hluttrom

71

 

tho

thoh

thoh

75

 

forºwardas

forºuuardas

forºuuardas

76

 

waros

uuaros

uuaros

78

 

uualdandi

uuallandi

uuallandi

89

 

bêtho

ºo

ºo

90

fordæda

fordæda

fordeda

fordeda

94

uuand

uuand

huuand

huuand

100

 

thegnas

thegnos

thegnos

100

thian

thîan

thîhan

thîhan

103

 

uuurŒun

uurŒun

uurŒun

119

thann

thann

than

than

123

 

uuuohsun

uuohsun

uuohsun

128

thitt

thitt

thit

thit

130

 

was

uuas

uuas

140

thann

thann

than

than

142

thann

thann

than

than

148

biuellid

biuellid

bifellid

bifellid

153

uuand

uuand

huuand

huuand

154

uilu

uilu

filu

filu

160

ala

ala

alah

alah

168

uuarod

uuarod

huuarod

huuarod

175

uuarod

uuarod

huuarod

huuarod

179

him

him

im

im

180

the æuuardas

the êwardas, s.Anm.

the êuuardas

thea uuardas

182

hiro

hiro

iro

iro

183

him

him

im

im

185

biuallan

biuallan

bifallan

bifallan

185

hira

hira

ira

ira

191

uilu

uilu

filu

filu

196

henum

hênum

ênum

ênum

197

uuand

uuand

huuand

huuand

198

rhtæs

rehtæs

rehtes

rehtes

216

te liua

te lîua

te lîªa

te lîªa

219

mahg

mahg

mag

mag

233

biuallan

biuallan

bifallan

bifallan, s. Anm.

235

hiro

hiro

iro

iro

244

hac

hac

ac

ac

248

fort

fort

forº

forº

254

siæ fegere

siæ fêgero

sie fêgero

sie fêgere

255

 

seliŒu

seliŒa

seliŒa

258

hat

hat

at

at

265

his

his

is

is

267

him

him

im

im

270

haªand

ªand

âªand

âªand

278

 

gâui

gâbi

gâbi

284

him

him

im

im

287

 

allara

allara

allara

292

 

liodo

liodio

liodio

294

hina

hina

ina

ina

294

him

him

im

im

295

his haŒalias

his aŒalias

is aŒalias

is aŒalias

297

hina

hina

ina

ina

298

biuengi

biuengi

bifengi

bifengi

300

hina

hina

ina

ina

301

hina

hina

ina

ina

303

siæ

siæ

sie

sie

305

landæ

landæ

lande

lande

306

uuruªun

uuruªun

huuruªun

huuruªun

309

hira

hira

ira

ira

312

giuuilic

giuuilîc

gihuuilîc

gihuuilîc

313

uilu

uilu

filu

filu

315

bihueng

biueng

bifeng

bifeng

325

hiro

hiro

iro

iro

332

Lohthas

Lohthas

LoŒas

LoŒas

337

heuandage

êuandage

êuuandage

êuuandage

 


H = Heliand

Heliand = H

 

Überlieferung: (P) Berlin, Bibliothek des Deutschen Historischen Museums R 56/2537 (nach Verfasserlexikon, Bd. 11, 2004, 641) (früher Berlin, Museum für deutsche Geschichte D 56/446, noch früher Prag, Universitätsbibliothek); (C) London, The British Library - Department of Manuscripts Mss. Cotton. Caligula A VII f. 5-169; (M) München, Bayerische Staatsbibliothek Cgm 25; (S) München, Bayerische Staatsbibliothek Cgm 8840; (V) Rom, Biblioteca Vaticana Pal. lat. 1447 f. 27a, 32b

Die Münchener Handschrift (M) im Format Kleinfolio (27,2 x 20,2 cm) umfasst 74 Blätter (zu 24 Zeilen) und vermutlich nach zwei ganzen verlorenen Lagen ein vereinzelt nachfolgendes halbes Blatt. Vor dem letzten Blatt besteht eine größere Lücke. Außerdem fehlt das erste Blatt und je ein Blatt nach Blatt 33, 37, 50, 57 und 67. Die Schrift ist sauber, der Text sorgfältig, wenn auch nicht ohne Auslassungen und Fehler. Korrekturen, vom Schreiber selbst, sind selten. Die Verse sind nicht abgesetzt, doch sind Absätze durch größere Anfangsbuchstaben gekennzeichnet. Die Handschrift, die vielleicht um 850 in Corvey (Korvei) von mindestens zwei Schreibern geschrieben wurde, enthält mit kleinen Lücken die Verse 85 bis 5275 und 5969 bis 5983, wohingegen die Verse 1-84, 2198b-2255, 2514b-2575, 3414b-3490, 3951-4017a, 4675-4740a, 5275b-5968ff. fehlen. Mehrfach sind am unteren Rand der Blätter die freien Pergamentränder abgeschnitten, wiederholt finden sich Rasuren, in einem Fall sogar eine Reskription in der Art einer Federprobe. Im Jahre 1611 befand sie sich in der Bibliothek des Domkapitels von Bamberg, in die sie über Kaiser Heinrich II. gelangt sein könnte. 1794 wurde sie dort von Abbé Gley aufgefunden. 1804 kam sie nach München.

Die Londoner Handschrift (C) im Oktavformat (22,2 x 14,0 cm) besteht aus drei nachträglich zusammengebundenen Teilen. Auf den 1931 abgetrennten Blättern 1-10 befinden sich außer Nebensächlichem acht Bilder aus dem Neuen Testament, die aus dem 12. Jahrhundert stammen könnten, auf den Blättern 11-175 mit je 24 Zeilen in mehr karolingisch geprägter, von der insularen Schrift abweichender Schrift der Heliand und danach ein altenglischer Segen (3 Blätter). Die Handschrift wurde in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Südengland vermutlich von einem Angelsachsen geschrieben. Die Schrift ist sauber und deutlich mit Korrekturen des ursprünglichen und eines weiteren Schreibers. Der Text ist zwar vollständiger, aber weniger sorgfältig und weist bei Vollständigkeit aller Blätter viele Auslassungen und Fehler auf. Die Verse sind nicht abgesetzt, die Kapitel durch Absätze, größere Anfangsbuchstaben und durch fortlaufende Zählung von 1 bis 71 bezeichnet. An zwei Stellen stehen am Rand lateinische Hinweise auf die einschlägige Perikope (Lukas 1,5, [Matthäus] 22,15), auf Blatt 11a zu Vers 249 f. der Hinweis be sca Marian. Die Londoner Handschrift, die sich durch Bindefehler als mit der Münchener Handschrift enger verwandt erweist (Verse 483, 641, 1081, 1121, 1308, 1600, 1977, 2426, 2434, 2476, 2505, 2730, 3166, 3918, 4097, 4136, 4170, 4238, 4264, 4467, 4517, 4980, 5061, 5071, 5132, 5202), stammt aus der Bibliothek von Sir Robert Cotton († 1631) und wurde zuerst durch Auszüge des Franciscus Junius († 1677) bekannt.

Die das vatikanische Bruchstück (V) enthaltende vatikanische Handschrift ist eine komputistische Sammelhandschrift mit astronomisch-kalendarischen Aufzeichnungen, unter denen sich ein Mainzer Kalendarium mit darin eingetragenem Magdeburger Kalender befindet. Sie stammt aus Mainz und wurde im frühen neunten Jahrhundert geschrieben. Auf den Blättern 1a, 2a-2b, 10b sowie 27a und 32b enthält sie volkssprachige Eintragungen, die etwa im dritten Viertel des 9. Jahrhunderts von zwei (oder drei) verschiedenen Schreibern in einer durch die Urkundenschrift beeinflussten und damit nicht lokalisierbaren Schrift geschrieben wurden. Sie gehörte nach einem Eintrag auf Blatt 3a 1479 der Dombibliothek Mainz und gelangte 1623 von Heidelberg nach Rom. Bei den volkssprachigen Teilen handelt es sich um die Genesis (Blätter 1a, 2a-2b, 10b) und die Verse 1279 bis 1358 (Anfang) des Heliand. Dadurch, dass das Bruchstück allein die ursprüngliche Lesart des in der Münchener und Londoner Handschrift verkürzt bzw. verändert überlieferten Verses 1308 bietet, erweist es sich als unabhängig von der gemeinsamen Vorlage CM.

Das Berliner Bruchstück (P) ist ein Quartblatt (24,1 x 17,0 cm, 23 Zeilen), das 1880 in der Universitätsbibliothek Prag im Einband eines 1598 in Rostock gedruckten Buches gefunden wurde. Es wurde um oder nach 850 geschrieben und enthält die Verse 958 bis 1006 (Anfang). Es steht graphematisch-sprachlich dem Archetypus besonders nahe und führt wohl wegen eines mit der Handschrift C gemeinsamen Fehlers in Vers 980 auf den Ansatz einer Vorstufe CP.

Das Bruchstück S wurde 1977 vom Einband eines Exemplares der 1493 in Nürnberg gedruckten lateinischen Weltchronik Hartmann Schedels (1440-1514) abgelöst, das zuerst für das Stift Millstadt in Kärnten nachweisbar ist und später dem Johann Turmair-Gymnasium in Straubing gehörte. Es besteht aus dem oberen und unteren Drittel des äußeren und allen drei Dritteln des inneren Doppelblattes des zweiten Quaternio der ursprünglichen Handschrift, die etwa das Format 20 x 12 cm hatte, mit 25 Schriftzeichen beschrieben war und um oder kurz nach 850 geschrieben wurde. Es überliefert die Verse 351 bis 360, 368 bis 384, 393 bis 400, 492 bis 582, 675 bis 683, 693 bis 706 und 715 bis 722. Es steht der graphematisch-sprachlichen Umsetzung des Textes in der Münchener Handschrift am nächsten und erweist sich auch durch Bindefehler in den Versen 508 und 566 als mit ihr am nächsten verwandt. Wie die Londoner Handschrift ersetzt sie butan durch nebon, nevan, darüberhinaus aber auch suido, bi hui, tegegnes durch tulgo, bi huon und tigene. Insgesamt führt das „nordsee-germa­nisch eingekleidete“ Bruchstück in Richtung auf das Original des Heliand nur wenig über das bisher bereits Bekannte hinaus, bestätigt dies jedoch.

Wahrscheinlich vermittelte eine im 16. Jahrhundert noch vorhandene, seitdem verlorene Handschrift, die möglicherweise aus Naumburg stammte, Matthias Flacius Illyricus die lateinische Praefatio, die den für die Gliederung des Gedichtes bedeutsamen lateinischen Ausdruck vittea (Abschnitt) enthält. (M. Flacius Illyricus, Catalogus testium veritatis, 2. A., 1562).

Insgesamt ergibt sich daher folgender Handschriftenstammbaum:

Inhalt: Der 1830 von J. Schmeller als Heliand benannte, wohl ca. 45850 Wörter umfassende Text ist eine stabgereimte volkssprachige Evangeliendichtung, die vom Leben und der Lehre Jesu als des Heilandes handelt. Ihr Verfasser ist unbekannt, doch lassen sich gewisse Schlüsse über ihn aus der lateinischen, von Flacius Illyricus zuerst abgedruckten Praefatio ziehen, die wahrscheinlich auf sie zu beziehen ist, ohne dass dies eindeutig nachweisbar ist. Danach war der Dichter schon vor seinem Werk apud suos non ignobilis vates (ein bei den Seinen nicht unberühmter Dichter). Weiter wird er als ungelehrter, durch Wunder zur Kunst berufener Sänger geschildert, doch setzen die verarbeiteten Quellen gründliche geistliche Bildung voraus. Auftraggeber war Kaiser Ludwig der Fromme (814-840). Der Entstehungsort ist ziemlich unsicher (Fulda?, Werden?), der tatsächliche Adressatenkreis (Laien?, Geistliche?, Adel?) unklar.

Das Epos vom Leben Christi, das am Ende (Vers 5984) unvollständig abbricht, ist in sog. Fitten eingeteilt, die nach der lateinischen Praefatio auf den Verfasser selbst zurückgehen, und folgt in seinen großen Linien (unter gänzlicher Weglassung von 60 und teilweiser Weglassung von weiteren 40 der insgesamt 184 Kapitel) der um 170 n. Ch. verfassten Evangelienharmonie des Syrers Tatian, die in der Mitte des 6. Jahrhunderts von Abt Viktor von Capua neu bearbeitet wurde und wohl mit Bonifatius (672/73, spätestens 675-5. 6. 754) nach Fulda gelangte. Ergänzend sind Bibelkommentare wie Bedas Lukaskommentar, Alkuins Johanneskommentar und vermutlich Hrabans Matthäus Kommentar sowie vielleicht einzelne Schriften herangezogen.

Eine erste Fittensequenz bildet nach dem Prolog die Kindheit Jesu, die durch eine Vorschau bis zum 30. Lebensjahr abgeschlossen wird. Dem folgen Taufe und Versuchung. Nach der Jüngerwahl wird in den Fitten 16 bis 23 die Bergpredigt breit ausgeführt. Die ersten Wunder (Fitten 24-28) und Gleichnisse (Fitten 29-31) zeigen (in starker Kürzung und Umstellung) die Macht Christi und die Tiefe seiner Lehre. Nach dem Wirken und Tod Johannes des Täufers folgt wieder in starker Raffung eine zweite Reihe von Wundern und Lehren, die in die einzige aus der Bibelexegese in die Dichtung eingegangene Allegorese ausläuft (Fitte 44). Eine dritte Reihe von Taten und Lehren in den Fitten 45 bis 53 hat ihren Höhepunkt in der Erweckung des Lazarus. Danach wird in engem Anschluss an den Tatian die Leidensgeschichte Jesu dargestellt. Dem folgen die Ereignisse am Grab und die Auferstehung (Fitte 68). In der Erzählung vom Gang nach Emmaus bricht zuletzt die Londoner Handschrift ab, doch überliefert das einzeln nachfolgende Blatt der Münchener Handschrift noch ein Stück der Himmelfahrt. Ob der Dichter selbst mit den Fitten eine förmliche, zahlensymbolisch geprägte Einteilung des Werkes (numerische Zentralstellung der 38. Fitte?) versuchte, ist umstritten und fraglich.

Insgesamt ist die vielleicht um 830 (str.) entstandene Dichtung als Ganzes Ausdruck christlicher Vorstellungen. In sie wird ererbtes Gedankengut verdeutlichend und vertiefend einbezogen. Es steht aber nicht im Vordergrund, so dass von einer Germanisierung der heiligen Geschichte nicht wirklich gesprochen werden kann.

Die Sprache ist altsächsisch. Allerdings weist die Münchener Handschrift althochdeutsche Spuren und die Londoner Handschrift altmittelfränkische oder altniederfränkische und wohl auch altenglische Bestandteile auf.* Möglicherweise war der ursprüngliche Dialekt ostwestfälisch. Die vier aus der Mitte bzw. der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts stammenden Handschriften und Handschriftenbruchstücke bezeugen ein reges Interesse der Zeit an der Dichtung ihrer Entstehung. Aus dem 10. Jahrhundert stammen dagegen nur noch einige Benutzungsspuren der Münchener Handschrift (f. 47a) und die Londoner Handschrift.

Das Schreibsystem von Heliand und Genesis ist insgesamt stark südlich-altfränkisch beeinflusst (ie, uo statt zu erwartendem as. Ð, æ) und ist von daher im Archetyp dieser Bibeldichtungen, dem das Fragment P des Heliand und der Schreiber B der Genesis am nächsten stehen, nicht repräsentativ für das Altsächsische der Karolingerzeit.

 

* Ahd. Spuren sind in M: gilîh 785, 935, gilîch 2624, 2678; in C: uuelleant 3619, antfahent 4447, seggiient 4540, marient 4645, gihuggent 4652. Ae. Spuren sind in C: modor, muodor 215, 216, dohtor 255, scealt 261, drihtnes 264, steorra 662, uueard 3711, on 292, 372, 500, thon 3745, 3865.

 

Von diesem Schreibsystem entfernen sich das Fragment V des Heliand und der Schreiber A der Genesis deutlicher, die Handschrift M des Heliand entschieden und das Fragment S weitgehend, indem sie e und o für ie und uo setzen. Damit fügen sie sich gut in die im 10. Jahrhundert sichtbare schreibsprachliche Emanzipation des Altsächsischen vom Althochdeutschen ein, die aber bis zum 13. Jahrhundert unter dem Einfluss der Welfen wieder weitgehend rückgängig gemacht ist.

Ausgaben: Docen, J., Miscellaneen 2, 1-27; Schmeller, J., Heliand, 1830, Bd. 2 1840 (Glossar); Sievers, E., Heliand, 1878 (stellt den Text der Handschriften C und M auf gegenüberliegenden Seiten gegenüber), 2. A. (Titelauflage vermehrt um das Prager [Handschrift P] Fragment des Heliand und die vatikanischen Fragmente von Heliand und Genesis [Handschrift V]) 1935; Lambel, H., Ein neuentdecktes Blatt einer Heliand-Handschrift, SB Wien 97 (1880), 613 (Handschrift P); Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 1882, 2. A. 1903, 3. A. 1910, 4. A. 1922, 5. A. 1933, 6. A. 1948, 7. A. 1958, 8. A. 1965, 9. A. bearb. v. Taeger, B., 1984, 10. A. 1996; Bischoff, B., Die Straubinger Fragmente einer Heliand-Handschrift, PBB 101 (1979), 171 ff. (Handschrift S)

Literatur: Vilmar, A., Deutsche Altertümer im Heliand als Einkleidung der evangelischen Geschichte, 2. A. 1862; Behaghel, O., Die Modi im Heliand, 1876; Schlüter, W., Untersuchungen zur Geschichte der altsächsischen Sprache, Bd. 1 1892; Lagenpusch, E., Das germanische Recht im Heliand, 1894; Behaghel, O., Die Syntax im Heliand, 1897, Neudruck 1966; Martin, E., Der Versbau des Heliand und der altsächsischen Genesis, 1907; Weber, C., Der Dichter des Heliand im Verhältnis zu seinen Quellen, Z. f. d. A. 64 (1927); Ehrismann, G., Geschichte der deutschen Literatur, Teil 1, 2. A. 1932, Neudruck 1966, 157; Krogmann, W., Die Heimatfrage des Heliand im Lichte des Wortschatzes, 1937; Hannemann, K., Die Lösung des Rätsels der Herkunft der Heliand-Praefatio, Forschungen und Fortschritte 15 (1939), 327; Berron, H., Der Heliand als Kunstwerk, 1940; Foerste, W., Otfrids literarisches Verhältnis zum Heliand, Nd. Jb. 71/73 (1948/1950), 40; Foerste, W., Untersuchungen zur westfälischen Sprache des 9. Jahrhunderts, 1950; Lehmann, W., The Alliteration of Old Saxon Poetry, 1953 (mit Reimverzeichnis); Rathofer, J., Der Heliand. Theologischer Sinn als tektonische Form, 1962; Weringha, J. fon, Heliand und Diatessaron, 1965; Simon, W., Zur Sprachmischung im Heliand, 1965; Sehrt, E., Vollständiges Wörterbuch zum Heliand und zur altsächsischen Genesis, 2. A. 1966; Ilkow, W., Heliand und Matthäus-Exegese, 1969; Ramat, P., Grammatica dell’ antico Sassone, 1969; Bischoff, B., Paläographische Fragen deutscher Denkmäler der Karolingerzeit, Frühmittelalterliche Studien 5 (1971), 128; Taeger, B., Das Straubinger Heliand-Fragment, Frühmittelalterliche Studien 5 (1971), 181; Köbler, G., Verzeichnis der Übersetzungsgleichungen von Heliand und Genesis, 1972; Belkin, J./Meier, J., Bibliographie zu Otfrid von Weißenburg und zur altsächsischen Bibeldichtung (Heliand und Genesis), 1975; Kartschoke, D., Bibeldichtung 1975; Klein, T., Studien zur Wechselbeziehung zwischen altsächsischem und althochdeutschem Schreibwesen und ihrer Sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung, 1977; Bischoff, B., Die Schriftheimat der Münchener Heliand-Handschrift, PBB 101 (1979), 161; Gysseling, M., Corpus van Middelnederlandse Teksten, 1980, 29; Taeger, B., Heliand, Verfasserlexikon, 2. A. Bd. 3 1981, 958; Klein, T., Niederdeutsch und Hochdeutsch im frühen Mittelalter, in: Conrad-Borchling-Preis 1981, 12ff.; Köbler, G., Altniederdeutsch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-altniederdeutsches Wörterbuch, 2. A. 1982; Köbler, G., Sammlung aller altsächsischen Texte, 1987, 65; Krogh, S., Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen, 1996, 115; Hoffmann, H., Bamberger Handschriften des 10. und des 11. Jahrhunderts, 1995, 180

 

Technischer Hinweis: Zusätzliche Sternchen betreffen nicht am richtigen Platz stehende Fittenziffern, neu hinzutretende Textzeugen und mehr als eine Zeile umfassende Ersetzungen von C durch M.


H = Heliand

Übersicht über den Inhalt des Heliand

 

Vers

Einleitung                                                                                                                                1-53

Geburt des Johannes                                                                                                               53-242

Geburt Christi                                                                                                                         243-426

Darstellung im Tempel                                                                                                             427-526

Die Weisen aus dem Morgenland                                                                                            526-699

Flucht nach Ägypten, Kindermord                                                                                           699-779

Der zwölfjährige Jesus                                                                                                             780-858

Erstes Auftreten des Johannes, Taufe Christi                                                              859-1019

Die Versuchung                                                                                                                       1020-1120

Erwählung der Jünger                                                                                                              1121-1278

Bergpredigt                                                                                                                             1279-1837

Anweisung für die Jünger                                                                                                         1837-1993

Hochzeit von Kana                                                                                                                  1994-2087

Der Hauptmann von Kapernaum. Der Jüngling von Nain                                            2088-2231

Seesturm                                                                                                                                 2232-2283

Der Gichtbrüchige                                                                                                     2284-2356

Gleichnisse                                                                                                                              2357-2698

Tod des Johannes                                                                                                     2698-2799

Speisung der Fünftausend                                                                                                        2799-2899

Christus auf dem Meere                                                                                                          2899-2973

Das kananäische Weib                                                                                                            2973-3033

Petri Bekenntnis                                                                                                                      3033-3107

Verklärung                                                                                                                              3107-3170

Christus bezahlt den Zinsgroschen                                                                                            3170-3223

Lehren. Gleichnisse                                                                                                                 3223-3515

Zug nach Jerusalem und Einzug daselbst                                                                                   3516-3733

Reinigung des Tempels. Die arme Witwe                                                                                 3733-3779

Der Zinsgroschen. Die Ehebrecherin                                                                          3780-3899

Stimmung der Juden                                                                                                                3900-3963

Auferweckung des Lazarus                                                                                       3964-4117

Stimmung der Juden                                                                                                                4118-4269

Von der Zerstörung Jerusalems und dem jüngsten Tage                                             4270-4451

Fußwaschung. Abendmahl                                                                                        4452-4712

Auf dem Ölberg. Gefangennahme Christi                                                                                 4714-4929

Petri Verleugnung                                                                                                      4925-5049

Christus vor dem Hohenpriester                                                                                               5050-5121

Christus vor Pilatus                                                                                                                  5121-5244

Christus vor Herodes                                                                                                              5245-5297

Christus vor Pilatus                                                                                                                  5296-5486

Geißelung und Verspottung                                                                                       5487-5505

Kreuzigung                                                                                                                              5506-5712

Begräbnis                                                                                                                                5713-5769

Auferstehung                                                                                                                           5769-5955

Die Jünger in Emaus                                                                                                                5956-5968

Himmelfahrt                                                                                                                            5969-5983


Übersicht über den Textbestand der fünf Heliandhandschriften M, C, P, V, S

 

 

Zahl

Handschrift M

Handschrift C

Handschrift P

Handschrift V

Handschrift S

   1

 

+

 

 

 

  85

+

+

 

 

 

 351

+

+

 

 

+

 360

+

+

 

 

 

 368

+

+

 

 

+

 384

+

+

 

 

 

 393

+

+

 

 

+

 400

+

+

 

 

 

 492

+

+

 

 

+

 582

+

+

 

 

 

 675

+

+

 

 

+

 683

+

+

 

 

 

 693

+

+

 

 

+

 706

+

+

 

 

 

 715

+

+

 

 

+

 722

+

+

 

 

 

 958

+

+

+

 

 

1006

+

+

 

 

 

1279

+

+

 

+

 

1358

+

+

 

 

 

2198b

 

+

 

 

 

2256

+

+

 

 

 

2514b

 

+

 

 

 

2576

+

+

 

 

 

3414b

 

+

 

 

 

3490

+

+

 

 

 

3951

 

+

 

 

 

4017a

+

+

 

 

 

4675

 

+

 

 

 

4740a

+

+

 

 

 

5275b

 

+

 

 

 

5968

 

 

 

 

 

5969

+

 

 

 

 

5983

 

 

 

 

 


H = Heliand

 

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 1-2

 

 

PrÏfatio in librum antiquum lingua Saxonica conscriptum

 

 

Cum plurimas ReipublicÏ utilitates Ludouuicus piissimus Augustus summo atque prÏclaro ingenio prudenter statuere atque ordinare contendat, maxime tamen quod ad sacrosanctam religionem Ïternamque animarum salubritatem attinet, studiosus ac devotus esse comprobatur hoc quotidie solicite tractans, ut populum sibi a Deo subiectum sapienter instruendo ad potiora atque excellentiora semper accendat, et nociva quÏque atque superstitiosa comprimendo compescat. In talibus ergo studiis suus iugiter benevolus versatur animus, talibus delectamentis pascitur, ut meliora semper augendo multiplicet et deteriora vetando extinguat. Verum sicut in aliis innumerabilibus infirmioribusque rebus eius comprobari potest affectus, ita quoque in hoc magno opusculo sua non mediocriter commendatur benevolentia. Nam cum divinorum librorum solummodo literati atque eruditi prius notitiam haberent, eius studio atque imperii tempore, sed Dei omnipotentia atque inchoantia mirabiliter actum est nuper, ut cunctus populus suÏ ditioni subditus, Theudisca loquens lingua, eiusdem divinÏ lectionis nihilominus notionem acceperit. PrÏcepit namque cuidam viro de gente Saxonum, qui apud suos non ignobilis vates habebatur, ut vetus ac novum Testamentum in Germanicam linguam poetice transferre studeret, quatenus non solum literatis, verum etiam illiteratis, sacra divinorum prÏceptorum lectio panderetur. Qui iussis Imperialibus libenter obtemperans nimirum eo facilius, quo desuper admonitus est prius, ad tam difficile tanque arduum se statim contulit opus, potius tamen confidens de adiutorio obtemperantiÏ, quam de suÏ ingenio parvitatis. Igitur a mundi creatione initium capiens, iuxta historiÏ veritatem quÏque excellentiora summatim decerpens, interdum quÏdam ubi commodum duxit, mystico sensu depingens, ad finem totius veteris ac novi Testamenti interpretando more poetico satis faceta eloquentia perduxit. Quod opus tam lucide tamque eleganter iuxta idioma illius linguÏ composuit, ut audientibus ac intelligentibus non minimam sui decoris dulcedinem prÏstet. Iuxta morem vero illius poëmatis omne opus per vitteas distinxit, quas nos lectiones vel sententias possumus appellare.

Ferunt eundem Vatem dum adhuc artis huius penitus esset ignarus, in somnis esse admonitum, ut SacrÏ legis prÏcepta ad cantilenam propriÏ linguÏ congrua modulatione coaptaret. Quam admonitionem nemo veram esse ambigit, qui huius carminis notitiam studiumque eius compositionis atque desiderii anhelationem habuerit. Tanta namque copia verborum, tantaque excellentia sensum resplendet, ut cuncta Theudisca poëmata suo vincat decore. Clare quidem pronunciatione, sed clarius intellectu lucet. Sic nimirum omnis divina agit scriptura, ut quanto quis eam ardentius appetat, tanto magis cor inquirentis quadam dulcedinis suavitate demulceat.

Ut uero studiosi lectoris intentio facilius quÏque ut gesta sunt possit invenire, singulis sententiis, iuxta quod ratio huius operis postularat, capitula annotata sunt.

 

 

11 actum Flacius4 (vgl. J. Quint)], auctum Flacius.   14 habebatur Flacius3 (vgl. Sievers)] hahebatur Flacius.   28 compositoris Flacius.


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 3-4

 

 

Versus de poeta et interprete huius codicis

 

(1) Fortunam studiumque viri lÏtosque labores,

(2) carmine privatam delectat promere vitam,

(3) qui dudum impresso terram vertebat aratro,

(4) intentus modico et victum quÏrebat in agro,

(5) contentus casula fuerat, cui culmea tecta,

(6) postesque acclives; sonipes sua limina nunquam

(7) obtrivit, tantum armentis sua cura studebat.

(8) o fãlix nimium, proprio qui vivere censu

(9) prÏvaluit fomitemque ardentem extinguere dirÏ

(10) invidiÏ, pacemque animi gestare quietam.

(11) gloria non illum, non alta palatia regum,

(12) divitiÏ mundi, non dira cupido movebat.

(13) invidiosus erat nulli nec invidus ulli.

(14) securus latam scindebat vomere terram

(15) spemque suam in modico totam statuebat agello.

(16) cum sol per quadrum cãpisset spargere mundum

(17) luce sua radios, atris cedentibus umbris,

(18) egerat exiguo paucos menando iuvencos

(19) depellens tecto vasti per pascua saltus.

(20) lÏtus et attonitus larga pascebat in herba,

(21) cumque fatigatus patulo sub tegmine fessa

(22) convictus somno tradidisset membra quieto,

(23) mox divina polo resonans vox labitur alto,

(24) „o quid agis Vates, cur cantus tempora perdis?

(25) incipe divinas recitare ex ordine leges,

(26) transferre in propriam clarissima dogmata linguam“.

(27) nec mora post tanti fuerat miracula dicti.

(28) qui prius agricola, mox et fuit ille poeta:

(29) tunc cantus nimio Vates perfusus amore,

(30) metrica post docta dictavit carmina lingua.

(31) cãperat a prima nascentis origine mundi,

(32) quinque relabentis percurrens tempora sÏcli,

(33) venit ad adventum Christi, qui sanguine mundum

(34) faucibus eripuit tÏtri miseratus Averni.

 

5 tecta Schmeller, Dümmler, Quint] testa Flacius.   6 acclives] ob acclines (Schönbach)? limina Cordesius (vgl. Quint), Dümmler] lumina Flacius.   5 Paulin. Nol., c. 18, 386 (Schönbach).     8ff. Vgl. Verg., Georg. 2, 458ff. (Jellinek).   13 ulli Flacius4 (vgl. Sievers), Schmeller, Dümmler] illi Flacius.   17 lucÏ Flacius.   18 „Menare, pro ducere, vox italica est“ Flacius am Rand.   20 Martial., c. 5, 3, 3 (Heinzel bei Jellinek).   21 Verg., Ecl. 1, 1 = Georg. 4, 566 (Jellinek).   31 Verg.., Georg. 2, 336 (Schönbach).


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 7-8

I.

(1) *Manega uuâron,      the sia iro môd gespôn,

(2) ............ ,      that sia bigunnun uuord godes,

(3) reckean that girûni,      that thie rîceo Crist

(4) undar mancunnea      mâriŒa gifrumida

(5) mid uuordun endi mid uuercun.      That uuolda thô uuîsara filo

(6) liudo barno loªon,      lêra Cristes,

(7) hêlag uuord godas,      endi mid iro handon scrîªan

(8) berehtlîco an buok,      huô sia scoldin is gibodscipi

(9) frummian, firiho barn.      Than uuârun thoh sia fiori te thiu

(10) under thera menigo,      thia habdon maht godes,

(11) helpa fan himila,      hêlagna gêst,

(12) craft fan Criste, -      sia uurŒun gicorana te thio,

(13) that sie than êuangelium      ênan scoldun

(14) an buok scrîªan      endi manag gibod godes,

(15) hêlag himilisc uuord:      sia ne muosta heliŒo than mêr,

(16) firiho barno frummian,      neªan that sia fiori te thio

(17) thuru craft godas      gecorana uurŒun,

(18) Matheus endi Marcus, - sô uuârun thia man hêtana –

(19) Lucas endi Iohannes;      sia uuârun gode lieªa,

(20) uuirŒiga ti them giuuirkie.      Habda im uualdand god,

(21) them heliŒon an iro hertan      hêlagna gêst

 

1-84 Einschließlich nur in C.   1 In C davor als Zierzeile Inc(i)pit quat(u)or evangelium; darüber, von junger Hand Evangelia in lingua Danica.   2 Vgl. Taeger, Nd. Jb. 105, 130; keine Lücke C; Schumann, Germania 30, 65 und Franck, Z. f. d. A. 31, 202, danach Behaghel und Mitzka tilgen uuord godes und fassen die Verse 2/3 als einen Vers; bigunnun ..... (Lücke von zwei Halbzeilen) uuord godes reckean Rieger, Lesebuch S. 1, bigunnun uuord godes cuthian, reckean Müllenhoff, bigunnun uuord godes uuido cuthian, reckean Roediger, A. f. d. A. 5, 283; uuord godes uuisean bigunnun, reckean Sievers, vgl. PBB 10, 587, uuord godes uuendean bigunnun, reckean Rathofer, Nd. W. 9, 52; bigunnungodes uuord reckean || rihtian Piper; vgl. noch Colliander 451.   3 thi(e) (e rad.) C.   3-4 Vgl. Jellinek, Z. f. d. A. 40, 331, Kock Z. f. d. A. 48, 187.   8 berethlico C. gibodscipi Hofmann I 51] gibodscip C, is gibodscip scoldin Sievers, Behaghel.   12 CristÏ C.   13 ena Piper.     scoldin Schröder, Z. f. d. A. 46, 112.   14 se C.   15-16 Vgl. Grein, Germania 13, 210, Kock, Z. f. d. A. 48, 191.   15 Vgl. Grein, Germania 11, 210.   19 Iohannes endi Lucas frühere Auflagen, dazu Heusler, Versgeschichte I 104.      lieba gode Rieger, Z. f. d. P. 7, 29.

 

Tatian Prologus 1-4

1-37 Tattian prol. Lukas 1,1-4 und Beda zu Lukas 1,1 Falsa ... evangelia Lucas prima mox praefatione refellit: ‚Quoniam quidem multi’ inquit ‚conati sunt ordinare narrationem (quae in nobis completae sunt rerum)’, qui non spiritus sancti munere donati, sed vacuo labore conati magis ordinarint narrationem quam historiae texuerint veritatem, ideoque aliis complendum opus in quo frustra sudavere reliquerint, illis nimirum qui cum sint quattuor non tam quattuor evangelia quam unum quattuor [librorum] varietate pulcherrima consonum ediderunt. Ediderunt enim ‚sicut tradiderunt illis qui ab initio ipsi viderant et ministri fuerant sermonis’, qua sententia non soli Lucas et Marcus, verum Matthaeus quoque et Iohannes apostoli sunt designati: et ipsi enim in multis quae scriberent ab eis ... qui ... eius gestis interesse potuerant audire opus habebant. Quod autem ‚visum etiam sibi scribere’ dicit, non quasi a se sibi visum, sed spiritu sancto investigante sibi quoque visum significat ... Theophilo ... eorum de quibus eruditus est verborum promittitur veritas exprimenda, scilicet ut quo quid ordine de domino vel a domino gestum dictumve sit agnoscere queat.


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 8-9

 

(22) fasto bifolhan      endi ferahtan hugi,

(23) sô manag uuîslîk uuord      endi giuuit mikil,

(24) that sea scoldin ahebbean      hêlagaro stemnun

(25) godspell that guoda,      that ni haªit ênigan gigadon huergin,

(26) thiu uuord an thesaro uueroldi,      that io uualdand mêr,

(27) drohtin diurie      eftho derªi thing,

(28) firinuuerc fellie      eftho fîundo nîŒ,

(29) strîd uuiºerstande -,      huand hie habda starkan hugi,

(30) mildean endi guodan,      thie thes mêster uuas,

(31) aŒalordfrumo      alomahtig.

(32) That scoldun sea fiori thuo      fingron scrîªan,

(33) settian endi singan      endi seggean forŒ,

(34) that sea fan Cristes      crafte them mikilon

(35) gisâhun endi gihôrdun,      thes hie selªo gisprac,

(36) giuuîsda endi giuuarahta,      uundarlîcas filo,

(37) sô manag mid mannon      mahtig drohtin,

(38) all so hie it fan them anginne       thuru is ênes craht,

(39) uualdand gisprak,      thuo hie êrist thesa uuerold giscuop

(40) endi thuo all bifieng      mid ênu uuordo,

(41) himil endi erŒa      endi al that sea bihlidan êgun

(42) giuuarahtes endi giuuahsanes:      that uuarŒ thuo all mid uuordon godas

(43) fasto bifangan,      endi gifrumid after thiu,

(44) huilic than liudscepi      landes scoldi

(45) uuîdost giuualdan,      eftho huar thiu uueroldaldar

(46) endon scoldin.      Ên uuas iro thuo noh than

(47) firio barnun biforan,      endi thiuªi uuârun agangan:

(48) scolda thuo that sehsta      sâliglîco

(49) cuman thuru traft godes      endi Cristas giburd,

 

23 Colliander 452.   25 Schumann, Germania 30, 66; Sievers, PBB 10, 587.   28 Jellinek, A. f. d. A. 42, 220.   28b, 29a eftho uuiŒar fiundo nîth strîºu stande Piper.   31 aºal orŒfrumo alomahtig C.       allo- Kauffmann, PBB 12, 348, alo- Basler, Alts. S. 10, alomahtig god Holthausen (brieflich).   38 ena C.   43 gifrimid C.   45 huan Roediger, vgl. Behaghel, Germania 27, 416.   45-46 weroldaldar endon scoldin Kock, Z. f. d. A. 48, 192] werold aldar endon scoldi C; weroldaldar endon scoldi Grein, Germania 11, 210, werold scoldi aldar endon Sievers, Z. f. d. A. 19, 62, Basler, Alts. S. 14, werold than aldar endon scoldi Heyne2, werold gio aldar endon scoldi Heyne3 und Heyne4.   47 thiu tilgt Roediger, vgl. Behaghel, Germania 27, 416.   49 Windisch S. 15.

 

Tatian 1,1-3

37-43 Tatian I. J. 1, 1. In principio erat verbum ... et deus erat verbum. 1,3 Omnia per ipsum facta sunt et sine ipso factum est nihil quod factum est. 45-53 Alc. zu J. 2, 6. Vasa sex ... corda sunt devota sanctorum, quorum perfectio vitae et fidei ad exemplum recte credendi et vivendi proposita est generi humano per sex saeculi labentis aetates ... Sexta inchoante saeculi aetate dominus in carne apparens ... Ecce hydria sexta ad abluenda contagia peccati, ad portanda vitae gaudia mundiorem ceteris adstruens undam!


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 9-10

 

(50) hêlandero bestan,      hêlagas gêstes,

(51) an thesan middilgard      managon te helpun,

(52) firio barnon ti frumon      uuiŒ fîundo Œ

(53) uuiŒ dernero duualm.      Than habda thuo drohtin god

(54) Rômano liudeon farliuuan      rîkeo mêsta,

(55) habda them heriscipie      herta gisterkid,

(56) that sia habdon bithuungana      thiedo gihuilica,

(57) habdun fan Rûmuburg      rîki giuunnan

(58) helmgitrôsteon,      sâton iro heritogon

(59) an lando gihuem,      habdun liudeo giuuald,

(60) allon elitheodon.       Erodes uuas

(61) an Hierusalem      oªer that Iudeono folc

(62) gicoran te kuninge,       sô ina thie kêser tharod,

(63) fon Rûmuburg      rîki thiodan

(64) satta undar that gisîŒi.      Hie ni uuas thoh mid sibbeon bilang

(65) aªaron Israheles,      eŒiligiburdi,

(66) cuman fon iro cnuosle,      neªan that hie thuru thes kêsures thanc

(67) fan Rûmuburg      rîki habda,

(68) that im uuârun sô gihôriga      hildiscalcos,

(69) aªaron Israheles      elleanruoªa:

(70) suîŒo unuuanda uuini,      than lang hie giuuald êhta,

(71) Erodes thes rîkeas      endi râdburdeon held

(72) Iudeo liudi.      Than uuas thar ên gigamalod mann,

(73) that uuas fruod gomo,      habda ferehtan hugi,

(74) uuas fan them liudeon      Levias cunnes,

(75) Iacobas suneas,      guodero thiedo:

(76) Zacharias uuas hie hêtan.      That uuas sô sâlig man,

(77) huand hie simblon gerno      gode theonoda,

(78) uuarahta after is uuilleon;      deda is uuîf sô self

 

50 Vgl. Schumann, Germania 30, 67, Sievers, PBB 10, 587. best C, vgl. Holthausen, Beiblatt z. Anglia 45, 130.   60 Vgl. Piper zu der Stelle, sowie Colliander 454.   64 bifang C.   66 muosle C.   71-72 radburdeon giheld Iudeono liudi Sievers] radburdeon ...... liudi C; radburdeo oªar Iudeoliudi Rieger, Lesebuch S. 3, rad burda On Iudeono liudi Schmeller, Müllenhoff, Heyne, radburdi On Iudeono liudi Roediger, radburdiun êhta Iudeono liudi Piper, vgl. Sievers, PBB 10, 540; Colliander 454.   77ff. Hierzu in C am Rand von etwa gleich alter Hand: secundum Lucam: In illo tempore fuit in diebus Erodis regis Iude sacer quidam nomine Zacharias.   75 sumeas C.   78 Ïfter C.

 

Tatian 2,1-2, Otfrid I, 4,1-10

53-60 Hraban zu Matthäus 2, 1. Itaque . . Caesar Augustus ordinatione dei totum orbem terrarum ab oriente in occidentem, a septentrione in meridiem ac per totum oceani circulum omnes gentes una pace composuit; und weiter: Illud quoque quod Augustus legiones suas ad tutamen orbis terrarum distribuisset significat quod ... 61-76 Tat. II. Lukas 1, 5. Fuit in diebus Herodis regis Iudeae (Beda zu Lukas 1,5. Tempus quoque Herodis alienigenae videlicet regis etiam ipsum dominico attestatur adventui ... ; (Hyrcano) ab Herode ... interempto Iudeae regnum ipsi Herodi iussu Caesaris Augusti traditur gubernandum) quidam sacerdos nomine Zacharias de vice Abia (dazu vgl. die Ausführungen bei Beda zu Lukas 1,5 und wegen vers  75 ebenda: sacrosancta praecursoris domini nobilitas non solum a parentibus, sed etiam a progenitoribus gloriosa descendit) et uxor illi de filiabus Aaron, et nomen eius Elisabeth. 76-79 Lukas 1, 6 Erant autem iusti ambo ante deum, incedentes in omnibus mandatis et iustificationibus dei sine querela.


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 10-11

 

(79) - uuas iru gialdrod idis:      ni muosta im erbiuuard

(80) an iro iuguŒhêdi      giªiŒig uuerŒan -

(81) libdun im farûter laster,      uuaruhtun lof goda,

(82) uuârun sô gihôriga      heªancuninge,

(83) diuridon ûsan drohtin:      ni uueldun derªeas uuiht

(84) under mancunnie,      mênes gifrummean,

(85) ne *saca ne sundea.      Uuas im thoh an sorgun hugi,

(86) that sie erªiuuard      êgan ni môstun,

(87) ac uuârun im barno lôs.      Than scolda he gibod godes

(88) thar an Hierusalem,      sô oft sô is gigengi gistôd,

(89) that ina torhtlîco      tîdi gimanodun,

(90) sô scolda he at them uuîha      uualdandes geld

(91) hêlag bihuuerªan,      heªancuninges,

(92) godes iungarskepi:     gern uuas he suîŒo,

(93) that he it thurh ferhtan hugi     frummean môsti.

II.

(94) Thô uuarŒ thiu tîd cuman,   -   that thar gitald habdun

(95) uuîsa man mid uuordun,   -   that scolda thana uuîh godes

(96) Zacharias bisehan.     Thô uuarŒ thar gisamnod filu

(97) thar te Hierusalem      Iudeo liudio,

(98) uuerodes te them uuîha,      thar sie uualdand god

(99) suuîŒo theolîco      thiggean scoldun,

(100) hêrron is huldi,      that sie heªancuning

(101) lêŒes alêti.      Thea liudi stôdun

(102) umbi that hêlaga hûs,      endi geng im the gihêrodo man

(103) an thana uuîh innan.      That uuerod ôŒar bêd

(104) umbi thana alah ûtan,      Ebreo liudi,

(105) huuan êr the frôdo man      gifrumid habdi

(106) uualdandes uuilleon.      Sô he thô thana uuîrôc drôg,

(107) ald aftar them alaha,      endi umbi thana altari geng

(108) mid is rôcfatun      rîkiun thionon,

(109) - fremida ferhtlîco      frâon sînes,

(110) godes iungarskepi      gerno suuîŒo

(111) mid hluttru hugi,      *sô man hêrren scal

(112) gerno fulgangan -, grurios quâmun im,

 

85 Mit s(aca   n)e sundea (Uu)a(s) (teilweise radiert) beginnt M (davor 7 Zeilen ausradiert).   93 it fehlt C      fremmean C.   94 the C, vgl. Schumann, Germania 30, 67.   97 Iudeono M.   102 gierodo C.   103 vgl. Jellinek, Z. f. d. A. 40, 331.   105 Huuaner Müllenhoff stets.   107 êld Holthausen (brieflich).   109 frumida C.   111* so – 116* quathie (= fol. 2v, Z. 1-4) ausradiert (zum Teil noch erkennbar) M.   112 georno C      grurio quamun Grienberger, PBB 36, 90, dazu Sievers PBB 36, 416.

 

Tatian 2,2-3, Otfrid I, 4,11-20

79-87 Lukas 1,7 Et non erat illis filius, eo quod esset Elisabeth sterilis, et ambo processissent in diebus suis. 87-96 Lukas 1,8 Factum est autem cum sacerdotio fungeretur in ordine vicis suae ante deum, Lukas 1,9 secundum consuetudinem sacerdotii, sorte exiit ut incensum poneret ingressus in templum domini. 101-106 Lukas 1,10 Et omnis multitudo erat populi orans foris hora incensi.


H = Heliand

Heliand und Genesis, hg. v. Behaghel, O., 10. A. 1996, S. 11-12

 

(113) egison an them alahe:      hie gisah thar aftar thiu ênna engil godes

(114) an them uuîhe innan,      hie sprac im mid is uuordon tuo,

(115) hiet that fruod gumo      foroht ni uuâri,

(116) hiet that hie im ni andriede:      ‚thîna dâdi sind’, quathie*,

(117) ‚uualdanda uuerŒe      endi thîn uuord sô self,

(118) thîn thionost is im an thanke,      that thu sulica githâht haªes

(119) an is ênes craft.      Ic is engil bium,

(120) Gabriel bium ic hêtan,      the gio for goda standu,

(121) anduuard for them alouualdon,      ne sî that he me an is ârundi huarod

(122) sendean uuillea.      Nu hiet he me an thesan sî